km. Die Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) hat schon so viele Etappenziele verfehlt, daß das jetzige Versagen der Minister in Genf nur noch wenige zu erregen vermag. Doch dieses Mal ist das Wort Krise angemessen. Das ständige Vertagen wichtiger Entscheidungen führt nun dazu, daß spätestens im August die Stunde der Wahrheit schlägt. Schaffen es die 150 WTO-Staaten dann nicht, das Versäumte nachzuholen, droht die Doha-Runde zu scheitern. Es ist typisch für das Gefeilsche um Exportinteressen, daß man Konzessionen erst am Ende macht. Werden die Unterhändler weich, retten sie die Runde? Oder wird die neunte Handelsrunde nach dem Krieg das erste Debakel? Der Ausgang der Feilscherei ist offen. Eine große Marktöffnung wird es wohl nicht geben, die EU und vor allem Japan werden höchstens einem Agrarkompromiß auf kleinem Nenner zustimmen. Also werden Brasilien, China und Indien die Industriemärkte auch nur wenig öffnen. Amerika kann den Kompromiß nicht verbessern: Da die Senatoren aus den Agrarstaaten Angst haben, bei den Kongreß-Wahlen im November für die Irak-Politik abgestraft zu werden, werden sie keine stärkere Subventionskürzung für Farmer zulassen. Doch ein mageres Ergebnis der Doha-Runde ist besser als gar keines. Denn das würde nicht nur die Handelsorganisation, sondern auch die Idee des Freihandels beschädigen.
