22.06.2007 · Die Deutschen trinken wieder mehr Bier: Bis April hat jeder im Durchschnitt schon 40 Maßkrüge geleert. In den nächsten fünf Jahren müssen sie dafür aber mehr Geld hinlegen. Pils wird vermutlich um 40 Prozent teurer. Denn die Bauern vernachlässigen die Gerste.
Von Patrick BernauDie Deutschen trinken wieder mehr Bier: Bis April hat jeder im Durchschnitt schon 40 Maßkrüge geleert, zwei mehr als im vergangenen Jahr. Und weil sie so viel trinken, wollen sie von Preiserhöhungen auch nichts hören. Die wären eigentlich nötig, sagen die Brauereien, weil das Getreide zu teuer wird, aus dem sie das Bier machen. Um 40 Prozent müsse der Bierpreis in den kommenden fünf Jahren steigen, prophezeit der Deutsche Brauer-Bund. Dann würde ein Kasten Bier statt 10 Euro 14 Euro kosten.
Größtes Problem ist nach Ansicht der Brauer die Gerste. Aus der wird das Malz hergestellt, das dann zusammen mit Hopfen und Wasser Bier ergibt. Nun ist die Gerste aber seit Anfang des vergangenen Jahres um mehr als die Hälfte teurer geworden. Denn es gibt weniger Gerste, weil die Bauern lieber Raps für Biodiesel anbauen: Der Deutsche Mälzerbund sagt, es fehle der halbe Jahresbedarf an Gerste. Auch die Energie, die die Brauereien brauchen, koste mehr, klagt Ulrich Kallmeyer von Radeberger. Das gelte auch für den Transport und selbst für die Bierflaschen.
Preiserhöhungen spätestens im Herbst
Kallmeyer zufolge können sich die Brauereien die aktuellen Preise nur so lange leisten, wie sie relativ viel Bier verkaufen und dadurch ordentlich Geld in ihre Kasse fließt. Aber sobald der Verkauf nicht mehr so gut laufe, müssten die Preise steigen - auch innerhalb der Radeberger Gruppe, zu der unter anderem Marken wie Jever und Schöfferhofer gehören.
Der belgische Brauerei-Riese Inbev hat das schon mal vorweggenommen. Anfang Mai hat Inbev für alle deutschen Biere den Kastenpreis angehoben: Dazu gehören zum Beispiel Beck's, Diebels, Hasseröder, Dinkelacker und Franziskaner. Ein Kasten dieser Biere kostet seither 50 Cent bis einen Euro mehr. Das ist auch die Größenordnung, die Marktkenner für Preiserhöhungen anderer Brauereien erwarten - für dieses Jahr, und zwar spätestens im Herbst.
Ein Teufelskreis
Bisher hat allerdings nur Kulmbacher eine Preiserhöhung für den Herbst fest angekündigt. Die anderen wollen offiziell noch nichts Genaues sagen, sondern erst mal abwarten, wie sich Getreidepreise und Bierdurst in den kommenden Wochen entwickeln.
Bitburger kündigt zum Beispiel an, neu nachzudenken, wenn die Gerste noch etwas teurer wird. Zum Unternehmen gehören auch die Brauereien Köstritzer und Wernesgrüner. Ein Holsten-Sprecher sagt, sein Unternehmen beobachte den Markt.
Aber dass die Deutschen mit ihrem Bierkonsum die steigenden Getreidepreise dauerhaft in Schach halten können, ist unwahrscheinlich. Wenn sie viel Bier trinken, brauchen die Brauereien schließlich noch mehr Gerste. Und das dürfte den Preis für das Getreide noch mal ein ganzes Stück weiter in die Höhe treiben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.387,48 | +0,78% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2543 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 107,43 $ | +0,16% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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