http://www.faz.net/-gqe-93smw

Deutschland aber nicht : Litauen und Marokko weit vorn im Klimaschutz

  • Aktualisiert am

Litauen hat ebenso wie Deutschland die erneuerbaren Energien stark ausgebaut. Bild: dpa

In einem neuen Index erhält Deutschland ein nur sehr mittelmäßiges Zeugnis im Klimaschutz. Die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien dagegen schneiden sehr schlecht ab.

          Schweden, Litauen und Marokko sind einem Report zufolge die Spitzenreiter beim Klimaschutz. Deutschland liegt als „weltgrößter Braunkohlenutzer“ in dem Klimaschutzindex nur im Mittelfeld, noch hinter Indien. Den Index präsentierte die Organisation Germanwatch am Mittwoch auf der Klimakonferenz in Bonn. Schweden habe einen für Industrieländer vergleichsweise niedrigen Treibhausgasausstoß, sagte Hauptautor Jan Burck von Germanwatch. Zudem pflanze Schweden gerade viele Bäume, was der Luft Kohlendioxid entzieht, so dass der Gesamtausstoß derzeit auf fast null sinke. Auch das Ziel, bis 2045 komplett klimaneutral zu werden, habe bei der Bewertung eine Rolle gespielt.

          Deutschland liegt im Mittelfeld der 56 bewerteten Länder auf Platz 22. Burck: „Es ist nicht nur der größte Braunkohleförderer und -nutzer, sondern hat zudem einen relativ hohen Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen, weit höher als der EU-Schnitt.“ Etwa die Hälfte der Emissionen komme aus dem Strom. „Deswegen ist der Kohleausstieg so wichtig.“ Rund 20 Prozent stamme aus dem Verkehr.

          „Die CO2-Emissionen wurden seit 2009 nicht mehr gesenkt“, betonte Burck. Im kommenden Koalitionsvertrag müssten daher ein Kohleausstiegsplan und eine „echte Verkehrswende“ verankert werden. „Nur dann schafft es Deutschland vom Ankündigungs- und Braunkohle-Weltmeister zum echten Klimaschutz-Champion.“ Pluspunkte sammelte Deutschland mit seiner Rolle als internationaler Verhandler im Klimaschutz, insbesondere beim G-20-Gipfel.

          Bild: F.A.Z.

          Die ersten drei Plätze in der Liste sind traditionell nicht besetzt, weil nach Meinung der Autoren kein Land genug tut, um die Erderwärmung bei unter zwei Grad zu begrenzen. Bewertet wurden unter anderem der aktuelle Treibhausgasausstoß von 2010 bis 2015 und die Klimaschutzpläne.

          Litauen schneidet im Report als zweitbestes Land (Platz 5) in fast allen Kategorien gut ab, sagte Burck. Es habe insbesondere erneuerbare Energien stark ausgebaut und auch in der internationalen Klimapolitik gepunktet. Marokko habe in den vergangenen Jahren viel Geld in Wind- und Solaranlagen gesteckt. „Das Land hat mit die niedrigsten Treibhausgas-Emissionen pro Kopf und zugleich wächst der Ausstoß für Entwicklungsländer gesehen relativ langsam“, sagte Burck.

          Gut steht auch Großbritannien dar, dessen Energiewirtschaft von Kohle- auf das etwas klimafreundlichere Erdgas umgestiegen ist. Indien kommt auf Platz 14, obwohl seine Emissionen von 2010 bis 2015 stark angestiegen sind, weil es gute Pläne zum Ausbau der erneuerbaren Energien hat. China dagegen belegt mit relativ hohem Treibhausgasausstoß und wachsendem Energieverbrauch dagegen nur Platz 41.

          Schlusslicht ist „wie immer“ Saudi Arabien, das einen starken Zuwachs an Treibhausgasen habe und nicht in erneuerbare Energien investiere. Auch die Vereinigten Staaten sind unter den Ländern, die am schlechtesten im Index abschneiden. Das liege zum einen an der Ankündigung, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszutreten, zum anderen seien schon jetzt die CO2-Emissionen und der Primärenergieverbrauch „entschieden zu hoch“.

          Auf der ganzen Welt seien positive Trends bei den Erneuerbaren Energien zu beobachten, sagte Mitautor Niklas Höhne vom NewClimate Institute in Köln. „Die Daten zeigen ermutigendes Wachstum und deutlich niedrigere Preise bei Wind- und Sonnenenergie.“ An dem Bericht von über 300 Energie- und Klimaexperten hatte auch der internationale Dachverband aus Klimaorganisationen Climate Action Network mitgewirkt.

          Nach eigenen Angaben vergleicht der Index die knapp 60 größten Emittenten in vier Bereichen: Emissionen (40 Prozent), Energieverbrauch (20 Prozent), Erneuerbare Energien (20 Prozent) und Klimapolitik (20 Prozent). Sie wurden von Fachleuten aus den jeweiligen Ländern bewertet.

          Quelle: hade./dpa

          Weitere Themen

          Eröffnung des BER: Oktober 2020 Video-Seite öffnen

          Neuer Termin : Eröffnung des BER: Oktober 2020

          BER-Chef Engelbert Lütke Dalrup: „Die Eröffnung im Oktober 2020 ist auch dann belastbar, wenn neue Schwierigkeiten auftreten sollten. Wir haben ausreichende Sicherheitspuffer eingeplant.“

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.
          Das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon (Archivaufnahme von 2008)

          Verteidigungsministerium : Das Pentagon forschte jahrelang nach UFOs

          Über Jahre wurden Millionen-Aufwendungen für das „Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum“ im Verteidigungshaushalt versteckt. Doch auch nach Ablauf des Programms verfolgten Mitarbeiter Berichte über UFOs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.