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Goldreserven der Bundesbank Rechnungshof will eine Prüfung des Goldschatzes

133 Milliarden Euro hat die Bundesbank in Gold - doch einen großen Teil des Goldes hat noch niemand gesehen. Der Bundesrechnungshof fordert jetzt eine Inventur.

© dpa Das ist Bundesbank-Gold aus Frankfurt. Es wird regelmäßig geprüft. Das Gold, das in anderen Ländern gelagert wird, hat dagegen noch niemand unter die Lupe genommen.

Der Bundesrechnungshof hat eine regelmäßige Inventur der im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven gefordert. In einem der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorliegenden Bericht an den Bundestags-Haushaltsausschuss begründet der Rechungshof seine Forderung vor allem mit dem hohen Wert der Reserven.

Die Reserven summieren sich demnach auf 3396 Tonnen Gold im Wert von 132,9 Milliarden Euro. Verwahrt würden Barren von der Bundesbank in eigenen Tresoren in Frankfurt sowie an drei Lagerstellen im Ausland: Bei der US-Notenbank Fed in New York, der französischen Nationalbank in Paris und der britischen Zentralbank in London.

„Noch nie von der Bundesbank geprüft“

„Angesichts des hohen Wertes der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden, hält es der Bundesrechnungshof daher handelsrechtlich für erforderlich, auch die bei ausländischen Notenbanken verwahrten Goldbestände in regelmäßigen Zeitabständen mittels geeigneter Stichproben körperlich aufzunehmen“, heißt es in dem Bericht.

Wie schon im Mai kritisieren die Prüfer, anders als die in Deutschland verwahrten Bestände seien die im Ausland gelagerten „noch nie von der Bundesbank selbst oder durch andere unabhängige Prüfer körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht geprüft worden“. Die Bundesbank verlasse sich lediglich auf schriftliche Bestätigungen der Verwahrstellen.

Die Bundesbank hält eine Inventur nicht für nötig

In ihrer Stellungnahme zu dem Bericht gibt die Bundesbank an, dass sie eine Stichprobeninventur nicht für notwendig halte. Dies sei rechtlich nicht notwendig und bei den ausländischen Lagerstellen auch nicht möglich. Diese Auffassung werde auch vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) ausdrücklich bestätigt.

Der Bundesbank empfiehlt der Rechnungshof daher, mit den drei ausländischen Notenbanken ein Recht zur physischen Prüfung der Bestände auszuhandeln. Mit der Umsetzung dieser Empfehlung habe die Bundesbank begonnen. Außerdem habe sie beschlossen, in den kommenden drei Jahren jeweils 50 Tonnen des bei der Fed in New York liegenden Goldes nach Deutschland zu bringen, um es hier einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.

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In dem Bericht sind mehrere Stellen geschwärzt. So geht aus dem Papier nicht hervor, wie viel Gold genau bei welcher ausländischen Notenbank liegt. Begründet wird dies mit vertraulich zu behandelnden Geschäftsdaten der Verwahrstellen. In dem Bericht kritisiert der Rechnungshof auch, dass die Bundesbank nicht über ein dokumentiertes Lagerstellenkonzept verfüge, um über die Auswahl der Lagerplätze und etwaige Verlagerungen zu entscheiden. Die Bundesbank habe zugesagt, ein solche Konzept zeitnah zu erarbeiten, heißt es in dem Bericht.

Die Goldreserven sind Teil der offiziellen Währungsreserven der Bundesrepublik. Die in der Bundesbank-Zentrale verwahrten Bestände bestehen dem Bericht zufolge aus 82.857 Barren, die überwiegend in verplombten Containern mit je 50 Barren lagern, die in vier separat verschlossenen Tresorboxen aufbewahrt werden. Ein Teil davon (6183 Barren) lagert demnach in offenen Regalen in einem separaten Tresor - der sogenannten Goldkammer. Zur Sicherung des Goldes heißt es in dem Bericht: „Der Tresoraußenverschluss steht unter Zweifach-, die Innenverschlüsse und die Goldkammer unter einem Dreifachverschluss.“

Quelle: FAZ.net / Reuters

 
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