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Glencore & Co Die verschwiegenen Rohstoffriesen

 ·  In der Schweiz regt sich Widerstand gegen die Heimlichtuerei der Rohstoffkonzerne. Glencore musste jetzt aus der Deckung kommen.

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© AFP Kinder in der Kupfermine: Schweizer Hilfswerke sehen Glencore in der Verantwortung.

Das Rohstoffgeschäft rund um die Welt ist riesig. Aber man agiert gerne diskret. Dies gilt vor allem für den Handel mit den Basisgütern für die Industrie, der die Brücke zwischen den Ursprungsländern und den Verarbeitern schlägt. Unternehmen wie Mercuria, Trafigura, Vitol und Viterra kennt fast niemand. Dabei drehen sie Tag für Tag an den Märkten große Räder, ob für Öl, Metalle, Kohle oder Agrargüter. Die Undurchsichtigkeit dieser Konzerne, die zumeist in Privathand sind, ruft vermehrt Kritiker auf den Plan - dies vor allem in der Schweiz, wo Genf inzwischen London als weltgrößten Handelsplatz abgelöst hat und wo viele Rohstoffriesen beheimatet sind. Die einen loben das Licht, das vermehrt auf diese Branche geworfen wird. Die anderen sprechen vom Aufschrei einer Empörungsindustrie, bestehend aus Umweltorganisationen, Kirchengruppen und Globalisierungskritikern. Jüngster Fall ist Glencore in Baar und die Kupferproduktion im Kongo und in Sambia.

Mit dem Börsengang im vergangenen Jahr musste Glencore die branchenübliche Verschwiegenheit ablegen. Damit erhalten neben Investoren auch Kritiker mehr Einblicke in das weltweite Gebaren. Im Fall der Kupferproduktion in der Demokratischen Republik Kongo werfen die kirchlichen Schweizer Hilfswerke „Fastenopfer“ und „Brot für alle“ Glencore vor, für die Schmelzöfen in Mopani hinter der Grenze in Sambia indirekt Kupfererz zu beziehen, das unter prekären Bedingungen und von Kindern in Tilwezembe (Katanga) gewonnen werde. Die Mine in Katanga gehört Glencore, wird aber derzeit nicht betrieben. Stattdessen sind dort seit knapp zwei Jahren 1600 Freischürfer tätig, die nur mit Handwerkzeug nach Kupfer und Kobalt graben. Auch wird der Vorwurf erhoben, Glencore sei in der Region für Wasserverschmutzung verantwortlich.

Ein Buch klagt an

In einem vor dem Börsengang undenkbaren Schritt meldete sich Vorstandsvorsitzender Ivan Glasenberg im Schweizer Fernsehen zu Wort mit seiner Version der Situation. Erstens kaufe Glencore nur Material aus industriell abgebauten Gruben und kontrolliere dies auch, sagte er. Zweitens habe man das Wasserproblem angepackt und werde die noch bestehende Verschmutzung des fraglichen Flusses binnen kurzem beheben.

Die gegen Glencore erhobenen Vorwürfe werden nicht die einzigen bleiben. Die gesamte Branche muss sich warm anziehen. Der Hinweis, der Rohstoffabbau vollziehe sich vorwiegend in Ländern der Dritten Welt, in denen man mit Umwelt- und Sicherheitsvorschriften lax umgehe, in denen Korruption zum Alltag gehöre und die Behörden nicht funktionierten, wird immer weniger akzeptiert. Dabei ist der Hinweis grundsätzlich richtig. Interne Kleinkriege und Misswirtschaft haben zum Beispiel den Kongo auf den letzten Platz im Uno-Entwicklungsindex gedrückt.

In der Schweiz erhielt die Kritik zuletzt Auftrieb durch das Buch „Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“, das die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation „Erklärung von Bern“ 2011 herausbrachte. Ihr prominentester Verbündeter ist der Strafrechtsprofessor Mark Pieth, der in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Arbeitsgruppe für Bestechungsfragen im internationalen Geschäftsverkehr leitet. In dem Buch nimmt Pieth kein Blatt vor den Mund. Die Rohstoffkonzerne sind seiner Meinung nach so mächtig, „dass sie ganze Förderregionen kontrollieren und Staatswesen außer Kraft setzen können“, sagt er und fährt fort: „Entsprechend groß ist die Verantwortung von Ländern wie der Schweiz.“

Experte: Korruption ist eines der Grundübel in dieser Branche

Allein in Genf sind nach Angaben der Vereinigung der ortsansässigen Rohstoff-Firmen (GTSA) rund 400 Unternehmen mit 8000 Mitarbeitern in diesem verschwiegenen Wirtschaftszweig tätig. Pieth findet es besonders wichtig, die Händler endlich dem Geldwäschegesetz zu unterstellen. Was für Devisenhändler gelte, müsse auch bei den Rohstoffhändlern Anwendung finden. Korruption ist für den Experten eines der Grundübel in dieser Branche. „Um im Markt zu bleiben, muss man Provisionen zahlen - für den Erwerb von Förderrechten über den Abbau bis hin zum Handel“, meint Pieth.

Die Schweiz und Genf leben gut vom Rohstoffhandel und den damit einhergehenden Dienstleistungen - den Banken mit ihrer Handelsfinanzierung, den Versicherungen und Beratungsunternehmen sowie den Spezialisten wie etwa das Warenprüfungsunternehmen SGS. Menschen wie Pieth glauben, die freihändig agierenden Rohstoffhändler bildeten die nächste Gefahrenquelle für die Schweiz nach der Mithilfe der Banken bei der Steuerhinterziehung. Mit der Bemerkung „politische Zeitbombe“ zitierte kürzlich die „NZZ am Sonntag“ Martin Dahinden, den Leiter der Eidgenössischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit. Dennoch hat sich das Parlament jüngst gegen eine Untersuchung der Rohstoff-Risiken für die Schweiz gesperrt. Die großen Abnehmer tragen gleichfalls Verantwortung. Dazu gehört auch Deutschland als viertgrößter Verbraucher nach China, den Vereinigten Staaten und Japan.

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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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