28.12.2011 · Deutschlands Krankenhäuser stehen unter Spardruck, jedes fünfte arbeitet mit Verlust. Dennoch hat die Mehrzahl dieses Jahr wohl vergleichsweise gut gemeistert.
Von Andreas MihmDeutschlands Krankenhäuser spielen in der Gesundheitspolitik eine besondere Rolle: Sie sind unverzichtbar in der Versorgung Schwerkranker und von Notfallpatienten, ein bedeutsamer (regionaler) Arbeitgeber mit mehr als 1,1 Millionen Beschäftigten und der größte Kostenblock in der Krankenversicherung mit Ausgaben von zuletzt 80 Milliarden Euro. Deshalb stehen die 2064 Häuser unter Spardruck. Jedes fünfte arbeitet mit Verlust. Doch offensichtlich hat die Mehrzahl die Lage 2011 vergleichsweise gut gemeistert.
Den Schluss legen die im „Krankenhausbarometer 2011“ veröffentlichten Ergebnisse der Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts nahe: Demnach haben 2010 mehr als zwei Drittel aller Krankenhäuser mit Gewinn abgeschlossen, wobei zwei von drei ihren Gewinn steigern konnten. Jedes elfte Krankenhaus ist 2010 „plus minus Null“ über die Runden gekommen, ein Fünftel aller Häuser hat einen Verlust ausgewiesen. „Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser hat sich damit auf kritischem Niveau stabilisiert“, stellen die Autoren fest.
2011 hat sich die Lage nicht stark verändert. Jedes fünfte Krankenhaus weist nach eigenen Erwartungen ein Defizit aus. Allerdings rechnen nun 31 Prozent mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Der Anteil derjenigen, die einen Gewinn erwarten, sinkt auf 49 Prozent. Gefragt nach der Entwicklung 2012 sind viele pessimistisch: Nur noch 19 Prozent glauben, dass es besser wird, 40 Prozent erwarten keine Veränderung, 41 Prozent geben an, dass ihre Lage eher schlechter wird. 2010 hatten die 630 öffentlichen, 755 frei-gemeinnützigen und 679 privaten Krankenhäuser 79,7 Milliarden Euro umgesetzt, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das ist Wasser auf die Mühlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Sie verlangt schon lange, dass der Sparbeitrag, den die Regierung den Kliniken für die Jahre 2011 und 2012 aufgebürdet hat, für das neue Jahr gestrichen wird. Der Rabatt auf die erlaubten Preissteigerungen soll gestrichen werden, der Abschlag auf die Behandlungen, die über das mit den Kassen verabredete Maß hinaus erbracht werden, wegfallen. Höhere Preise verlangt die DKG um so mehr, als Kassen und Gesundheitsfonds Milliarden-Überschusse erwirtschaften. Hauptgeschäftsführer Georg Baum sagt: „Es zeigt sich, gesundheitspolitisch muss 2012 das Jahr der Krankenhäuser werden.“ In Geld gerechnet sind das 600 Millionen Euro.
Aus der Politik gibt es Signale eines Entgegenkommens. Zudem hat die Regierung den Kliniken für 2013 eine grundsätzliche Reform der Preisgestaltung versprochen. Preiserhöhungen sollen sich mehr an der tatsächlichen Kostenentwicklung als an der Lohnentwicklung der Beitragszahler bemessen.
Zunächst will die Politik den Abschluss der Tarifrunde abwarten. Da hat sich die Ärztegewerkschaft Marburger Bund mit der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände verhakt. 45.000 Klinikärzte sollen bis zum 9. Januar über Streiks abstimmen. Während die Arbeitgeber die angespannte Finanzlage anführen, verweist die Gewerkschaft auf freie Arztstellen, für deren Besetzung man bessere Bedingungen und mehr Geld brauche.
Tatsächlich haben drei von vier Krankenhäusern aktuell Schwierigkeiten, freie Arztstellen nachzubesetzen. Doch sind das weniger als in den Vorjahren. Blieben laut „Krankenhausbarometer“ 2009 noch 5000 Vollzeitstellen unbesetzt, so seien es im Folgejahr nur noch 3800 oder 3 Prozent der Arztstellen gewesen. Allerdings habe sich die Lage nur vordergründig entspannt: Viele Krankenhäuser, gerade die kleineren, könnten den Mangel an festangestellten Ärzten nur durch die Beschäftigung teurer Honorarärzte ausgleichen.
Verschärft hat sich die Personallage in der Pflege. Jede dritte Klinik könne offene Stellen nicht besetzen. Das seien doppelt so viele wie 2009. Bundesweit seien 3000 von 280.000 Pflegestellen nicht besetzt. Besonders groß sei das Problem im OP-Bereich. Hier habe sich der Personalmangel zu einem „gravierenden Problem der stationären Versorgung entwickelt“.
Kassenpatienten sollten überlegen, ob eine private Zusatzversicherung für die Unterbringung im Zweibettzimmer im Krankenhaus noch lohnt. Nach Daten des Deutschen Krankenhausinstituts ist das Risiko, in einem Drei- oder Mehrbettzimmer zu liegen, unterdurchschnittlich. In mehr als der Hälfte der Zimmer (55,5Prozent) stünden zwei Betten, in 17,5 Prozent nur ein Bett. Knapp ein Viertel der Zimmer (22,4Prozent) sei mit drei Betten ausgestattet, wobei deren Zahl in Kliniken mit 300 bis 599 Betten an die Grenze von 30 Prozent reiche. Großkliniken haben dagegen kaum Dreibettzimmer. Vier oder mehr Betten gebe es in weniger als 5Prozent aller Patientenzimmer. Sie seien der Ausnahmefall.
„Auf kritischem Niveau stabilisiert“?
Dr. Michael Menzel (DrMurke)
- 29.12.2011, 01:18 Uhr
Auch hier nur Umverteilung von unten nach oben!
Albert Genser (agens1)
- 28.12.2011, 15:52 Uhr
Im Land der Rosinenpicker
klaus keller (klkeller)
- 28.12.2011, 15:26 Uhr
Lobbyarbeit!
Gerold Keefer (solaris21)
- 28.12.2011, 13:21 Uhr
Kapitalismus siegt über Humanismus
Ronald Schlimm (ronslim)
- 28.12.2011, 10:16 Uhr
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