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Gewinnrückgang Deutsche Bank streicht Stellen

Die Euro-Schuldenkrise macht sich im Ergebnis des größten deutschen Instituts bemerkbar. Vor allem das Investmentbanking wurde getroffen. Bis Frühjahr will die Bank in dieser Sparte gut 1300 Stellen streichen.

© dpa Vergrößern Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal die von der Euro-Schuldenkrise ausgelösten Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu spüren bekommen. Bank-Chef Josef Ackermann sieht sein Unternehmen aber weiter gut für die Marktturbulenzen und strengere Kapitalregeln gerüstet. Der um Sondereffekte bereinigte Vorsteuergewinn ging im Vergleich zum zweiten Jahresviertel um rund 28 Prozent auf 942 Millionen Euro zurück, wie die größte deutsche Bank am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Experten hatten mit einem stärkeren Gewinnrückgang gerechnet.

Im Investmentbanking sollen mehr Stellen wegfallen

Besonders betroffen vom Gewinnrückgang ist die Sparte Investmentbanking im Sommer massiv getroffen worden - wie bei den meisten Instituten. Besserung ist nicht in Sicht. Vor Steuern blieb in dieser Sparte ein Gewinn von 70 Millionen Euro übrig. In normalen Zeiten trägt das Kapitalmarktgeschäft zwei Drittel zum Gewinn des Konzerns bei. Bei der Deutschen Bank wird bis Frühjahr 2012 jeder zehnte Investmentbanker seinen Arbeitsplatz verloren haben.

Infografik / Deutsche Bank

Im Vergleich zum Höchststand von rund 15.800 Bankern vor einem Jahr werde die Zahl der Stellen um rund zehn Prozent auf gut 14.000 sinken, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Dienstag bei der Veröffentlichung der Ergebnisse im dritten Quartal. Die Bank hatte vor drei Wochen die Streichung von weiteren 500 Stellen im Investmentbanking bis Ende März 2012 angekündigt. Das ist möglicherweise noch nicht das Ende: „Wir passen die Plattform an und werden das auch weiterhin tun, wenn sich am Umfeld nicht ändert“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause.

777 Millionen im dritten Quartal verdient

Unterm Strich verdiente das Institut im dritten Quartal noch 777 Millionen Euro und damit deutlich mehr als von Analysten erwartet. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Das lag allerdings an einer milliardenschweren Sonderabschreibung wegen der Übernahme der Postbank. Operativ lief das Geschäft damals noch glänzend. Bereits zu Monatsbeginn hatte Unternehmenschef Josef Ackermann seine ehrgeizigen Ziele angesichts eines enttäuschenden Investmentbankings kassiert. Das geplante Vorsteuerergebnis von 10 Milliarden Euro aus den Kerngeschäftsfeldern sei in diesem Jahr nicht mehr in Reichweite.

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Ackermann schrieb im Quartalsbericht, die Deutsche Bank habe ihre Kapital- und Refinanzierungsressourcen so gestärkt, dass sie für die Herausforderungen „besser denn je“ vorbereitet sei. Zuletzt hatten Analysten bei der Deutschen Bank für den Fall eines Schuldenschnitts in den Euro-Schuldenländern einen besonders hohen Kapitalbedarf vermutet. Die Liquiditätsreserven seien auf 180 Milliarden Euro aufgestockt worden, sagte Ackermann. Zudem habe die Deutsche Bank „weiterhin uneingeschränkten Zugang“ zu den Finanzierungsmärkten. Die Refinanzierung für dieses Jahr sei bereits Ende September „zu sehr günstigen Konditionen“ abgeschlossen worden.

Kernkapitalquote auf rund 10 Prozent gewachsen

Die harte Kernkapitalquote bezifferte die Bank auf 10,1 Prozent Ende September, zu Jahresbeginn lag sie bei 8,7 Prozent. Die Deutsche Bank sei sehr gut auf die künftig strengeren Eigenkapitalvorschriften vorbereitet und könne diese vor Ablauf der festgelegten Fristen erfüllen, betonte Ackermann. Laut dem neuen internationalen Banken-Regelwerk Basel III haben die Banken für den Aufbau eines größeren Kapitalpuffers bis 2018 Zeit. In der EU wird nun aber angesichts der Krise darüber diskutiert, die Banken schon bis Mitte kommenden Jahres dazu zu zwingen, ihre Kapitalquoten auszubauen.
 

Quelle: dpa, Reuters

 
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