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Gesundheitssystem Gesetzliche Kassen rutschen wieder ins Minus

17.05.2006 ·  Unerwartet hohe Ausgabensteigerungen für die Krankenhausbehandlung und Arzneimittel haben die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu Jahresbeginn stark belastet. Zugleich hat sich die Einnahmesituation verschlechtert.

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Unerwartet hohe Ausgabensteigerungen für die Krankenhausbehandlung und Arzneimittel haben die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu Jahresbeginn stark belastet. Zugleich hat sich die Einnahmesituation verschlechtert. Das geht aus vorläufigen Zahlen großer gesetzlicher Krankenkassen hervor. Damit könnte die GKV im ersten Quartal erstmals seit der Gesundheitsreform 2004 wieder ins Minus gerutscht sein. Beitragssatzerhöhungen stehen aber derzeit nicht zur Debatte.

Die bisher vorliegenden Zahlen für die Ersatzkassen, die rund ein Drittel der Versicherten haben, scheinen die Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zu bekräftigten, der kürzlich ein Jahresdefizit von einer Milliarde Euro für die GKV prognostiziert hatte. Im Vorjahr hatte die GKV noch einen Überschuß in dieser Höhe ausgewiesen. Andere Kassen rechnen allerdings mit einer Besserung der Lage: „Wir gehen davon aus, daß wir im Jahresverlauf eine schwarze Null erreichen werden,“ sagte der Sprecher der DAK, der zweitgrößten Ersatzkasse.

Hoher Zuwachs der Krankenhausausgaben

Unter dem Strich weisen die drei großen Ersatzkassen Barmer, DAK und Techniker Krankenkasse (TK) einen hohen dreistelligen Millionenfehlbetrag aus. Die DAK beziffert ihren auf 177 Millionen Euro. Die TK nennt ein Defizit von 181 Millionen Euro. Das der Barmer soll nach Angaben aus Kassenkreisen noch darüber liegen. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) nennt einen Fehlbetrag von 32 Millionen Euro. „Angesichts der steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen sind wir mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte Vorstandschef Ingo Kailuweit.

Als überraschend wird bei den Kassen der hohe Zuwachs der Krankenhausausgaben gewertet, der um die 7 Prozent je Mitglied pendelt. Das ist deshalb wichtig, weil auf die Krankenhäuser gut ein Drittel der Kassenausgaben von insgesamt 144 Milliarden Euro entfällt. Im vergangen Jahr waren diese Kosten um 3,3 Prozent und damit im Durchschnitt der Ausgaben angezogen.

Mehr als statistische Effekte?

Fachleute bei Kassen und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) rätseln noch über den starken Anstieg. Als erste Erklärungen werden statistische Effekte (höhere Zahl der Arbeitstage, Überhänge aus dem vergangenen Jahr, rückwirkende Tariferhöhungen für 2005, die in den Vergleichszahlen noch nicht enthalten seien) genannt, aber auch das Bestreben vieler Klinken, große und damit finanziell lukrative Operationen zügig abzuarbeiten.

Auch schlügen neue Arbeitszeitmodelle und Mehreinstellungen von Medizinern zu Buche, sagte ein DKG-Sprecher. Mit rund neun Prozent stiegen auch die Ausgaben für Arzneimittel weiter überdurchschnittlich an. Auf sie entfielen im vergangenen Jahr 16,8 Prozent der Kassenausgaben. Die Politik erhofft sich hier eine Beruhigung durch ein neues Spargesetz.

Arbeitgeber machen sich für private Krankenversicherung stark

Die Arbeitgeber appellierten indes nochmals an die Politik, bei der anstehenden Gesundheitsreform den Leistungskatalog der GKV zu verschlanken, Ausgaben zu reduzieren, mehr Wettbewerb zuzulassen, den Arbeitgeberbeitrag einzufrieren und eine Kapitaldeckung aufzubauen. Allein für das kommende Jahr drohe ein Beitragssatzanstieg in Höhe von 0,8 Prozentpunkten, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt.

Deshalb müsse die Gesundheitsreform schnell kommen und nachhaltig wirken. Dabei verlange eine nachhaltige Gesundheitsreform „zwingend eine Stärkung der privaten Krankenversicherung“, weil nur sie auf die demographische Herausforderung vorbereitet sei.

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