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Glosse Wirtschaft Krank

03.06.2007 ·  hap. Bad Vilbel ist eine eher ruhige Stadt in Hessen. Knapp 31 000 Menschen leben hier. Die Aufmerksamkeit jenseits der Stadtgrenze ist bescheiden, und so nähme es nicht wunder, wenn von dem Ort noch nicht viele in Deutschland gehört hätten.

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hap. Bad Vilbel ist eine eher ruhige Stadt in Hessen. Knapp 31 000 Menschen leben hier. Die Aufmerksamkeit jenseits der Stadtgrenze ist bescheiden, und so nähme es nicht wunder, wenn von dem Ort noch nicht viele in Deutschland gehört hätten. Das dürfte sich nun ändern. Die Bad Vilbeler Ärzteschaft tritt von diesem Montag an nahezu geschlossen für eine komplette Woche in den Streik, um zu verdeutlichen, wie es um das deutsche Gesundheitswesen bestellt ist. Dabei steht Bad Vilbel stellvertretend für die gesamte Kassenärzteschaft in Deutschland, insbesondere für die der Fachärzte. Dort spielen sich immer häufiger Szenen wie diese ab: "Guten Tag", sagt der Doktor zum Patienten , "ich behandele Sie heute zum letzten Mal, denn wir schließen unsere kassenärztliche Praxis." Die Neuordnung der Ärztevergütung vor etwa eineinhalb Jahren schlägt nun voll durch, die Erträge reichen vielerorts nicht mal mehr aus, um Angestellte und Praxismiete zu bezahlen. Die Mediziner behelfen sich mit von ihren Patienten zu zahlenden Zusatzleistungen. Die aber sind durch hohe Krankenkassenbeiträge, Zuschläge und Praxisgebühr ohnehin schon strapaziert. Ein funktionstüchtiges Gesundheitswesen sieht anders aus. Es sei denn, das Ziel der Berliner Reformen war, Kassenpatienten zu verärgern und das Ärztenetz auszudünnen. Das könnte klappen. Nicht nur in Bad Vilbel.

Quelle: F.A.Z., 04.06.2007, Nr. 127 / Seite 21
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