http://www.faz.net/-gqe-7bivl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.07.2013, 19:11 Uhr

Gesundheitsminister Bahr verärgert Schmerzpatienten bekommen nicht die Arznei ihrer Wahl

Die Schmerzpatienten-Lobby hatte durchgesetzt, dass Apotheker für sie verschriebene Medikamente nicht mehr gegen preisgünstigere Präparate tauschen dürfen. Doch es hakt an der Umsetzung.

© Rüchel, Dieter Krankenkassen und Apotheker streiten darüber, welche Medikamente Schmerzpatienten bekommen sollen.

Der Deutsche Apothekerverband hat die Verhandlungen mit den Krankenkassen über eine Besserstellung von Schmerzpatienten abgebrochen. Damit müssen auch Schmerzpatienten weiterhin akzeptieren, dass ihnen in der Apotheke nicht der vom Arzt verordnete, sondern ein preiswerterer Wirkstoff ausgereicht wird. Die Deutsche Schmerzliga - eine 4000 Mitglieder kleine Lobbygruppe für Schmerzpatienten - hatte eigentlich durchgesetzt, dass Apotheker Medikamente für Patienten mit starken Schmerzen nicht mehr gegen preisgünstigere Präparate gleichen Wirkstoffs austauschen dürfen.

Krankenkassen und Apotheker konnten sich in monatelangen Verhandlungen nicht auf Ausnahmen einigen, die Politiker aller Fraktionen bis zum 1. August verlangt hatten. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bedauerte den Abbruch der Gespräche. „Es ist ein Armutszeugnis, wenn sich Krankenkassen und Apotheker nicht einigen können und am Ende eine Lösung von der Schiedsstelle gefunden werden muss“, sagte er der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z./Donnerstagausgabe). Ein dreiviertel Jahr nach der Regelung hätte er ein Ergebnis erwartet. „Leidtragende sind nun Patientinnen und Patienten, die länger auf eine für sie wichtige Regelung warten müssen.“

Mehr zum Thema

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn (CDU) reagierte verärgert: Wenn die Selbstverwaltung nicht Willens oder in der Lage sei, gesetzliche Aufträge umzusetzen, führe sie sich selbst ad absurdum. „Wir sollten das nach der Wahl schnell gesetzlich regeln, denn so lange das nicht geregelt ist, werden Patienten und Ärzte unnötig verunsichert“, sagte Spahn der F.A.Z.

Auf die Frage, woran es liege, haben Apotheker und Krankenkassen unterschiedliche Ansichten. Der Vorsitzende des Apothekerverbands, Fritz Becker, sagt: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Er hat den Krankenkassen eine Liste mit 20 Wirkstoffen vorgelegt, die von der Austauschpflicht bei Rabattverträgen ausgenommen werden sollen. Aber die Kassen wollten nicht. Offenbar gelte dort: „Nur ein billiges Gesundheitswesen ist ein gutes Gesundheitswesen.“ Schmerzbehandlung nach Kassenlage lehne er ab.

Der Kassenverband wiederum sagt, die Gespräche auf Ebene der Vorstände und Verhandlungsführer seien „konstruktiv, aber noch nicht erfolgreich im Sinne einer Einigung“ verlaufen. Man bemühe sich „intensiv, trennende Punkte auszuräumen und zu einem Konsens zu kommen“. Die Kassen wollen keine Ausnahmeliste wie die Apotheker, sondern erst Regeln festlegen, nach denen dann im zweiten Schritt Wirkstoffe ausgesucht werden.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Alles im grünen Bereich Schön breit mit Moby Dick

Es spricht nichts dagegen, in seinem Garten Heilkräuter anzubauen. Wer allerdings Cannabis für ein solches hält, muss gute Gründe haben. Mehr Von Jörg Albrecht

23.04.2016, 17:41 Uhr | Wissen
Der Stil der Queen Steppweste, Eure Majestät

Die Queen feiert runden Geburtstag. Ihre rigide Kleiderordnung ist zwar der optische Beitrag zum Erhalt der Monarchie, aber etwas von ihr lernen kann jeder. Neun Stil-Regeln zum Neunzigsten. Mehr

21.04.2016, 13:34 Uhr | Stil
BKA-Bericht Ärzte und Apotheker in Pflegebetrugsskandal verwickelt

Im Betrugsskandal in der Alten- und Krankenpflege liefert ein geheimer BKA-Bericht neue Erkenntnisse. Wird das Pflegewesen systematisch durch organisierte Kriminalität genutzt? Mehr Von Andreas Mihm, Berlin

25.04.2016, 06:56 Uhr | Wirtschaft
Genf Eskalierende Kämpfe gefährden Syrien-Friedensgespräche

Die Syrien-Friedensgespräche, die am Montag in Genf fortgesetzt wurden, stehen derzeit unter keinem guten Stern. Die syrische Opposition nannte eine Fortsetzung der Verhandlungen auf Twitter inakzeptabel, sollte die Regierung und ihre Verbündeten nicht die Belagerungen von Städten beenden und Bombenangriffe gegen zivile Ziele einstellen. Mehr

18.04.2016, 17:49 Uhr | Politik
Fitnesstracker & Co Viele Gesundheits-Apps sind nicht zuverlässig

Eine Untersuchung macht auf die Risiken der kleinen Programme aufmerksam. Hochwertige Apps sind wohl eher die Ausnahme. Mehr Von Britta Beeger

25.04.2016, 18:53 Uhr | Wirtschaft

Es ist Zeit für weniger Vorbehalte 

Von Heike Göbel

Vieles, was die AfD fordert, würde ernsthaft diskutiert, käme es von einer etablierten Partei. Ein Kommentar vor dem Auftakt des Parteitages der Rechtspopulisten. Mehr 1 114


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Sozialverband für mehr Rente „Wir schaffen mehr Reichtum mit weniger Arbeit“

Gerade die Sozialverbände warnen vor Altersarmut und prangern ein stabiles Rentenniveau an. Einer ihrer Chefs erklärt, wieso das möglich sei trotz der alternden Gesellschaft. Mehr 12 4

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“