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Gesundheit In den Krankenhäusern fehlen 5000 Ärzte

16.02.2010 ·  Die Lage vieler deutscher Krankenhäuser ist einer neuen Untersuchung zufolge prekärer als bisher bekannt. Längst ist dies kein ostdeutsches Problem mehr. Seit 2006 hat sich die Zahl der freien Stellen gar vervierfacht. Kritisch ist häufig auch die wirtschaftliche Lage.

Von Andreas Mihm
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Die Lage vieler deutscher Krankenhäuser ist prekärer, als bisher bekannt war. Das ist einer Analyse zu entnehmen, die die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) teilweise veröffentlicht hat. Die wirtschaftliche Lage werde schwieriger, und die Zahl der unbesetzten Arztstellen habe mit 5000 eine neue Rekordhöhe erreicht. Vier von fünf Kliniken klagten über Probleme, Ärzte zu rekrutieren. Die Lücken seien kaum noch zu kompensieren, heißt es in der Analyse. „Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich der Personalmangel im Ärztlichen Dienst zu einem flächendeckenden Problem der stationären Versorgung entwickelt hat.“

Nach einer Hochrechnung auf der Basis einer Stichprobe konnten in ganz Deutschland rund 5000 Vollzeitstellen im Ärztlichen Dienst nicht besetzt werden. In ganz Deutschland waren 2008 laut Ärztestatistik 153 800 Ärzte an knapp 2100 Krankenhäusern tätig. Gegenüber 2008 habe sich die Zahl der freien Stellen damit nochmals um 1000 Stellen oder ein Viertel erhöht. Im Vergleich zu 2006 habe sich die Zahl gar vervierfacht. Sowohl der Anteil der Häuser mit offenen Stellen als auch die Anzahl nichtbesetzter Stellen habe in den vergangenen Jahren „dramatisch zugenommen“, heißt es in der Auswertung der Umfrage, die das Deutsche Krankenhausinstitut traditionell zum Jahresende für die DKG durchführt.

Kein ostdeutsches Problem

„80 Prozent der Krankenhäuser haben Probleme, offene Stellen im Ärztlichen Dienst zu besetzen“, stellt das Institut fest. Im Vorjahr hätten darüber erst zwei Drittel der Häuser geklagt. Vorbei seien die Zeiten, in denen das Besetzungsproblem ein ostdeutsches war. „Die Stellenbesetzung im Ärztlichen Dienst stellt mittlerweile ein gesamtdeutsches Problem dar“, schreiben die Autoren. Allerdings entfalle weiterhin knapp ein Viertel der unbesetzten Stellen auf die neuen Bundesländer, obwohl deren Anteil an der Krankenhausärzteschaft nur bei 16 Prozent liege. „Gemessen an der Zahl offener Stellen, sind die ostdeutschen Krankenhäuser nach wie vor überproportional betroffen.“

Im Durchschnitt fehlten in den betroffenen Krankenhäusern vier Ärzte, rechnerisch waren das 6,2 Vollzeitstellen im Osten, 3,6 im Westen. Dabei sei die Nichtbesetzung selbst einzelner Stellen „um so gravierender, als die Stellenpläne im Ärztlichen Dienst ohnehin eng gestrickt und angesichts der Arbeitsdichte beziehungsweise den Anforderungen des Arbeitszeitgesetzes Ausfälle kaum noch zu kompensieren sind“. Seit einiger Zeit fallen ärztliche Bereitschaftsdienste unter normale Arbeitszeit. Viele Kliniken müssten deshalb neue Stellen schaffen. Diese können oft nur durch Anwerbung ausländischer Ärzte besetzt werden. Kliniken klagen auch darüber, dass sie Schwierigkeiten haben, Pflegekräften und medizinisch-technische Assistenten zu finden. Doch macht diese Lücke nur einen Bruchteil des Mangels an ärztlichem Personal aus.

Krankenhäuser schreiben Verluste

Dem von der DKG nicht veröffentlichten Auswertungsteil ist zu entnehmen, dass sich auch die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser deutlich verschlechtert hat. Jedes vierte Krankenhaus wird demnach 2009 einen Verlust ausweisen, obwohl die Regierung den Krankenhäusern 2009 mehr als 3 Milliarden Euro zusätzliche Mittel gewährt hatte. Eine Besserung wird nicht erwartet: Für das laufende Jahr rechnen 42 Prozent aller Krankenhäuser mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage.

Von den Folgen der Finanzkrise sehen sich laut Umfrage nur 12 Prozent der Krankenhäuser betroffen. Auch wenn die Zahl der Häuser mit einem besseren Jahresabschluss 2008 gegenüber 2007 leicht gestiegen sei, bleibe „die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser weiterhin unverändert kritisch“, heißt es weiter. Für 2009 erwarteten nur 44 Prozent einen Jahresüberschuss. Nur gut eine Viertel der Häuser schätze die eigene wirtschaftliche Lage als gut ein. Die Zahl der Kliniken, die einen Überschuss erwirtschafteten, werde von 62 Prozent im Jahr 2008 auf 44 Prozent im Jahr 2009 zurückgehen. Im Gegenzug werde sich der Anteil der Krankenhäuser, die Verluste schreiben, von knapp 20 Prozent auf mehr als 26 Prozent erhöhen, stellen die Autoren fest.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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