sup. Bei Chrysler kommt alles zusammen. Steigende Benzinpreise treiben nun auch Amerikas Autofahrer zum Kauf solcher Autos, die wenig verbrauchen. Diese bietet Chrysler jedoch nicht an. Durch die steigenden Zinsen drohen die als Kaufanreiz gedachten Finanzierungsangebote für Chrysler nun zum Verlustgeschäft zu werden. Und schließlich hat Chrysler das Pech, daß die Automobilarbeitergewerkschaft UAW in puncto Gesundheitskosten gegenüber Chrysler nicht dasselbe Entgegenkommen zeigt wie gegenüber den Sanierungsfällen GM und Ford. Es sieht also ganz danach aus, als sei Chrysler im dritten Quartal allein aufgrund äußerer Umstände wieder tief in die Verlustzone gerauscht. Doch die neuerliche Krise ist auch hausgemacht. Bis heute ist der Autobauer nicht in der Lage, einen günstigen Kleinwagen zu bezahlbaren Preisen selbst zu bauen, weshalb jetzt in China nach Kooperationspartnern Ausschau gehalten wird. Und der Zinsanstieg kommt ebensowenig überraschend wie die Verhandlungsposition der Gewerkschaften. Viel schwerer als solche operativen Fehlleistungen wiegt aber das Problem, daß Vorstandschef Dieter Zetsche mit einem Schlag seine Glaubwürdigkeit verliert. Was man seinem unrühmlich abgegangenen Vorgänger Jürgen Schrempp immer vorgeworfen hat, die Dinge allzuoft ein bißchen rosig zu sehen, muß sich nun auch Zetsche vorhalten lassen.