01.09.2006 · Die Geldtransport-Branche erlebt ein neues Debakel. Nach einem Untreue-Verdacht bei der Sicherheitsfirma Arnolds hat diese nun Insolvenz angemeldet. Mehr als 2.000 Beschäftigte müssen um ihre Stellen zittern.
Zwei Tage nach der Verhaftung ihrer Geschäftsführer wegen des Verdachts auf Veruntreuung von 18,5 Millionen Euro hat die Geldtransportfirma Arnolds Insolvenz angemeldet. Das bestätigte am Freitag eine Sprecherin des Essener Amtsgerichts.
Die zuständige Fachbereichsleiterin der Gewerkschaft Verdi, Angelika Hecker, sagte, die Gewerkschaft hoffe nun, daß der vom Gericht eingesetzte Insolvenzverwalter möglichst viele der mehr als 2.000 Arbeitsplätze des Unternehmens retten könne.
Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz
Die Mitarbeiter seien „völlig verunsichert“, sagte Hecker. Zwar hätten Konkurrenzunternehmen bereits Interesse daran bekundet, zahlreiche Beschäftigte zu übernehmen. Doch lasse die Firma die Mitarbeiter zur Zeit noch nicht aus ihren Verträgen heraus. Statt dessen säßen sie Zuhause und bangten um ihren Arbeitsplatz. Einige hätten schon im Juli keinen Lohn mehr erhalten.
Zwei geschäftsführende Gesellschafter des Essener Unternehmens hatten am Dienstag bei der Staatsanwaltschaft bestätigt, daß seit dem Jahr 2001 ein Fehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe entstanden sei. Die Anklagebehörde geht nach den Worten von Justizsprecher Wilhelm Kassenböhmer zurzeit nicht davon aus, daß die Beschuldigten das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben.
Kundengeld innerhalb der Firma verschoben
Der Betrag sei zusammengekommen, weil innerhalb des Unternehmens immer wieder Kundengeld verschoben worden sei, um an anderer Stelle Fehlbeträge auszugleichen, sagte Kassenböhmer. Welche Kunden dadurch geschädigt wurden, werde noch ermittelt. Wie es mit dem Unternehmen weitergeht, war am Freitag nicht zu erfahren.
Eine Arnolds-Mitarbeiterin sagte: „Der Geschäftsbetrieb läuft im Rahmen der Möglichkeiten weiter“. Weitere Angaben wollte sie nicht machen.
Branche zum zweiten Mal erschüttert
Arnolds beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat Niederlassungen in Essen, Dortmund, Düsseldorf, Hamm und Köln, sowie eine Rhein-Main-Niederlassung in Oberursel. Neben Geld- und Werttransporten stellt Arnolds auch Überwachungspersonal.
Erst Anfang des Jahres hatte der Betrugsskandal beim Geldtransportunternehmen Heros die Branche erschüttert. Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft dem Heros-Eigentümer und mehreren weiteren Tatverdächtigen vor, die Kunden des Unternehmens um rund 350 Millionen Euro geschädigt zuhaben.
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