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Geldpolitik Leitzins sinkt nur in England

04.08.2005 ·  Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen für den gemeinsamen Währungsraum unverändert gelassen. Anders die Bank of England, die den Leitzins erstmals seit zwei Jahren wieder gesenkt hat - um 25 Basispunkte.

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Die Leitzinsen im Euroraum bleiben konstant auf ihrem historisch niedrigen Niveau. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Der wichtigste Leitzins verharrt seit mehr als zwei Jahren unverändert bei 2,0 Prozent. Anders die britische Zentralbank, die am Donnerstag erstmals seit zwei Jahren die Leitzinsen gesenkt hat.

Die bis vor kurzem lebhafte Diskussion um eine Zinssenkung zur Belebung der Konjunktur hat sich abgeschwächt, da jüngste Wirtschaftsindikatoren aus mehreren Euro-Ländern nach oben zeigen. Experten erwarten nun vielmehr eine Erhöhung der Zinsen, allerdings erst 2006. Zuvor müsse sich die wirtschaftliche Erholung festigen.

Die EZB rechnet damit, daß die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnt. Für höhere Zinsen spricht auch die vom hohen Ölpreis getriebene Inflation, die im Juli in der Euro-Zone auf 2,2 Prozent stieg und damit die Warnschwelle der EZB überschritt. Anders als bei ihren regulären Treffen lieferte die Notenbank am Donnerstag keine Begründung für ihre Entscheidung. Auf die August-Sitzung des Rats folgt traditionsgemäß keine Pressekonferenz. Eine schriftliche Begründung wird in den kommenden Wochen im EZB-Monatsbericht veröffentlicht.

Briten senken um 25 Basispunkte

Die Bank of England teilte mit, der britische Schlüsselzins werde um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent reduziert. Zur Begründung verwies sie auf ein verlangsamtes Wachstum der Investitionen und Konsumausgaben.

Zuvor hatte die Notenbank die Zinsen ein Jahr lang nicht verändert. Eine Senkung war angesichts der jüngsten wirtschaftlichen Abschwächung in Großbritannien sowie der schleppenden Entwicklung der Konsumausgaben von Volkswirten weitgehend erwartet worden. Bei der jüngsten Umfrage von Reuters hatten 43 von 47 Volkswirten eine Zinssenkung vorausgesagt.

Die Ausgaben der Privathaushalte sowie das Wirtschaftswachstum sind in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Das von Finanzminister Gordon Brown angestrebte Wirtschaftswachstum von zwischen drei und 3,5 Prozent werde für 2005 bei weitem nicht erreicht, meinen Experten, die mit einem Wachstum von 1,8 Prozent rechnen. Dennoch wird mit weiteren Zinssenkungen zunächst nicht gerechnet.

Lob von Bankvolkswirten

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte am Vortag auch die EZB aufgefordert, bei nachlassender Konjunktur die Zinsen zu senken. Seine Wachstumsprognose für die 12 Länder der Eurozone reduzierte der IWF von bisher 1,6 auf 1,3 Prozent für 2005.

Volkswirte begrüßten dagegen die „Politik der ruhigen Hand“ der Europäischen Notenbank. „In Zeiten, in denen die Europäische Währungsunion als Sündenbock für hausgemachte Probleme herhalten muß, tut die EZB gut daran, wie bisher weiter für Stabilität, Ruhe und Verlässlichkeit zu sorgen“, sagte Analyst Karsten Junius von der DekaBank. Die „scheinbar zögerliche“ Politik der EZB sei logisch, erklärte die Commerzbank.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa
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