Home
http://www.faz.net/-gqe-7a96u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Gipfel-Ergebnisse G 8 knöpft sich Steuervermeider vor

Internationale Konzerne sollen künftig ihre Gewinne und Abgabelast für jedes Land ausweisen

© dpa Vergrößern Runder Tisch der Regierungschefs: Kanzlerin Merkel (links) spricht von großen Fortschritten.

Das geht aus dem Abschlusskommuniqué hervor, das die Staats- und Regierungschefs acht großer Industrieländer nach ihrem zweitägigen Treffen im nordirischen Lough Erne veröffentlicht haben. Man wolle mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kooperieren, um die aggressive Steuergestaltung zu bekämpfen. Regierungsunabhängige Organisationen dringen seit längerem auf eine Aufschlüsselung der Gewinne und Steuerlasten von „Multis“ nach Ländern, um diese besser kontrollieren zu können. Insbesondere amerikanische Konzerne wie Apple und Google nutzen intensiv überall auf der Welt Lücken im Steuer- und Gesellschaftsrecht, um die Steuerlast auf ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne auf weniger als 10 Prozent zu drücken.

Henrike Roßbach Folgen:     Manfred Schäfers Folgen:    

Ziel der G 8 ist es, Unternehmen zu erschweren, ihre Steuerlast etwa durch die Verlagerung von Firmenteilen in Steuerparadiese zu verringern. Sie will den Vorschlag der OECD in den G-20-Prozess einspeisen - spätestens beim Treffen der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer im Herbst soll der Kampf gegen Steuerschlupflöcher weiter vorangebracht werden. „Steuervermeidung wird sehr viel schwieriger werden“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Lough Erne. „Das ist ein großer Fortschritt.“

Umfassender Daten- und Informationsaustausch

Darüber hinaus haben sich die Staats- und Regierungschefs auf einen umfassenden Daten- und Informationsaustausch geeinigt, um Steuerhinterziehung in Zukunft besser bekämpfen zu können. Im Kommuniqué heißt es, der automatische Austausch von Informationen zwischen den Steuerbehörden solle als neuer globaler Standard etabliert werden. Auch dabei wollen die G-8-Staaten mit der OECD zusammenarbeiten, um ein multilaterales Modell zu entwickeln, das den Staaten die Suche nach Steuerhinterziehern erleichtert.

Die OECD hält eine zügige Einführung eines standardisierten, sicheren und effizienten Datenaustauschs für möglich. Sie verweist auf die schon laufenden Vorarbeiten. Die Vereinigten Staaten seien in Gesprächen über 75 derartige Abkommen. Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien haben schon verabredet, auf dieser Basis ebenfalls Daten untereinander auszutauschen. In vielen Fällen könnte die Gesetzgebung für den Datenaustausch noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, sagt die OECD in ihrem Bericht an die Staats- und Regierungschefs voraus. Entscheidend sei dabei, dass weitere Länder eingebunden werden könnten, ohne dass dafür das Gesetz geändert werden müsse. Einheitliche Leitlinien für Schwellenwerte, Ausnahmen und Sorgfaltspflichten könnten in der ersten Hälfte des nächsten Jahres bereitstehen, meint die OECD.

Aktionsplan gegen Geldwäsche

Die G 8 vereinbarte auch einen Aktionsplan gegen Geldwäsche. Unter anderem soll deutlicher werden als bisher, wem ein Unternehmen wirklich gehört. Transparenter soll auch der Abbau und Handel von Rohstoffen - vor allem in den rohstoffreichen Staaten Afrikas - gestaltet werden. Unternehmen, die im Rohstoffsektor solcher Staaten engagiert sind, sollen darlegen müssen, welche Zahlungen sie an die Regierungen geleistet haben. Deutschland werde der geplanten Transparenzinitiative in Sachen Rohstoffe beitreten, kündigte Merkel an.

Obwohl sich die Risiken verringert hätten, blieben die Aussichten für die Weltwirtschaft insgesamt schwach, heißt es in dem Abschlussdokument der acht großen Industriestaaten. In einigen Regionen seien die Wachstumsaussichten sogar schlechter als vor einem Jahr. Haushaltskonsolidierung und Strukturreformen werden angemahnt. Bekämpft werden müsse die Jugendarbeitslosigkeit. Priorität aber sollen mittelfristig nachhaltige Staatsfinanzen haben. Die Geldpolitik soll sowohl die Erholung der Wirtschaft stützen als auch Preisstabilität garantieren - ein Formelkompromiss, der wohl den unterschiedlichen Vorstellungen der G 8 über die Rolle ihrer Zentralbanken Rechnung tragen soll.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Digitalkonferenz SXSW Goodbye, Google Glass! Hello, Apple Watch!

Technik will zum Modeartikel werden: Wie groß sind die Chancen von Wearables? Sicher ist: Die Verbraucher haben noch nicht angebissen. Mehr Von Roland Lindner, Austin

15.03.2015, 12:09 Uhr | Wirtschaft
Themen Ukraine, IS und Ebola Europa-Asien-Gipfel beginnt

In Mailand hat am Donnerstagmittag der Asem-Gipfel begonnen, ein Treffen von mehreren Dutzend Staats- und Regierungschefs aus asiatischen und europäischen Ländern. Nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird es bei diesem Gipfel um die Ebola-Seuche in Westafrika, die Extremistenmiliz IS und den Ukraine-Konflikt gehen. Mehr

16.10.2014, 17:53 Uhr | Politik
Vor EU-Gipfel Sanktionen gegen Moskau bleiben wohl vorerst

Russland kann nicht mit einer schnellen Aufhebung oder Lockerung der Sanktionen rechnen. Vor dem EU-Gipfel senden Merkel und Hollande ein klares Signal an Putin: Der Kreml muss das Minsker Abkommen zur Waffenruhe in der Ost-Ukraine ernst nehmen. Mehr Von Michael Stabenow, Brüssel

18.03.2015, 15:14 Uhr | Politik
315 Milliarden Euro EU-Gipfel gibt grünes Licht für Investitionsfonds

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel haben sich die 28 europäischen Staats- und Regierungschefs hinter den Investitionsplan des Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker gestellt. Der Fonds soll 315 Milliarden Euro umfassen. Mehr

19.12.2014, 18:45 Uhr | Politik
Schuldenkrise Tsipras kommt nächsten Montag nach Berlin

Acht Wochen nach seinem Amtsantritt reist Griechenlands Ministerpräsident Tsipras am nächsten Montag zum ersten offiziellen Besuch nach Berlin. Angela Merkel hat ihn ins Kanzleramt eingeladen. Mehr

16.03.2015, 18:05 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.06.2013, 18:42 Uhr

Gerechtigkeit in der Lebensversicherung

Von Philipp Krohn

Durch zusätzliche Polster subventionieren jüngere Verträge die Policen aus der Vergangenheit. Diese Praxis halten Verbraucherschützer angesichts der über Jahre hohen Überschüsse der Versicherer für unfair. Was sie dabei übersehen. Mehr 5 4


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo es den meisten Urlaub gibt

In Deutschland haben Arbeitnehmer gesetzlich einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen. Wie es in anderen Ländern ist, zeigt unsere Grafik des Tages. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden