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Veröffentlicht: 21.08.2009, 07:53 Uhr

Gerhard Bruckermann Der HRE-Gewinner

Maßgeblich für den Niedergang der Hypo Real Estate war die riskante Strategie der Depfa Bank. Doch der wichtigste Zeuge spielte im Untersuchungsausschuss des Bundestags keine Rolle: Gerhard Bruckermann, ehemaliger Chef des Staatsfinanzierers Depfa.

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© BLOOMBERG NEWS Gerhard Bruckermann

Der wichtigste Zeuge zur Schieflage der Hypo Real Estate (HRE) spielte im Untersuchungsausschuss des Bundestags keine Rolle: Gerhard Bruckermann, ehemaliger Chef des in Irland ansässigen Staatsfinanzierers Depfa Bank. Wesentliche Ursache für den Niedergang der HRE ist die riskante Refinanzierungsstrategie der Depfa gewesen. Für diese Erkenntnis wäre die sich über drei Monate hinziehende Befragung von Bankern, Aufsehern und Politikern nicht nötig gewesen. Jedoch stellt sich die Frage, warum einer der wichtigsten Akteure in diesem Skandal nicht vorgeladen wurde.

Markus Frühauf Folgen:

Offenbar war der von den drei Oppositionsparteien FDP, Grüne und Linkspartei ins Leben gerufene Ausschuss an politischen Sündenböcken interessiert. Schließlich ist Bundestagswahlkampf. Ob Bruckermann zur Aufklärung hätte beitragen wollen, daran muss nach dem Auftritt des früheren HRE-Chefs Georg Funke gezweifelt werden. Denn der hatte die Aussage verweigert.

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Heftige Kritik der Analysten

In Frankfurter Finanzkreisen wird schon seit längerem über den Verbleib Bruckermanns gerätselt. Ehemalige Depfa-Kollegen vermuten ihn auf seiner Orangenplantage in Andalusien, andere berichten von einer schweren Erkrankung. Eine angeschlagene Gesundheit lässt sich aber nur schwer mit seiner Tätigkeit als Berater für den kambodschanischen Mikrofinanzierer Angkor Mikroherahnvatho vereinbaren. Das auf Kleinkredite spezialisierte Institut listet Bruckermann immer noch auf seiner Homepage als Direktor auf.

Depfa © dpa Vergrößern Bei der Übernahme der Depfa Bank durch die HRE im Sommer 2007 verdiente Bruckermann gut 100 Millionen Euro

Die Tätigkeit im Dienste der Entwicklungshilfe kann sich der 61 Jahre alte Manager leisten. Denn bei der Übernahme seiner Depfa Bank durch die HRE im Sommer 2007 verdiente er gut 100 Millionen Euro. Seine 7 Millionen Depfa-Aktien tauschte er in HRE-Titel und durfte diese anschließend sofort verkaufen. Eine ungewöhnliche Konstruktion, denn üblich ist, dass das Management der übernommenen Gesellschaft die Aktien des neuen Eigentümers über einen gewissen Zeitraum halten muss. Dieser sogenannte Lock-up fehlte aber bei der Depfa-Übernahme, was Analysten damals heftig kritisiert hatten.

Hohe Kursgewinne realisiert

Doch nicht nur bei dieser Transaktion verdiente Bruckermann prächtig, sondern auch in den Jahren zuvor als Depfa-Vorstandschef. Der Staatsfinanzierer verdankte seinen Namen dem Vorgängerinstitut Deutsche Pfandbriefbank, die am Markt als DePfa-Gruppe aufgetreten war. Diese spaltete sich vor gut acht Jahren – auf Betreiben Bruckermanns – in den Immobilienfinanzierer Aareal Bank und die Depfa Bank auf. Bruckermann wählte als Hauptsitz Dublin, weil ihm das Korsett des deutschen Hypothekenbankgesetzes zu eng geworden war.

In den ersten Jahren wies die Depfa Bank beeindruckende Ergebnisse auf. Allein für das Jahr 2001 soll Bruckermann ein Gehalt von 7,4 Millionen Euro erhalten haben. Die ungewöhnlich hohen Eigenkapitalrenditen von etwa 29 Prozent nach Steuern waren nicht nur der riskanten Refinanzierung geschuldet, sondern auch dem Tafelsilber der alten DePfa-Gruppe. Bei der Aufspaltung hatte Bruckermann die alten Staatsanleihen auf sein Institut übertragen und über die Verkäufe dieser Titel hohe Kursgewinne realisiert.

Dem Steuerzahler ein Milliardengrab hinterlassen

Operativ geriet die Depfa ab dem Jahr 2005 immer stärker in Schwierigkeiten. Allein im Geschäftsjahr 2006 resultierten 60 Prozent der Gesamterträge aus dem Griff in die Schatztruhe, also aus dem Verkauf alter Anleihebestände. Bruckermann brauchte einen starken Partner, den er im Juli 2007 in HRE-Chef Funke fand. Die riskante Refinanzierung der Depfa war schon zu diesem Zeitpunkt kein Geheimnis. Denn Funke verglich vor Analysten die Depfa-Kapitalmarktsparte mit dem Spielcasino Monte Carlo.

In dem Depfa-Geschäftsbericht 2007 wird die für 2008 drohende Liquiditätslücke mit 103,5 Milliarden Euro angegeben. Ein Betrag, der sehr nahe an den 102 Milliarden Euro an Garantien und Kapitalhilfen liegt, die zum größten Teil der Steuerzahler aufbringen musste. Das Geschäftsmodell der Depfa basierte im Wesentlichen auf der Fristentransformation. Langfristige Staatskredite wurden über kurzfristige Papiere refinanziert. In Zeiten einer normalen Zinskurve, also wenn die langfristigen Zinsen deutlich höher sind als die kurzfristigen, wirkt dies als Ertragsturbo. Doch im Jahr 2007 näherten sich die Zinsen immer stärker an. Auf das Ertragsproblem hatte Bruckermann bereits im Februar 2007 hingewiesen. Dem Steuerzahler hat er nun ein Milliardengrab hinterlassen.

Quelle: F.A.Z.

 

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