30.07.2007 · gb. In der vergangenen Woche waren an den deutschen Finanzmärkten mehrfach Gerüchte kursiert, eine heimische Bank drohe wegen der amerikanischen Immobilienkrise in Schwierigkeiten zu geraten. Am Wochenende war zu hören, die staatliche ...
gb. In der vergangenen Woche waren an den deutschen Finanzmärkten mehrfach Gerüchte kursiert, eine heimische Bank drohe wegen der amerikanischen Immobilienkrise in Schwierigkeiten zu geraten. Am Wochenende war zu hören, die staatliche Finanzmarktaufsicht (Bafin) habe sich eingeschaltet und die großen Banken nach ihren Risiken in Amerika abgefragt. Am Montagmorgen wurde aus den Gerüchten bittere Wahrheit. Die staatliche KfW greift dem von ihr zu 38 Prozent kontrollierten Düsseldorfer Mittelstandsfinanzierer IKB Deutsche Industriekreditbank finanziell unter die Arme, weil sich die IKB mit Anlagen auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt verspekuliert hat. Die Bank reduzierte ihre Gewinnprognose und feuerte ihren Vorstandsvorsitzenden.
Das war professionelles Krisenmanagement. Sobald die Bonität einer Bank aus guten Gründen von den Finanzmärkten in Zweifel gezogen wird, ist rasches Handeln oberstes Gebot. Denn andernfalls droht sich die Vertrauenskrise auszuweiten und weitere Banken zu erfassen, die sich gar nicht in Schwierigkeiten befinden. Auch wenn am Montag die Aktienkurse anderer Banken unter Druck gerieten, wird die IKB bis auf Weiteres als ein bedauerlicher Einzelfall unter den bedeutenden deutschen Finanzhäusern wahr- genommen. Man kann nur hoffen, dass es dabei bleibt.
Ausgerechnet die IKB! Die Düsseldorfer Spezialbank für langfristige Finanzierungen gehobener Mittelständler galt als eine erste, tadellose Adresse in der deutschen Finanzwelt. Allerdings hatte die Bank in den vergangenen Jahren ihr Geschäft an den internationalen Finanzmärkten ausgeweitet und dabei unter anderem in amerikanische Anlagen investiert. Dies ist ihr nun zum Verhängnis geworden. Untergehen wird die IKB dank der Unterstützung durch die KfW nicht, aber ihr Ruf als verlässliche Adresse dürfte an den Finanzmärkten leiden.
Auch wenn sich die KfW nun als Retter der IKB präsentieren kann, stellt sich die Frage, ob die Verbindung zwischen den beiden Banken auf lange Sicht von Segen ist. Die KfW besitzt einen staatlichen Förderauftrag, während die IKB ihre Geschäfte in Konkurrenz zu privaten Banken betreibt. Ordnungspolitisch ist diese Konstruktion bedenklich. Daher wurden in der Vergangenheit aus dem Kreditgewerbe Forderungen laut, die KfW solle ihre Beteiligung an der IKB an den Meistbietenden verkaufen.
Die KfW hat diese Forderungen zurückgewiesen und wird sich jetzt in ihrer Rolle als zuverlässiger Kernaktionär der IKB bestätigt sehen. Zu Unrecht. Denn es kann nicht Aufgabe einer staatlichen Förderbank sein, eine in Konkurrenz stehende, mehrheitlich private Bank zu beschützen. Sobald die IKB wieder Boden unter den Füßen hat, sollte sich die KfW von ihr trennen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.385,31 | +0,62% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2539 | −0,02% |
| Rohöl Brent Crude | 107,40 $ | +0,13% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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