St. Eigentlich müsste Deutschland Russland dankbar sein. Der Energieriese führt uns in seinem mit Weißrussland geführten Preiskrieg vor, wie verwundbar die Europäische Union mit ihrer hohen Abhängigkeit von Energieimporten ist. Das Problem ist nicht erst seit dem Versiegen der Quellen in der britischen Nordsee bekannt. Die Politik in Brüssel und Berlin bekennt sich schon lange zu gemeinsamen Anstrengungen, um diese Verwundbarkeit einzugrenzen. Aber es fehlt an überzeugenden Taten. Abkoppeln von russischer Versorgung ist die meistgenannte Antwort. Wie das geschehen könnte, zeigte der Brüsseler Energiekommissar Andris Piebalgs: Die EU muss stärker auf Sonne, Wind und Wasser setzen und die Verbraucher zu einem sparsameren Energieverbrauch anhalten. Das sind richtige Ansätze. Aber mit ihnen allein wird sich die Importabhängigkeit nicht nachhaltig verringern lassen. Das Grundübel sind widersprüchliche Ziele in der Energie- und Umweltpolitik. Deutschland will Vorbild in der Verringerung der Treibhausgasemissionen sein und leistet sich gleichzeitig ohne überzeugenden Ersatz den Ausstieg aus der Kernenergie. Brüssel will die EU zum Vorreiter bei der Emissionsminderung machen und die Kohle aus der Stromerzeugung weitgehend verdrängen. Damit wären aber Mitgliedstaaten mit eigenen Kohlereserven und hohem Anteil von Kohlestrom noch stärker von Gaseinfuhren abhängig.