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Geldpolitik Greenspan bleibt auf moderatem Zinskurs

21.07.2004 ·  Alan Greenspan hat den Märkten abermals die Angst vor aggressiven Zinsanhebungen genommen. Schnelle Zinserhöhungen seien „riskant für die Wirtschaft“, betonte der amerikanische Notenbank-Chef.

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Der amerikanische Notenbank-Chef Alan Greenspan hat den Märkten abermals die Angst vor aggressiven Zinsanhebungen genommen. Vor dem Bankenausschuß des amerikanischen Senats betonte Greenspan am Dienstag, schnelle Zinserhöhungen seien „riskant für die Wirtschaft“.

Der Fed-Chairman hielt damit an der bisherigen Kernaussage der Notenbank fest, die Leitzinsen nur in einem „moderaten Tempo“ erhöhen zu wollen. Allerdings räumte er ein, dass die Fed für den Fall einer höher als gegenwärtig erwarteten Inflation „schnelle und flexible Reaktionen“ folgen lassen würde. Dennoch glaube er an einen „zahmen“ Inflationsverlauf, sagte Greenspan.

Kurs in Richtung schrittweise Anhebung der Leitzinsen

Dies dürfte es der amerikanischen Notenbank ermöglichen, den Leitzins in den kommenden 18 Monaten schrittweise in Richtung eines neutraleren Niveaus anzuheben. Ökonomen sehen dieses Niveau bei etwa 4,0 Prozent bis 5,0 Prozent. Zuletzt hatte die Notenbank ihren Leitzins Ende Juni um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent angehoben.

Das Gros der Experten erwarten für die August-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Notenbank eine weitere geldpolitische Straffung um einen Viertel-Prozentpunkt. Die Fed-Funds-Futures reagierten mit leichten Aufschlägen auf die Rede Greenspans.

Fed erhöht Erwartungen bei Preisentwicklung

Zugleich hob die Fed ihre Projektion für die Preisentwicklung im laufenden Jahr an. Nunmehr geht sie für 2004 von einem Anstieg des Preisindexes für die Konsumausgaben (PCE) von 1,75 Prozent bis 2,00 Prozent in der Kernrate aus. Die Kernrate ist das bevorzugte Inflationsmaß der Fed und berücksichtigt nicht die häufig volatilen Bestandteile Energie und Nahrungsmittel.

In ihrem vorherigen Bericht hatte die Projektion der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) noch auf eine Bandbreite von 1,00 Prozent bis 1,25 Prozent gelautet. Diese Projektion hatte sich jedoch auf die Gesamtrate bezogen.

Damit könnte sich der Preisauftrieb im laufenden Jahr in der Kernbetrachtung der Zwei-Prozent-Marke nähern, die weithin als Obergrenze der von der Notenbank als akzeptabel betrachteten Teuerung gesehen wird. Zugleich erklärte die Fed, sie werde ab sofort die Kernrate des PCE-Index für ihre Projektionen verwenden, da dieses Maß ein zuverlässigerer Indikator für die Preisentwicklung sei.

Für 2005 ist den Projektionen zufolge eine Kerninflation in einer Spanne von 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent zu erwarten. “Zu einem gewissen Grad reflektiert der Anstieg der Kerninflation auch indirekte Effekte der höheren Energiepreise“, hieß es weiter. Insgesamt seien die Aussichten aber günstig, daß der Preisauftrieb eingedämmt bleibe.

Greenspan senkt Prognose für Wirtschaftswachstum

Für das amerikanische Wirtschaftswachstum gehen die FOMC-Mitglieder, auf deren Erwartungen die sogenannten Central Tendency Projections basieren, für 2004 von einem Anstieg um 4,5 Prozent bis 4,75 Prozent aus. Im Februar war hier noch eine Spanne von 4,5 Prozent bis 5,0 Prozent genannt worden.

Die Projektion für das Folgejahr läßt ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent bis 4,0 Prozent erwarten. Damit liegen die Projektionen im Rahmen der Erwartungen von Ökonomen, die für 2004 ein Wachstum von etwa 4,5 Prozent und im darauf folgenden Jahr von rund 3,8 Prozent prognostizieren.

Zuversichtlich fiel der Ton des Berichts auch mit Blick auf die privaten Haushalte aus. Diese würden von einer generell verbesserten Lage am Arbeitsmarkt profitieren, womit sich auch die verfügbaren Einkommen erhöhten, was wiederum positiv auf das Konsumverhalten ausstrahle. Für den amerikanischen Arbeitmarkt rechnet die Fed im laufenden Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 5,25 Prozent bis 5,5 Prozent, 2005 werde sich die Quote dann auf eine Spanne von 5,0 Prozent bis 5,25 Prozent zurückbilden.

Greenspan verwies darauf, daß die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsindikatoren auf einen „nachhaltigen und breit basierten“ Aufschwung deuten. Der Fed-Chairman spielte zugleich zuletzt aufgekommene Sorgen über eine an Dampf verlierende Konjunktur herunter. Die jüngste Schwäche im Konsum wird Greenspan zufolge „kurzlebig“ sein.

Als Grund hierfür nannte er den immer noch sehr expansiven Grad der Geldpolitik. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt betonte er, “das Tempo, mit dem zur Zeit die Einstellungen erfolgen, sollte wichtige Folgewirkungen für den Konsum haben“. Eine Erhöhung der Leitzinsen werde zudem auch den Finanzmärkten nicht schaden, gab er zu verstehen.

Auswirkungen von Zinserhöhungen bleiben unklar

Greenspan unterstrich auch, daß nicht klar sei, wie die amerikanische Wirtschaft auf Zinserhöhungsschritte von mehr als jeweils 25 Basispunkten reagieren würde. Er sei sich bewußt, daß dies im Vergleich zu einer Politik mit „maßvollen“ Zinsschritten „beträchtlich mehr Risiken und Unsicherheiten“ schaffen würde. Grundsätzlich zeigte sich der Fed-Chairman zuversichtlich, mit der anstehenden und notwendigen geldpolitischen Straffung einen „sanften“ Übergang in ein restriktiveres monetäres Umfeld zu schaffen

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