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Gesundheitspolitik Streit über die ambulante medizinische Versorgung

16.08.2010 ·  Wer organisiert künftig die ambulante Versorgung? Die Kassenärzte wollen Krankenhäuser als Betreiber von Medizinischen Versorgungszentren am liebsten verbannen. Krankenhäuser als Träger lehnen sie ab - die medizinische Versorgung sei von wirtschaftlichen Interessen bedroht.

Von Andreas Mihm, Berlin
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Der von Funktionären der Kassenärzte vorgelegte Plan, indirekt eine Kette von ärztlichen Versorgungszentren zu gründen, wird von anderen Beteiligten des Gesundheitssystems entschieden abgelehnt. Kritik kommt vor allem von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), aber auch von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, in der angestellte Ärzte, die überwiegend im Krankenhaus arbeiten, organisiert sind.

Hintergrund dieser neuen Diskussion ist die Kontroverse darüber, wie die ambulante medizinische Versorgung künftig ausgerichtet wird und wer sie angesichts wachsender Versorgungsengpässe auf dem Land und der zunehmenden Unlust junger Ärzte zur Selbständigkeit organisiert: Kassenärzte oder Krankenhäuser, hinter denen womöglich Kapitalinteressen stehen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) wollen Krankenhäuser als Betreiber solcher Medizinischen Versorgungszentren am liebsten verbannen. Sie fordern, dass Ärzte die Mehrheit der Anteile halten müssten, um eine von Wirtschaftsinteressen unbehelligte medizinische Versorgung sicherzustellen.

Zu dem Zweck wurde vor kurzem die Patiomed AG vorgestellt, hinter der Funktionäre der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Deutsche Ärzteverlag und die Apotheker- und Ärztebank stehen. Patiomed will ärztliche Versorgungszentren gründen, managen und begleiten.

Die Pläne missfallen vor allem den Krankenhausbetreibern, die gut ein Drittel der knapp 1500 Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) betreiben. „Schon heute wird in vielen Regionen die ambulante Versorgung nur noch gesichert, weil Krankenhäuser Praxen in MVZ weiterführen“, sagt DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Ginge es nach ihm, dürften nur niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser MZV betreiben.

Schweres Geschütz gegen Patiomed

Apotheker oder Optiker würden außen vor bleiben. Auch Kassenärztliche Vereinigungen dürften weder Träger noch Betreiber von MVZ sein. Denn sie seien wie Krankenkassen Verwaltungseinrichtungen des Gesundheitswesens und „auch noch“ Körperschaften des öffentlichen Rechts, sagt Baum. Gegen Patiomed fährt er schweres Geschütz auf: Ihn würde es, wie er sagt, „sehr wundern, wenn solche staatsbetriebsnahe Einheiten oder von ihnen initiierte Drittgesellschaften mit Investmentfondscharakter“ unter der liberalen Federführung im Bundesgesundheitsministerium Träger von MVZ werden könnten.

Medizinische Versorgungszentren hätten viele Vorteile, vor allem, weil im Angestelltenverhältnis eine ambulante ärztliche Betätigung eher möglich sei, sagt Baum. Patiomed sieht sich dagegen auch als Unternehmen, das die (auch wirtschaftliche) Freiberuflichkeit des Arztes unterstützen will. Der Erste Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Rudolf Henke, kann dem „gut klingenden Namen“ Patiomed (Patientenorientierte Medizin) ebenfalls nicht viel abgewinnen. Da klage die KBV über eine Fremdbestimmung der ärztlichen Tätigkeit in MVZ-Strukturen, wenn Krankenhäuser Träger solcher Einrichtungen seien. „Gegen eine Gründung von MVZ ist aber aus Sicht der KBV dann nichts einzuwenden, wenn eine von KV-Vorständen getragene GmbH, ein medizinischer Fachverlag, eine berufsbezogene Genossenschaftsbank und eine Schweizer Beteiligungsgesellschaft dahinterstehen.“

Henke fragt, warum solche Investoren auf einer höheren Stufe stünden als ein Krankenhaus, das ein MVZ gründe. Denn immerhin wolle die KBV, so stehe es auch im Koalitionsvertrag von Union und FDP, eine Regelung, nach der die Anteilsmehrheit am MVZ bei Ärzten liegen müsse. Offenbar gehe es den Patiomed-Gründern nicht um die Sicherung des dominierenden Einflusses der im MVZ arbeitenden Ärzte, sondern darum, „dass der Ertrag der wirtschaftlichen Aktivität bei einem Krankenhaus landet“, sagt Henke. Sein Fazit: „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.“

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