http://www.faz.net/-gqe-71g90
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 19.07.2012, 12:00 Uhr

Gerichtsurteil Studiengebühren auch nach Studienende

Wer sein Studium schneller beendet als es die Regelstudienzeit vorsieht, muss keine Studiengebühren mehr bezahlen. Das jedenfalls gilt für öffentliche Hochschulen. Ein Schnell-Student einer privaten Hochschule wollte nun ebenfalls vorzeitig seine Zahlungen einstellen. Zu Unrecht, entschied ein Gericht.

© dpa Marcel Pohl vor dem Amtsgericht Arnsberg

Marcel Pohl hat bisher eine Blitz-Karriere hingelegt: Abitur, Banklehre und parallel das Studium an einer privaten Hochschule. Jetzt hat der 22-Jährige seinen Master-Titel in Finanz- und Rechnungswesen in der Tasche, dafür brauchte er keine vier Semester. Die Zahlung seiner Studiengebühren stellte er kurzerhand ein, um einen fünfstelligen Betrag zu sparen - zu Unrecht allerdings, wie jetzt ein Gericht entschied.

Wer an einer privaten Hochschule sein Studium verkürzt, muss demnach trotzdem die kompletten Studiengebühren zahlen. Denn private Studiengebühren seien im Gegensatz zu den „Semesterbeiträgen“ öffentlich-rechtlicher Hochschulen ein vertraglich vereinbarter Gesamtpreis für das Studium, verkündete das Amtsgericht Arnsberg am Mittwoch (Az: 12 C 64/12). Damit gab das Gericht der Dortmunder Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) in einer Klage gegen den ehemaligen Studenten Recht.

„Leistung muss sich doch auch lohnen, und das schnelle Studium sollte sich ja für mich auch finanziell rechnen,“ hatte der 22-Jährige aus Arnsberg seine Haltung begründet. Doch die Privatuni bestand auf dem Vertrag und wollte weiter die monatlichen Raten von ihrem Absolventen haben. Wenn Turbo-Studenten weniger zahlen, müsse die Hochschule die „Normalstudenten“ höher belasten, sagte Prorektor Stefan Heinemann. Trotzdem gratulierte er Pohl: „Das ist schon ein Ausnahme-Talent.“

Im Team gelernt

Gemeinsam mit zwei Kommilitonen hatte sich der 22-Jährige auf seine Prüfungen vorbereitet. Sie besuchten verschiedene Seminare und informierten die Mitstreiter. Um überhaupt in der Rekordzeit alle Prüfungen abzulegen, nutzte das Trio nicht nur die Dortmunder FOM, sondern auch andere der mehr als 20 deutschen FOM-Zweigstellen. Einer von Pohls Kommilitonen hat ebenfalls beide Studiengänge erfolgreich abgeschlossen, der dritte im Bunde steht kurz davor.

Prorektor Heinemann geht nicht davon aus, dass es Nachahmer geben wird. Schließlich hätte kaum jemand die Möglichkeit, neben seinem Job noch quer durch die Republik zu reisen und ein „Prüfungshopping“ zu betreiben. Über die Entscheidung des Gerichts zeigte sich Heinemann dennoch erleichtert: „Das schafft Klarheit für uns und die anderen Studenten.“

Mehr zum Thema

Pohl hatte gehofft, dass der Richter auch für erfolgreiche Absolventen von einem Kündigungsrecht ausgeht. Das billigt die Uni Studienabbrechern zu. Doch der Richter stellte in seiner Begründung fest: „Die Situation eines Studienabbrechers ist nicht mit der des Beklagten vergleichbar, weil der Abbrecher gerade nicht alle für einen Abschluss notwendigen Leistungen in Anspruch genommen hat.“

Vermutlich ist der Streit mit dem Urteil des Amtsgerichts noch nicht vom Tisch. „Wir werden voraussichtlich in Berufung gehen“, sagte Pohl. Sein Anwalt Bernhard Kraas kündigte an: „Wir werden das Urteil genau prüfen und dann entscheiden, ob wir vor das Landgericht ziehen.“ Sollte der 22-Jährige auch dort verlieren, muss er den fünfstelligen Betrag an die Uni zahlen.

Seinem Arbeitgeber ist Pohl treugeblieben. Statt im Sauerland arbeitet er nun in der Zentrale der Bank in Frankfurt. Und nebenbei bereitet er sich noch auf seine Doktorarbeit vor. Die will er an einer britischen Privatuni ablegen.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
F.A.Z. exklusiv Deutschlands Studenten wollen zum Staat

Der öffentliche Dienst ist für Studenten noch mehr zum Traumberuf geworden, wie aus einer neuen Studie hervorgeht, die der F.A.Z. vorliegt. Warum bloß sehnen sich so viele danach, Beamten zu werden? Mehr Von Julia Löhr

28.08.2016, 17:25 Uhr | Wirtschaft
Testspiel gegen Finnland Abschied von Schweinsteiger

Das Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland wird das Abschiedsspiel von Kapitän Bastian Schweinsteiger sein. Der 32-jährige blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Mehr

29.08.2016, 18:56 Uhr | Sport
Der Tag Letzter Auftritt von Brasiliens Präsidentin Rousseff?

Parlament in Estland wählt neuen Staatspräsidenten. Letzter Auftritt? Brasiliens Präsidentin Rousseff verteidigt sich. Berufung gegen US-Auslieferungsersuchen: Kim Dotcom vor Gericht Mehr

29.08.2016, 07:22 Uhr | Finanzen
Surfer-Legende Kelly Slater mit 44 fit wie eh und je

Bei einem Surf-Wettbewerb im Süden von Tahiti zeigte der elfmalige Weltmeister Kelly Slater, dass auch mit 44 Jahren noch immer mit ihm zurechnen ist. Im Finale besiegte er den 23-jährigen Hawaiianer John John Florence. Bereits während der Ausscheidungsrunde zeigte Slater eine perfekte Vorstellung und erreichte gleich zweimal die höchste Punktzahl. Mehr

27.08.2016, 19:40 Uhr | Sport
Open Access Neues aus der Forschung zum Nulltarif

Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse für jeden zugänglich im Internet - Open Access nennt sich das Modell. So verlockend es klingt, ein paar Schwierigkeiten gibt es doch. Mehr Von Bettina Wolff

28.08.2016, 06:06 Uhr | Beruf-Chance

Illoyaler Gabriel

Von Henrike Roßbach

Ein Wirtschaftsminister müsste eigentlich den Freihandel seines Landes fördern wollen. Stattdessen betreibt der SPD-Chef Parteipolitik. Mehr 18 45

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden