du. Wer über die Deutungshoheit verfügt, hat politisch schon viel gewonnen. Den Erfolg des marktwirtschaftlichen Modells in Neuseeland erklärte der damalige Finanzminister unter anderem damit, daß er die meisten Subventionen konsequent und zutreffend als Privilegien brandmarkte. Des weiteren sei es gelungen, die Bürger dahin zu lenken, nicht über neue Privilegien für sich selbst, sondern über deren Abschaffung beim Nachbarn nachzudenken. Mit der Berufung von Paul Kirchhof in das Kompetenzteam der Union könnte Angela Merkel ähnliches gelingen - könnte, denn die Zahl der Neider und Bedenkenträger ist groß. Am Wochenende tat sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hervor, der sich zum Bannerträger des "deutschen Gerechtigkeitsgefühls" gegen das Steuerkonzept von Kirchhof ernannte. Dabei weiß Wulff nur zu gut, daß auch dieses Modell eine abgestufte Steuerbelastung beinhaltet. Es trägt aber in seiner Radikalität des Subventionsabbaus jenem grundlegenden Umdenken Rechnung, das in Deutschland angesichts des Problemstaus notwendig geworden ist. Mit dem Drehen an Schräubchen wie in der SPD-Agenda 2010 ist es nicht mehr getan. Doch die Union gerät in die Gefahr, Kirchhof und seine Gedanken zu zerfleddern. Wulff ist einer derjenigen, die dies zu verantworten hätten. Im Eishockey bekäme er dafür jetzt eine Zeitstrafe.