http://www.faz.net/-gqe-y2ul

Goldförderung : Das giftige Vermächtnis des Goldrauschs

Üble Brühe: Abwasser aus einer Mine bei Johannesburg Bild: Claudia Bröll

Die Gegend nahe Johannesburg war früher die wichtigste Goldförderregion der Welt. Dem ganzen Land verhalf das gelbe Edelmetall zu wirtschaftlicher Blüte. Der Goldrausch zeigt nun seine Kehrseite: Saures Grubenwasser verpestet die Umwelt.

          David Ncwana ist stolz auf seinen Gemüsegarten im Tudorshaft-Settlement, einer Armensiedlung 30 Kilometer nordwestlich von Johannesburg. Auch wenn in jüngster Zeit immer mehr Forscher vorbeikommen, die ihn vor der rot-braunen Erde warnen. Verseucht soll sie sein. Radioaktive Strahlung haben sie festgestellt. Und ganz in der Nähe, im Nationalpark von Krugersdorp, sollen sich die Tiere weigern, das Wasser zu trinken. Einige seien lieber verdurstet. Der 51 Jahre alte Mann, der deutlich älter aussieht, zuckt nur mit den Schultern.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die Gegend nahe Johannesburg – auf dem Höhenzug Witwatersrand – war früher die wichtigste Goldförderregion der Welt. Dem ganzen Land verhalf das gelbe Edelmetall zu wirtschaftlicher Blüte, Johannesburg hat ihm seine Entstehung zu verdanken. Der Goldrausch zeigt nun jedoch seine Kehrseite: Umweltschützer und Wissenschaftler warnen vor einer ökologischen Katastrophe im einstigen Eldorado Afrikas. Täglich gelangen Millionen Liter hochgiftiges und teilweise radioaktiv verseuchtes Wasser aus den alten Bergwerken in den Wasserkreislauf („Acid Mine Drainage“). Eines der vier großen Goldbassins nahe Johannesburg ist schon übergelaufen.

          Das Vermächtnis von Generationen

          Lange wurde nichts dagegen unternommen. Doch jetzt will sich die südafrikanische Regierung des Problems annehmen. Die Zeit drängt: Marius Keet, Direktor im Wasserministerium, warnte Mitte vergangenen Jahres im Parlament davor, dass das saure Grubenwasser in ungefähr 18 Monaten auf die Straßen von Johannesburg fließen könnte, sollte weiterhin nichts unternommen werden.

          „Acid Mine Drainage“ entsteht auch in anderen Bergbauregionen. In Südafrika ist das Problem aber besonders groß. Nach mehr als hundert Jahren Goldförderung gleicht der Untergrund des Witwatersrand einem riesigen Labyrinth nicht mehr genutzter Stollen und Schächte. Bergleute witzeln gern darüber, dass man in eine Goldmine einsteigen und 100 Kilometer entfernt wieder aus einer anderen Mine auftauchen kann. Einige Schächte reichen mehr als drei Kilometer tief in die Erde. Die riesigen Gruben füllen sich unentwegt mit Wasser, das Schwermetalle und Uran aus dem porösen Gestein wäscht.

          In einem noch betriebenen Bergwerk wird das Wasser abgepumpt und aufbereitet. Doch für viele stillgelegte Minen fühlt sich niemand verantwortlich. Mehr als hundert Unternehmen haben in 120 Jahren nach Gold gesucht – nur noch wenige von ihnen existieren. Oft haben kleinere Gesellschaften die Bergwerke übernommen, weil sie zu geringeren Kosten noch den letzten Rest Gold an das Tageslicht befördern können. Sie argumentieren, das Vermächtnis von Generationen von Goldgräbern nicht allein schultern zu können.

          Prominentestes Beispiel ist die Grootvlei-Mine, 50 Kilometer östlich von Johannesburg. Sie wurde 2009 von dem Unternehmen Aurora Empowerment Systems übernommen, nachdem der vorherige Betreiber Konkurs angemeldet hatte. Pikanterweise gehört Aurora einem Enkel von Nelson Mandela und einem Neffen von Staatspräsident Jacob Zuma. Das Gespann sorgt seitdem aber fast ausschließlich für Negativschlagzeilen: Erst sprangen die Kapitalgeber ab, dann konnte Aurora seine Arbeiter monatelang nicht bezahlen, jetzt fließt das Wasser aus der maroden Mine in Flüsse und bedroht ein weltberühmtes Vogelreservat. Aurora pumpt zwar, aber nicht genug. Vor allem bei starkem Regen könnten die alten Pumpen nicht mithalten, gesteht ein Unternehmenssprecher ein. Für neue Pumpen hat Aurora jedoch kein Geld.

          Weitere Themen

          Tourismus zerstört Postkarten-Idylle Video-Seite öffnen

          Inselparadies Raja Ampat : Tourismus zerstört Postkarten-Idylle

          Der Archipel im Osten Indonesiens gilt als neuer Tourismus-Hotspot des Landes: Türkisfarbenes Wasser, entlegene Inseln und unberührte Natur. Doch insbesondere die indigene Bevölkerung sieht die Entwicklung kritisch und fürchtet neben ökologischen Schäden auch einen Identitätsverlust.

          Topmeldungen

          Er hat sicher seinen eigenen. Kim Jong-un, wie ihn die „Human Rights Watch Foundation“ bei einem Hackertreffen Ende Juli in Las Vergas dargestellt hat.

          Nordkoreas Cyberarmee : Global einsatzbereit

          Wer dem Kim-Regime keine komplexen Hackerangriffe zutraut, täuscht sich gewaltig. Der Krieg im Netz bietet Pjöngjang, was es braucht.

          Wildlife-Foto des Jahres : Ein Symbol für die Grausamkeit der Menschen

          Das Bild eines gewilderten Nashorns ist zum Wildlife-Foto des Jahres gekürt worden, weil es symbolhaft für eines der grausamsten und unnötigsten Verbrechen an der Natur steht. Ähnlich beeindruckend sind die Fotos, die nicht gewonnen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.