nf. Wolfgang Clement wird das genießen: Für ein paar Tage wird der frühere Superminister wieder im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen - als Schlichter im Tarifkonflikt der Bauwirtschaft. Die Aufgabe mutet seltsam an, da sich die beiden Arbeitgeberverbände und die IG Bau längst auf eine Lohnerhöhung um 3,5 Prozent geeinigt haben. Doch nicht alle Regionen wollen diesen Abschluss akzeptieren. Die ostdeutschen Verbände meutern, die Lohnzahl sei zu hoch; das Baugewerbe in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein ist ebenfalls unzufrieden. Die Schlichtung eröffnet die Chance, den überraschend hohen Tarifabschluss nach unten zu korrigieren und damit auch für jene Verbände akzeptabel zu machen, die sonst eigene Wege gehen wollen. Es ist ja gerade das Charakteristikum eines Flächentarifs, dass er nicht Höchst- oder Durchschnitts-, sondern Mindestbedingungen festlegt, die alle Betriebe erfüllen können. Diese Messlatte war mit 3,1 Prozent für eine Branche, die sich gerade erst berappelt hat, zu hoch gelegt. Eine geringere Erhöhung, garniert mit einem höheren Zuschlag für die Betriebe, die sich das leisten können, wäre angemessener gewesen. Dass die Baugewerkschaft den "Abweichlern" noch keine separaten Verhandlungen angedroht hat, lässt erahnen, wie es um ihre Durchsetzungsmacht bestellt ist. Auch das sollte Clement bei seinem Spruch bedenken.