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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Glosse Wirtschaft Mit heißer Nadel

 ·  now. Scheitert Europas Verfassungsvertrag an chinesischen Hosen? Die Frage klingt absurd, aus der Luft gegriffen ist sie nicht. Wie ließe sich sonst die Eile erklären, mit der die Europäische Kommission dem Pariser Wunsch nach einem ...

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now. Scheitert Europas Verfassungsvertrag an chinesischen Hosen? Die Frage klingt absurd, aus der Luft gegriffen ist sie nicht. Wie ließe sich sonst die Eile erklären, mit der die Europäische Kommission dem Pariser Wunsch nach einem beschleunigten Verfahren zur Eindämmung des seit Jahresbeginn liberalisierten Textilhandels mit China nachkommen will? Noch am Montag hatte nur eine knappe, von Frankreich und Italien angeführte Mehrheit der EU-Partner der sprunghaft gestiegenen Einfuhr fernöstlicher Beinkleider, Pullover oder Socken rasch einen Riegel vorschieben wollen. Die deutschen Unterhändler hatten sich zurückhaltender gezeigt - aus gutem Grund: Die Marktöffnung kam keineswegs aus heiterem Himmel. Nutznießer des schärferen Wettbewerbs sind der Handel und nicht zuletzt die EU-Verbraucher. Daß Bundeskanzler Gerhard Schröder am Dienstag die mit heißer Nadel gestrickten französischen Forderungen beim Treffen mit Staatspräsident Jacques Chirac unterstützte, hätte daher eigentlich überraschen müssen. In dem Bestreben, den Gegnern der Verfassung vor dem französischen Referendum den Wind aus den Segeln zu nehmen, scheint jedoch nun fast jedes Mittel recht zu sein. Dabei hat der Textilstreit viel mit Europas mangelnder Anpassungsfähigkeit, aber nur wenig mit dem Verfassungstext zu tun. Doch wer will dies in der aufgeheizten Stimmung in Frankreich noch hören?

Quelle: F.A.Z., 27.04.2005, Nr. 97 / Seite 13
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