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Münzen und Barren hoch im Kurs : Griechen retten sich in Gold

Gold scheint ein sicherer Hafen zu sein. (Goldbarren in London, auf einem Archivbild von 2006) Bild: dpa

Die Angst geht um unter den Griechen: was wird aus ihrem Geld? Die Edelmetall-Händler profitieren von dieser Verunsicherung.

          Angesichts der Verunsicherung im Schuldenstreit zwischen ihrem Heimatland und der EU suchen griechische Anleger zunehmend Zuflucht im Gold. Das Edelmetall gilt vor allem in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Nach Angaben europäischer Edelmetallhändler ist die Gold-Nachfrage schon vor der griechischen Parlamentswahl gestiegen, nach dem Sieg des Bündnisses von Syriza und den Unabhängigen Griechen aber regelrecht „explodiert“.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Online-Händler für Edelmetalle Coin Invest teilte mit, dass sich der Gold-Absatz in der Woche nach der Wahl im Vergleich zur durchschnittlichen Nachfrage verzehnfacht habe. In den fünf Werktagen nach dem Erfolg des Links-rechts-Bündnisses bestellten griechische Anleger Münzen und Barren im Wert von knapp 2 Millionen Euro bei dem in Frankfurt ansässigen Unternehmen. In der zweiten Woche nach der Wahl lag die Nachfrage immer noch doppelt so hoch wie in gewöhnlichen Wochen, bei 400000 Euro. „Die Anleger haben Angst vor Liquiditätsproblemen, einer Verstaatlichung und einer Pleite der Banken“, sagt Daniel Marburger, Direktor der CoinInvest GmbH.

          Beim Münchner Edelmetallhändler Pro Aurum stieg vor allem die Nachfrage der in Griechenland traditionell beliebten Goldmünze Sovereign aus dem Vereinigten Königreich „signifikant“, wie Geschäftsführer Robert Hartmann sagte. Die Umsätze im Januar lagen um bis zu 70 Prozent höher als die Durchschnittswerte in den drei vorherigen Monaten. Mehrmals pro Woche seien zuletzt Anfragen über 5000 bis 10000 Sovereigns eingegangen. „Das erreichen wir nicht alle Tage“, sagte Hartmann. Die Nachfrage sei bereits in den Wochen vor der Wahl gestiegen, „weil sich das Ergebnis schon abgezeichnet hat und deswegen bei vielen Griechen Unsicherheit über die Sicherheit der Banken und des eigenen Vermögens herrschte“, sagte Hartmann. Bis zu einem Betrag von unter 15000 Euro können Edelmetalle anonym gekauft werden.

          Eine deutlich erhöhte Gold-Nachfrage aus Griechenland hat auch Royal Mint aus dem Mutterland des Sovereigns festgestellt. Zahlen nennt die Münzprägeanstalt des Vereinigten Königreichs aber keine. Aber auch die Briten sehen „politische und finanzwirtschaftlich unsichere Zeiten“ als Grund für den steilen Anstieg des Interesses aus Griechenland.

          Die starke Gold-Nachfrage bekommt auch die National Bank of Greece zu spüren. Wie das Institut aus Athen mitteilte, habe es im Januar 5849 Sovereigns verkauft. Damit haben die griechischen Anleger, die seit Dezember 15 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben haben, in etwa so viele dieser Goldmünzen erworben wie jeweils im zweiten und dritten Quartal 2014. In den letzten drei Monaten des Vorjahres lag die Zahl in Hellas verkaufter Sovereigns bei insgesamt 7857.

          Die Verkäufe liegen nach den Nationalbank-Statistiken aber noch weit entfernt von jenen kurz nach Ausbruch der Finanz- und Euro-Krise, als sich auch Griechen in hohem Maße ins Gold flüchteten – und das trotz eines damals sehr hohen Preises. Eine Feinunze des Edelmetalls kostete im Sommer 2011, als die Furcht vor einem Zusammenbruch im Euroraum zunahm, mehr als 1900 Dollar. Kurz danach brach, nicht zuletzt aufgrund vieler Spekulationen von Anlageprofis, der Preis ein. Am Dienstag lag ihr Wert bei 1237 Dollar.

          Händler rechnen nicht mit dem Ende des Goldrauschs

          Marktbeobachter rechnen damit, dass die Angst der Griechen vor einem möglichen Vermögensverlust weiter groß bleiben dürfte. Auch Edelmetallhändler gehen davon aus, dass der Goldrausch in Hellas längst nicht vorbei ist. Weil die Unsicherheit der Anleger andauere, rechnet CoinInvest-Chef Marburger „kurz- und mittelfristig mit einer anhaltend hohen Nachfrage“.

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