07.05.2007 · E-Commerce wird sozial: Nutzer können sich bei „Smava“ Geld von anderen Nutzern leihen oder bei „Shoppero“ mit Produktempfehlungen Werbeerlöse erzielen. Während die Suche nach Geschäftsmodellen im Web 2.0 läuft, heizen die Investoren den Markt an.
Von Holger Schmidt, HamburgWeil im Internet heute die sozialen Netzwerke den Ton angeben, werden auch der elektronische Handel und sogar die Werbung sozial. Nutzer können sich bei Smava Geld von anderen Nutzern leihen oder seit vergangener Woche bei Shoppero mit Produktempfehlungen Werbeerlöse erzielen. „Gute Arbeit wird mit gutem Geld honoriert“, sagte Geschäftsführer Nico Lumma über seine neue Seite, die auf der Internetkonferenz Next07 in Hamburg freigeschaltet wurde.
Das Prinzip entspringt der Idee des Mitmach-Internet: „Nutzer schreiben Empfehlungen über Produkte, die auf ihren Seiten beworben werden. Dafür werden sie an den Werbeerlösen beteiligt“, sagte Lumma, dämpfte aber gleich die Erwartungen auf zu große Beträge: „Es geht um Mikroerlöse zwischen 50 Cent und einem Euro am Tag.“ Die Beteiligung liegt zwischen 20 und 60 Prozent der Werbeeinnahmen. Zielgruppe von Shoppero seien weniger die Blogger, die als Geschäftsmodell oft schon das Google-Werbeprogramm Adsense eingebaut haben, sondern die vielen Nutzer, die in sozialen Netzwerken wie Myspace unterwegs sind.
Die Marke wird zum täglichen Begleiter
Die Konkurrenz reagierte prompt. Dealjäger, selbsternannter Marktführer im deutschen Markt für „Social Commerce“, kündigte schon einen Tag später an, seine Nutzer ebenfalls an den Einnahmen zu beteiligen. „Nicht 20, nicht 60, sondern 100 Prozent der Einnahmen aus Kaufempfehlungen schüttet Dealjäger an die Nutzer aus“, kündigte das Unternehmen an. In sechs Wochen soll die Technik dafür stehen. Unterdessen diskutieren die Blogger, welches Vorbild Lumma kopiert hat.
Geld mit Web 2.0 möchten aber auch traditionelle Unternehmen verdienen, zum Beispiel Nike. Der Sportartikelhersteller hat eine Läufer-Gemeinschaft aufgebaut. Dort können Läufer ihre Daten auswerten, neue Strecken herausfinden oder sich mit anderen Läufern verabreden können. „Die Marke wird zum täglichen Begleiter. Mit Web 2.0 lässt sich eine bisher nicht gekannte Nähe zum Konsumenten aufbauen. Damit wird der Weg frei, über Marketing neu nachzudenken“, sagte Matthias Schrader, Gründer des Internet-Dienstleisters Sinner Schrader.
„Ein Nachrichtenportal, kein Bloggerportal“
Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ bewegt sich auch in Richtung Web 2.0 und hat dazu die Bloggerin Katharina Borchert angeheuert. „Wir bauen in erster Linie ein klassisches Nachrichtenportal für Nordrhein-Westfalen auf, kein Bloggerportal“, sagte Borchert in Hamburg. 20 Journalisten sollen künftig in der Online-Redaktion die Region mit Nachrichten versorgen. Ohne Blogs gehe das aber nicht: „Blogs sollen die Lücke an Themen füllen, die in den Lokalredaktionen unter den Tisch fallen“, sagte Borchert.
Der Wandel des Hauses sei aber nicht einfach zu managen. „Der Wandel bedeutet einen Kontrollverlust für die Medien. Einen Teil der Redaktionshoheit aufzugeben ist für die Medien nicht so einfach.“ Blogger und Journalisten sollen aber voneinander profitieren. „Diskussionen in den Blogs sollen an die Journalisten weitergeleitet werden, damit diese das Thema aufgreifen können“, sagte Borchert.
„Dafür erhalten wir dann Provisionen“
Wie Verlage mit Web 2.0 schon Geld verdienen können, beschrieb Marcel Reichart, für Marketing und Kommunikation zuständiger Geschäftsführer bei Burda. „Die vom Nutzer generierten Inhalte erhöhen einmal die Reichweite der Titel im Internet. Wir bekommen zum Beispiel bei Focus Online etwa 5000 Kommentare und Forenbeiträge am Tag. Diese Reichweite lässt sich mit Hilfe der Online-Werbung vermarkten. Der zweite Ansatz liegt in der Vernetzung unserer Marken mit reinen Web-2.0-Seiten wie dem Reiseportal Holidaycheck.de, auf dem die Nutzer 400.000 Reisebewertungen geschrieben haben. In diesem Umfeld werden die Nutzer an Reisebuchungen herangeführt; dafür erhalten wir dann Provisionen“, sagte Reichart.
Das große Geld machen im Web 2.0 aber andere. Investoren wie die Samwer-Brüder und Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski heizen den Markt zurzeit an. Nach dem immer gleichen Muster steigen sie früh in die Web-2.0-Unternehmen ein und hoffen auf den lukrativen Verkauf an die großen Medienhäuser wie Burda, Holtzbrinck und Springer oder amerikanische Unternehmen. Die Samwer-Brüder treten meist als Verkäufer auf, weil sie in Deutschland einen guten Ruf als Internet-Unternehmer haben und deshalb Zugang zu den Führungsetagen der großen Verlage bekommen. Allerdings wird im Markt nicht damit gerechnet, dass ein Geschäft in der Größenordnung des StudiVZ-Verkaufs an Holtzbrinck für mehr als 50 Millionen Euro so schnell noch einmal zustande kommt.
Social Commerce
Andreas Lohr (olonda)
- 07.05.2007, 04:28 Uhr
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