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„Kämpfen für soziale Ordnung“ : Gewerkschaft fürchtet Deindustrialisierung Deutschlands

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Und nun? Die Gewerkschaftler der IG BCE denken nach, was sie sich für die nächsten vier Jahre vornehmen wollen. Bild: dpa

Investitionen behindert, Projekte verzögert, Arbeitsplätze gefährdet: Der Chef der Industriegewerkschaftschef IG BCE schaut sorgenvoll in die Zukunft. Ganz andere Töne kommen von Fachleuten aus Berlin.

          Der Chef der Industriegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung in Deutschland. Statt die industrielle Wertschöpfung im Land zu halten, würden Industrieprojekte verzögert, Investitionen behindert und Arbeitsplätze gefährdet, sagte er auf dem Gewerkschaftskongress in Hannover.

          Deutschland fehle es an industriepolitischer Orientierung, kritisierte er: „Exportweltmeisterschaft finden alle cool und sexy, aber Flächen vor Ort für die Ansiedlung von Produktion, Logistik und Lagerhaltung undenkbar.“

          Konjunktur robust

          Zurückdrängen wolle die IG BCE die um sich greifende Tarifflucht, sagte Vassiliadis weiter: „Wir kämpfen für eine soziale Ordnung in der Arbeitswelt, die auf Tarifautonomie und Mitbestimmung setzt.“ Wollten die Arbeitgeber geordnete Verhältnisse, „dann müssen sie auch selbst dazu beitragen“.

          Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) legt in Hannover in dieser Woche ihre Politik für die kommenden Jahre fest. Zudem steht die Neuwahl des Hauptvorstands an - Vassiliadis’ Wiederwahl gilt als sicher. Bis Freitag stehen zahlreiche Politiker auf der Rednerliste, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Martin Schulz.

          Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland verläuft derweil weiter robust. Die deutschen Unternehmen steigerten ihre Produktion im August so stark wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. Börsianer gehen in der ersten Stimmungsumfrage nach der Bundestagswahl davon aus, dass der Trend andauert.

          Industrie, Bau und Energieversorger stellten im August zusammen 2,6 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium an diesem Montag mitteilte. Zuvor befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Wachstum von 0,7 Prozent gerechnet. Zum starken Wachstum beigetragen hat, dass die Werksferien in einigen Bundesländern - etwa Niedersachsen mit großen Firmen wie Volkswagen und Continental - diesmal schon auf den Juli fielen.

          „Das günstige Geschäftsklima und die positive Entwicklung bei den Auftragseingängen sprechen für eine Fortsetzung der guten Industriekonjunktur“, betonen die Fachleute des Ministeriums. Die Industriebetriebe sammelten im August 3,6 Prozent mehr Aufträge ein - vor allem aus dem Ausland. „Gute Stimmung, gute Aufträge, gute Produktion“, fasste Ökonomin Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim die Lage zusammen.

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