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Geldpolitik für mehr Arbeitsplätze Amerikas Notenbank lässt Notenpresse schneller laufen

Ab Januar will die Federal Reserve jeden Monat für weitere 45 Milliarden Dollar Anleihen kaufen - bis die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent gefallen ist. Das ist neu. Und umstritten.

© AFP Ben Bernanke

Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve verschärft die quantitative Lockerung und weitet ihre Ankäufe von Anleihen aus. Sie will von Januar an unbefristet jeden Monat Staatsanleihen im Wert von vorerst 45 Milliarden Dollar erwerben. Damit hält die Zentralbank sich die Option auf noch mehr Käufe offen. Das teilte der Offenmarktausschuss am Mittwoch nach seiner Sitzung mit. Die Käufe ergänzen den Ankauf von Hypothekenanleihen im Wert von 40 Milliarden Dollar, mit dem die Fed im September die dritte Runde der quantitativen Lockerung begonnen hatte.

Patrick Welter Folgen:

Die Fed änderte zugleich ihre geldpolitische Strategie hinsichtlich des Versprechens, den Leitzins außergewöhnlich niedrig zwischen null und 0,25 Prozent zu halten. Diese Zusage gilt nun mindestens so lange, wie die Arbeitslosenquote mehr als 6,5 Prozent und die erwartete Inflationsrate nicht mehr als 2,5 Prozent beträgt. Die Fed ersetzt damit die zeitliche Vorgabe „bis mindestens Jahresmitte 2015“ durch Schwellenwerte für Wirtschaftsindikatoren, die sich an ihrem doppelten geldpolitischen Mandat der Vollbeschäftigung und der Preisniveaustabilität orientieren.

Bernanke: Wir wollen transparenter sein

Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke betonte vor Journalisten, dieser Wandel der „guidance“ stelle keine Lockerung der Geldpolitik dar. Die Fed wolle transparenter werden und es den Märkten und der Öffentlichkeit ermöglichen, ihre geldpolitischen Absichten besser zu lesen. Die Fed erwartet durch die neue Kommunikation ihrer Absichten, dass die Beobachter im Wirtschaftsablauf von alleine erkennen, dass die Fed die Zinsen länger oder kürzer niedrig halten wird. Die Schwellenwert-Leitlinien seien so etwas wie ein automatischer Stabilisator, sagte Bernanke.

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Er stellte klar, dass die Schwellenwerte keine Zielgrößen seien. So beträgt der Schwellenwert für die Arbeitslosenquote 6,5 Prozent. Gemäß der Wachstumsprognosen der Mitglieder des Offenmarktausschusses aber erwarten diese, dass die Vereinigten Staaten auf lange Sicht eine Arbeitslosenquote von 5,2 bis 6 Prozent erlangen können, ohne dass es zu Inflationsdruck komme. Das mittelfristige Inflationsziel der Fed liegt zugleich bei 2 Prozent, während der Schwellenwert für die Änderung der Zinspolitik 2,5 Prozent beträgt.

Die weit überwiegende Mehrheit des Ausschusses erwartet eine erste Zinserhöhung erst im Jahr 2015, wie aus den neuen Prognosen der Fed hervorgeht. Erst dann soll auch die Arbeitslosenquote auf 6 bis 6,6 Prozent und damit in Reichweite des neuen Zielwerts fallen. Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf 7,7 Prozent gesunken. Das lag aber vor allem daran, dass enttäuschte Amerikaner die Stellensuche aufgaben. Zwei der 19 Mitglieder halten eine Zinserhöhung aber schon im kommenden Jahr für nötig, drei weitere im Jahr 2014. Seit Dezember 2008 liegt der Leitzins bei nahe Null Prozent.

Wirtschaft erholt sich für den Arbeitsmarkt zu langsam

Der Offenmarktausschuss begründete die Entscheidung mit der Sorge, dass die wirtschaftliche Erholung nicht stark genug sei, um eine dauerhafte Verbesserung am Arbeitsmarkt zu erlangen. Nach den neuen Fed-Prognosen wird das Wachstum sich im kommenden Jahr von knapp 1,8 auf rund 2,7 Prozent beschleunigen und 2014 rund 3,3 Prozent betragen. Die Inflationsrate soll bis 2015 weniger als 2 Prozent betragen.

Bernanke unterstrich, dass im Gegensatz zu den zinspolitischen Leitlinien die Fed für eine Abkehr von der quantitativen Lockerung nur beschreibende, qualitative Kriterien nenne. Solange sich der Arbeitsmarkt nicht entschieden verbessere und Preisniveaustabilität gegeben ist, will der Offenmarktausschuss am Anleihekauf festhalten.

„Die Politik muss sich bewegen“

Der Fed-Vorsitzende hob hervor, dass die Geldpolitik kein Allheilmittel sei. Er mahnte die Politik in Washington abermals, eine Lösung für die sogenannte fiskalische Klippe von Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen am Jahresbeginn zu finden, die nach viele Prognosen die amerikanische Wirtschaft in die Rezession stürzen würde. „Wir können das nicht ausgleichen“, sagte Bernanke.

Infografik / Entwicklung der Leitzinsen 2012-12-06 © F.A.Z. Vergrößern

Der neue Kauf von Anleihen ersetzt das am Monatsende auslaufende Programm zur Verlängerung der Fristigkeit der von der Fed gehaltenen Staatsanleihen („Operation Twist“). Dabei hatte die Fed für rund 45 Milliarden Dollar im Monat kurzfristige Staatsanleihen ver- und langfristige Staatsanleihen gekauft, um Abwärtsdruck auf die langfristigen Zinssätze auszuüben. Die Zinskurve, die Differenz der Zinssätze von Anleihen mit 10 und 2 Jahren Laufzeit, ist seit Beginn der Operation Twist im September 2011 von 1,8 auf rund 1,4 Prozent gesunken. Im Gegensatz zur Operation Twist dehnt die Fed mit dem neuen Ankauf von Staatsanleihen ihre Bilanz aus und pumpt so monetäre Liquidität in das Finanzsystem.

Die Entscheidung der Fed fiel wie schon im gesamten Jahr mit der Gegenstimme von Jeffrey Lacker, dem Präsidenten der regionalen Federal Reserve Bank von Richmond. Lacker stimmte sowohl gegen die Ausweitung der Anleihekäufe als auch gegen die Bindung der Geldpolitik an konkrete wirtschaftliche Vorgaben. Die lockere Geldpolitik wird an den Finanzmärkten nicht mehr uneingeschränkt positiv gesehen. Eine knappe Mehrheit von rund 52 Prozent erklärte in einer Umfrage der Zeitung „Wall Street Journal“ unter 49 Volkswirten, dass die Zentralbank ihre Anleiheankäufe einstellen solle. Dahinter stand die Sorge, dass die Fed mit den Anleihekäufen und dem künstlich niedrig gehaltenen langfristigen Zinssatz zunehmend die Kapitalmärkte verzerre. 48 Prozent plädierten in der Umfrage dagegen für weitere Anleihekäufe der Fed.

Quelle: F.A.Z.

 
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