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Goldman-Sachs-Chef Blankfein Der Prügelknabe

 ·  Goldman-Sachs-Chef Blankfein kämpft gegen die Vorwürfe eines Mitarbeiters, der der Investmentbank fragwürdige Geschäftsmethoden vorwirft. Es ist längst nicht das erste Mal, dass sich Blankfein um Schadensbegrenzung mühen muss.

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© REUTERS Müht sich um Schadensbegrenzung: Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Eigentlich war es in letzter Zeit ruhig um den größten Prügelknaben der Wall Street geworden. Lloyd Blankfein, der Vorstandschef der führenden Investmentbank Goldman Sachs, gab keine Interviews mehr, nachdem sich seine Späße über das „Werk Gottes“, das Banker angeblich verrichteten, zu einem PR-Desaster ausgeweitet hatten. Die Abgeordneten des Kongresses, die Blankfein und andere Manager von Goldman in den vergangenen Jahren vorgeladen hatten, um sie wegen der Finanzkrise zu verhören, kümmern sich wieder um andere Themen. Auch die zuletzt mäßigen Geschäftsergebnisse von Goldman und der vergleichsweise bescheidene Bonus von Blankfein hatten kein Aufregerpotential.

Bombe aus Papier und Druckerschwärze

Und nun das: Am Mittwoch wirft ein Angestellter der Bank aus London Goldman Sachs einen Verfall der Unternehmenskultur und fragwürdige Geschäftsmethoden vor. „Ich wusste, es war Zeit zu gehen, als ich merkte, dass ich den Studenten nicht mehr länger in die Augen sehen und ihnen sagen konnte, was es für ein großartiger Ort zum Arbeiten ist“, schrieb Greg Smith, der bei der Anwerbung neuer Talente beteiligt war, in einem öffentlichen Kündigungsschreiben auf der Meinungsseite der „New York Times“. Manager bezeichneten Kunden von Goldman als „Muppets“, was in London keine Bezeichnung für sympathische Puppen, sondern Slang für einen Trottel ist. Smith war trotz seines Titels „Exekutivdirektor“ kein ranghoher Manager. Es gibt 12.000 andere auf seiner Hierarchiestufe bei Goldman Sachs. Aber der Text schlug an der Wall Street ein wie eine Bombe. Der Aktienkurs von Goldman Sachs sackte um mehr als 3 Prozent ab.

Die Diskussion, ob Goldman Sachs - und gemeint sind auch alle anderen Investmentbanken, die so erfolgreich sein wollen wie Goldman - seine Kunden über den Tisch zieht, brach in voller Härte wieder los. Blankfein bemühte sich um Schadensbegrenzung. „Die Anschuldigungen dieser Person spiegeln nicht unsere Werte, unsere Kultur und das Denken der großen Mehrheit der Mitarbeiter von Goldman Sachs wider“, schrieben Blankfein und seine Nummer zwei, Gary Cohn, in einer Mitteilung an die Mitarbeiter. Die große Mehrheit der Leute von Goldman glaubten nach einer internen Umfrage, dass sie ihren Kunden außergewöhnlich gute Dienste leisteten. Aber möglicherweise hat Blankfein noch nicht genug getan, um das Image von Goldman zu verändern.

Große Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdbild

Dabei schlug der im rauhen New Yorker Stadtteil Bronx geborene und dann in Sozialwohnungen im nicht minder harten Brooklyn groß gewordene Blankfein zuletzt einen kompromissbereiten Kurs ein. Immerhin lernte er früh, Konflikte zu vermeiden, wenn sie sich nicht gewinnen ließen. Jeden Tag, wenn ihn der Schulbus vor den Backsteinhochhäusern ablieferte, schaute er aus dem Fenster und musste entscheiden, ob es zu gefährlich ist auszusteigen. So erzählte es Blankfein zumindest einmal.

Auch im juristischen Schlagabtausch mit der Börsenaufsicht SEC hatte Blankfein 2010 entschieden, einem weiteren Streit aus dem Weg zu gehen. Goldman Sachs einigte sich damals auf einen außergerichtlichen Vergleich von mehr als einer halben Milliarde Dollar, um die gegen sie erhobenen Vorwürfe des Wertpapierbetrugs beizulegen. Das ist die höchste Strafe, die die Behörde jemals gegen eine Bank verhängt hat. Blankfein glaubte offenbar, dass ein anhaltender Streit Goldman mehr schädigen würde als das Geld - das Goldman innerhalb von zwei Wochen ohnehin wieder verdient hatte. Blankfein initiierte zudem eine Überprüfung der Geschäftspraktiken. „Wir verstehen, dass sich unser Selbstbild als Unternehmen von der Wahrnehmung unserer Rolle im Markt durch die breitere Öffentlichkeit unterscheidet“, sagte Blankfein vor zwei Jahren. Es scheint, als sei das immer noch so.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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