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Gerüchte über eine Großfusion im Spirituosenmarkt

04.02.2005 ·  Pernod-Ricard greift möglicherweise nach Allied Domecq / Franzosen haben weniger Schulden / Briten mit Wein erfolgreich

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chs./ufe. PARIS/LONDON, 4. Februar. Der französische Getränkekonzern Pernod-Ricard S.A., Paris, prüft ein Übernahmeangebot für seinen britischen Konkurrenten Allied Domecq plc. Entsprechende Berichte in angelsächsischen Medien blieben von den beiden Unternehmen zwar unkommentiert, wurden von Branchenexperten jedoch als nicht abwegig bezeichnet. In dieser Woche hatte Präsident Patrick Ricard bei der Vorlage der Umsatzzahlen für das zurückliegende Jahr die Möglichkeit von Übernahmen nicht ausgeschlossen. Auch Philip Bowman, Vorstandschef von Allied Domecq, hatte in jüngster Zeit die "unausweichliche Konsolidierung" in seiner Branche angedeutet. Nun sollen bereits die Investmentbanken JP Morgan und Morgan Stanley für Pernod tätig sein, heißt es, freilich auch um andere mögliche Übernahmeobjekte ausfindig zu machen. Auch soll es noch keine direkten Kontakte zwischen den Unternehmen gegeben haben.

Gerüchte über einen Zusammenschluß sind nicht neu. Doch nun erhalten sie neue Aktualität, weil die Marktmacht des Branchenführers Diageo wächst und die beiden Nachzügler heute besser dastehen als vor einigen Jahren. Pernod-Ricard hat den hohen Schuldenberg von rund 5 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro abgetragen. Er war entstanden, nachdem das französische Unternehmen 2001 dem Konzern Vivendi-Seagram 40 Prozent seines Getränkeportfolios für 3,2 Milliarden Dollar abgekauft hatte. Zu den erworbenen Marken gehörten unter anderem der Whiskey Chivas Regal sowie der Cognac Martell. Die Übernahme änderte die Produktpalette von Pernod-Ricard drastisch. Heute kommen 40 Prozent des Umsatzes aus dem Whiskey-Geschäft und nur noch 18 Prozent aus den traditionellen Anis-Getränken. Im vergangenen Jahr, als der Umsatz aufgrund des schwachen Dollars nur um 1,1 Prozent auf 3,57 Milliarden Euro stieg, haben vor allem die Whiskeys Chivas Regal und Jameson sowie der Cognac Martell gut abgeschnitten.

An der Börse sind Pernod-Ricard und Allied Domecq mit jeweils gut 8 Milliarden Euro ungefähr gleich viel wert. Daher dürfte nur eine Fusion unter Gleichen in Frage kommen, wird vermutet. Die Aktie von Pernod-Ricard, die gestern zeitweise mit leichten Verlusten reagierte, hat sich in den vergangenen fünf Jahren im Wert fast verdreifacht. Auch der Wert von Allied Domecq stieg in den vergangenen 18 Monaten um 74 Prozent und erhöhte sich am Freitag aufgrund der Übernahmespekulationen um weitere 4 Prozent.

Allied Domecq, der Hersteller von "Courvoisier"-Cognac und der Ginmarke "Beefeater", investierte viel Geld in den Kauf von Weinmarken und ist in diesem Segment jetzt vor allem in den Vereinigten Staaten, Argentinien sowie Spanien und Neuseeland stark vertreten.

Dank des florierenden Absatzes seiner Kernmarken hielt Allied Domecq im vergangenen Geschäftsjahr den weltweiten Umsatz mit 2,4 Milliarden Pfund konstant. Gleichzeitig verbesserte sich der Vorsteuergewinn von 491 Millionen auf 521 Millionen Pfund (758 Millionen Euro).

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2005, Nr. 30 / Seite 18
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