26.03.2004 · Nach einem grandiosen Fehlstart in Großbritannien schiebt Coca-Cola die europaweite Einführung seiner Wasser-Marke "Dasani" auf. Das teilte der amerikanische Getränkekonzern in Atlanta mit.
Nach einem grandiosen Fehlstart in Großbritannien schiebt Coca-Cola die europaweite Einführung seiner Wasser-Marke „Dasani“ auf. Das teilte der amerikanische Getränkekonzern jetzt in Atlanta mit. Der Hersteller ließ dabei offen, ob er noch in diesem Jahr einen zweiten Anlauf in Frankreich und Deutschland wagen will.
Coca-Cola führte „Dasani" vor fünf Jahren in den Vereinigten Staaten ein. Während der Brause-Produzent vor Ort zweitgrößter Anbieter eines „stillen Wassers" ist, sollte der Einstieg ins europäische Geschäft schrittweise erst in diesem Jahr erfolgen: Zunächst in Großbritannien, dann auf den Schlüsselmärkten des Kontinents, so der Plan des amerikanischen Markenartiklers.
Mißratene Premiere in England
Doch die Premiere im britischen Markt mißriet gründlich. Zunächst löste Coca-Cola landesweit Negativ-Schlagzeilen aus, als bekannt wurde, daß für die Herstellung von „Dasani“ pures Leitungswasser verwendet wird. Dann meldeten Lebensmittel-Chemiker gesundheitliche Bedenken an. Danach weist die im Londoner Vorort Sidcup abgefüllte Cola-Neuheit eine überdurchschnittlich hohe Konzentration von Brom auf - eine Zutat, die bei dauerhaftem Konsum krebsfördernd sein kann. Die Coca-Cola-Statthalter mußten reagieren. Am vergangenen Wochenende entfernte der Hersteller die gesamte "Dasani"-Produktion aus den Händlerregalen. Der Start in Großbritannien, für den allein ein Werbebudget von 14 Millionen Dollar (11 Millionen Euro) dotiert war, gilt seitdem in Fachkreisen als „Marketing-Flop".
Nach dem peinlichen Auftakt erschien die Einführung auf dem Kontinent ohnehin als heikel. Erschwerend kommt dabei hinzu, daß Frankreich eine besonders hart umkämpfte Verkaufsregion ist. Gemessen am Pro-Kopf-Verbrauch mit aktuell 141 Litern ist das Land - hinter Italien - zwar der zweitgrößte Getränkemarkt Europas. Doch das nationale Geschäft dominieren vor allem die Anbieter Nestlé (Marken: "Perrier", "Aquarel") und Danone ("Evian", "Volvic"), die zusammen rund 50 Prozent des französischen Absatzes an Wassermarken bestreiten. Als ähnlich schwierig gilt der Einstieg in Deutschland, der fünftgrößten Absatzregion in Europa. Dort ist Coca-Cola bereits mit seiner stillen Wassermarke "Bonaqa" vertreten. Deutsche Verbraucher gelten zudem als extrem markenbewußt und favorisieren eher kohlensäurehaltige Getränkesorten.
Cola-Strategen wollen warten
Trotz des Fehlstarts in Großbritannien will Coca-Cola an seinen Plänen für Europa generell festhalten. Offenbar wollen die Strategen in der Konzernzentrale warten, bis die Vorbehalte gegen "Dasani" in der Öffentlichkeit verschwunden sind. Die Cola-Strategen verweisen dabei auf die Tatsache, daß sich in Amerika das Wassergeschäft zu einem immer wichtigeren Konzern-Standbein entwickelt hat. "Dasani" rangiert auf dem amerikanischen Wassermarkt hinter der -vom Rivalen Pepsi hergestellten - Marke Aquafina auf dem zweiten Platz. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Dasani in Nordamerika um 16 Prozent gewachsen. Auf dem europäischen Wassermarkt hat Coca-Cola dagegen nur einen Anteil von 2 Prozent. Die Verkaufsregion Europa und Naher Osten steuerte im vergangenen Jahr rund 31 Prozent zum Gesamtumsatz von 21 Milliarden Dollar bei.
Die Vorgänge um "Dasani" erinnern an einen Lebensmittelskandal um die Hauptmarke Coca-Cola in Belgien im Jahr 1999. Damals erkrankten eine Reihe von Schulkindern, nachdem sie Cola-Limonade mit verunreinigter Kohlensäure getrunken hatten. Im größten Rückruf der Unternehmensgeschichte nahm das Unternehmen damals mehrere Millionen Getränkekisten aus dem Markt. Der Rückruf hat Coca-Cola damals einen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag gekostet. Darüber hinaus wurde das Ansehen von Coca-Cola schwer beschädigt, weil das Unternehmen den Skandal zunächst heruntergespielt hatte.
In der Zeit der Unsicherheit
Die "Dasani"-Affäre trifft Coca-Cola zu einer Zeit der Unsicherheit über die künftige Führungsspitze. Im Februar hatte das Unternehmen überraschend angekündigt, daß Chairman und Chief Executive Officer Douglas Daft seine Positionen zum Jahresende räumen muß. Die Nachfolgeregelung ist völlig offen. Erstmals will Coca-Cola auch externe Kandidaten berücksichtigen und hat hierfür einen Personalberater engagiert.
Auf Neugeschäft im Ausland ist Coca-Cola dringend angewiesen. Der Konzern hat im vergangenen Jahr auf dem wichtigen amerikanischen Heimatmarkt kaum Wachstum erzielt. Darüber hinaus war der operative Gewinn im Gesamtkonzern rückläufig. In den vergangenen fünf Jahren hat Coca-Cola seine Gesamtumsätze um durchschnittlich 2,3 Prozent gesteigert. Der Rivale Pepsi hat es dagegen auf 3,8 Prozent gebracht
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |