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Gesundheitswesen Erster Konzerntarif für privaten Klinikbetreiber

17.01.2007 ·  Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat mit den Helios Kliniken den ersten bundesweit gültigen Konzerntarifvertrag mit einem privaten Klinikbetreiber geschlossen. Dabei könnte in Einzelfällen das Einkommen um bis zu 18 Prozent steigen.

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Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat mit der Helios Kliniken GmbH den ersten bundesweit gültigen Konzerntarifvertrag mit einem privaten Klinikbetreiber geschlossen. Er gilt für alle Beschäftigtengruppen einschließlich der Ärzte und hat zum Ziel, die Arbeits- und Einkommensbedingungen in den 55 Kliniken der Helios-Gruppe auf ein einheitliches Niveau zu bringen, das sich weitgehend an den Regelungen für den öffentlichen Dienst orientiert.

Durch die Zahlung von bisher nicht üblichen Schichtzulagen oder Zuschlägen sowie die Anpassung der Gehaltstabellen könnten sich in Einzelfällen Einkommenssteigerungen um bis zu 18 Prozent ergeben, sagte Verdi-Tarifkoordinatorin Gabriele Gröschl-Bahr dieser Zeitung. Eine darüber hinausgehende prozentuale Anhebung der Löhne und Gehälter sei zunächst nicht vorgesehen. Hierüber werde im kommenden Jahr nach der nächsten Tarifrunde für den öffentlichen Dienst entschieden.

„Bewusst getätigte Investition“

Der Tarifvertrag gilt zunächst nur für 14.000 der insgesamt gut 26.000 Mitarbeiter. Er soll schrittweise auf alle deutschen Kliniken der Helios-Gruppe übertragen werden. Zum Konzern gehören insgesamt 55 Kliniken, darunter 4 Krankenhäuser mit Maximalversorgung in Berlin, Schwerin, Erfurt und Wuppertal. Falls Helios weitere Kliniken zukaufe, müssten diese innerhalb eines halben Jahres ebenfalls in den Konzerntarifvertrag übergeleitet werden, sagte Gröschl-Bahr.

Der neue Konzerntarifvertrag sei eine „bewusst getätigte Investition in die Mitarbeiter, um eine Befriedung herzustellen“, sagte der Helios-Geschäftsführer und Verhandlungsführer Francesco De Meo dieser Zeitung. Das Unternehmen habe jetzt bis Ende 2009 eine kalkulierbare Basis und könne sich nunmehr den strategischen Strukturentscheidungen widmen, die mit der Umstellung auf das neue Vergütungssystem durch Fallpauschalen verbunden seien. Dies sei viel wichtiger, als durch „augenzwinkerndes Nichtstun“ oder das Ausnutzen der unterschiedlichen Wirtschaftslage in den einzelnen Regionen Kurzzeitgewinne zu erzielen. „Wir wollen lieber mit offenem Visier an dem arbeiten, was zu tun ist“, sagte De Meo.

Weitere Abschlüsse?

Verdi strebt ähnliche Tarifverträge auch mit den privaten Klinikbetreibern Sana und Paracelsus an. Hier seien nur noch die Entgeltverhandlungen offen; über Arbeitszeitregelungen und einen Manteltarifvertrag habe man sich weitgehend geeinigt, sagte Gröschl-Bahr. Mit den Klinikbetreibern Rhön und Asklepios liefen derzeit nur regionale Gespräche, da die Unternehmen Verhandlungen auf Konzernebene ablehnten.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erklärte auf Anfrage, sie sehe in dem Abschluss insofern keine Signalwirkung, als er mit den Regelungen für die kommunalen Kliniken vergleichbar sei. De Meo sprach insofern von einer Blaupause für die Verhandlungen mit den anderen Klinikbetreibern, als der Druck, klare und einheitliche Tarifstrukturen in der Fläche zu schaffen, zunehmen werde.

Der Vertrag sieht ein Bonussystem für Qualifizierung vor: Wer sich fortbildet, soll einen schnelleren Stufenaufstieg und damit ein höheres Gehalt bekommen. Außerdem könnten Überstunden in Weiterbildung umgewandelt werden. Wer früher aus der Elternzeit zurückkommt, hat Anspruch auf einen Zuschlag von 100 Euro zur Kinderbetreuung, sofern er die Kosten nachweist. Diese Regelung soll zunächst zwei Jahre erprobt und dann, sofern nötig, nachjustiert werden. Die Einigung sieht zudem eine Anhebung der Osteinkommen auf Westniveau bis Ende 2008 vor. Für die Ärzte gilt eine 40-Stunden-Woche, für das übrige Personal 38,5 Stunden im Westen und 40 Stunden im Osten. Medizinstudenten im Praktischen Jahr erhalten monatlich 400 Euro.

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