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Glosse Wirtschaft Kinder, Kinder

19.03.2006 ·  hap. Und eines Morgens im März 2006 wachte Deutschland auf und stellte fest: Wir sterben aus. Der Aufruhr um die niedrige Geburtenrate nimmt langsam groteske Züge an. Jetzt werden schon Frauen attackiert, weil sie Erfolg, aber keine Kinder haben.

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hap. Und eines Morgens im März 2006 wachte Deutschland auf und stellte fest: Wir sterben aus. Der Aufruhr um die niedrige Geburtenrate nimmt langsam groteske Züge an. Jetzt werden schon Frauen attackiert, weil sie Erfolg, aber keine Kinder haben. Wie lange dauert es noch, bis das Handbuch "Jedes Paar kann Kinder kriegen" zur Pflichtlektüre erhoben und der Zwang zur Nachwuchsproduktion gefordert wird? Daß in Deutschland wie in allen wohlhabenden Ländern die Fertilitätsrate zurückgeht, ist kein Phänomen dieses Frühjahrs, sondern seit Jahren zu beobachten. Schlecht ist allerdings, daß eine Umkehr der Tendenz wie etwa in Frankreich nicht in Sicht ist. Irgendwie hat sich hierzulande festgesetzt, Beruf und Familie seien nicht unter einen Hut zu bringen. Insofern hat die Diskussion etwas Gutes. Wenn mit ihr erreicht wird, daß von Tagesmüttern miterzogene Kinder nicht mehr als Nachschub für die Kriminalstatistik gesehen werden, wenn Wege für flexiblere Arbeitszeiten gefunden, beruflich gut ausgebildete Mütter als Schatz begriffen, Betreuungsmöglichkeiten schon für die Kleinsten und Auszeiten auch für Männer selbstverständlicher werden, dann ist viel gewonnen. Mit Anklagen und Drohungen läßt sich niemand animieren - wohl aber von einer Umgebung, in der es ebenso normal ist, sich ganz der Kindererziehung zu widmen wie Familie und Beruf zu verbinden.

Quelle: F.A.Z., 20.03.2006, Nr. 67 / Seite 11
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