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Umfrage : Freizeit statt Arbeit? Nicht unbedingt!

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In der Sonne auf dem Balkon arbeiten? Das ist schön, aber nicht das höchste aller Ziele für die mittelalten Deutschen. Bild: Picture-Alliance

Die Generation Y will bei der Arbeit nicht viel Geld, sondern Freizeit – so heißt es. Eine neue Umfrage zeigt: In der Mitte der Gesellschaft sind solche Werte bisher nicht angekommen.

          Der Satz ist so oft wiederholt, man traut ihn kaum noch aufzuschreiben: Die Generation Y, so heißt es, lege nicht Wert auf Geld, Karriere und Statussymbole, sondern auf Arbeit mit Sinn und viel Freizeit. Inzwischen haben die ersten Ypsiloner den 30. Geburtstag hinter sich, sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen – doch ihre Auswirkungen auf diese Mitte scheinen noch recht begrenzt zu sein.

          So legt es zumindest eine Studie nahe, die das Institut für Demoskopie Allensbach für den Versicherungsverband GdV aus mehreren Umfragen kombiniert hat. Um die mittelalten Deutschen geht es in dieser Studie, die mindestens 30, aber noch keine 60 Jahre alt sind – den Großteil der arbeitenden Bevölkerung. Darin zeigt sich: Ja, die Leute finden geregelte Arbeitszeiten wichtiger als vor zwei Jahren, auch flexible Arbeitszeiten werden häufiger genannt – aber die traditionellen Werte werden von den Befragten ebenfalls höher gehalten. Gute Aufstiegsmöglichkeiten, Einkommen, Altersvorsorge: All das hat in den Augen der Mittelalten ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für sie nicht noch wichtiger geworden.

          Möglicherweise spiegelt sich in dem Ergebnis wider, dass sich die mittelalten Deutschen ihrer Verhandlungsmacht auf dem Arbeitsmarkt besser bewusst sind als noch vor zwei Jahren. Immer mehr ältere Deutsche gehen in Rente, weniger junge Menschen kommen nach – ob Deutschland schon einen Fachkräftemangel hat, ist umstritten, die Arbeitslosigkeit aber ist auf jeden Fall so gering wie noch nie im vereinten Deutschland.

          Das Ergebnis passt zu einer Umfrage der Jacobs-Universität, die vor einigen Wochen ermittelt hat, dass sich die Selbsteinschätzung der Generation Y und der älterer Leute nicht großartig unterscheiden.

          Generell sind die mittelalten Deutschen mit ihrem Leben derzeit sehr zufrieden. Vier von fünf Deutschen halten ihre Lebensqualität für gut oder für sehr gut; viele resümieren, dass sich ihre Lebensqualität in den vergangenen fünf Jahren weiter verbessert hat.

          Tatsächlich fallen den 30- bis 59-Jährigen mehr Stärken als Schwächen ein. Stärken werden jedenfalls sehr viel häufiger genannt als Schwächen: Besonders zufrieden sind die Mittelalten mit dem kulturellen Angebot, dem Lebensstandard, auch mit der Meinungs- und Pressefreiheit und beispielsweise der Leistungsbereitschaft der Menschen.

          Zu den Schwächen zählen sie die Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen, das Pflegesystem und zuvorderst die Verteilung von Einkommen und Vermögen. Besonders persönlich betroffen fühlen sie sich allerdings nicht: Würden die sozialen Unterschiede verringert, glaubt nicht mal die Hälfte der Deutschen, dass sie davon profitieren würde. Dafür rechnet zwei Drittel mit persönlichen Vorteilen, wenn die Belastungen durch Steuern und Abgaben sinken.

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