Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen am Donnerstag unverändert belassen. Damit bleibt der zentrale Satz für zweiwöchige Refinanzierungsgeschäfte auf dem historischen Tiefstand von 2,00 Prozent, teilte die Notenbank im Anschluß an die Sitzung ihres geldpolitischen Entscheidungsgremiums mit.
Die Entscheidung war unter Ökonomen einhellig erwartet worden. Zahlreiche Volkswirte rechnen aber damit, daß der Zinssenkungszyklus der EZB noch nicht abgeschlossen ist, vor allem falls sich Hinweise auf eine nachhaltige und beschleunigte Erholung zu Jahresbeginn 2004 nicht erhärten sollten.
Volkswirte erwarten Zinsschritt im Herbst
Nicht wenige Beobachter gehen auch davon aus, daß bei der Sitzung im September oder Oktober ein so genannter kleiner Zinsschritt erfolgen wird. Am Geldmarkt hingegen ist zunächst keine weitere zinspolitische Lockerung eingepreist. Der Zinsbeschluß wird im Monatsbericht erläutert, der am kommenden Donnerstag veröffentlicht wird.
Die EZB hatte erst im Juni den Leitzins um 50 Basispunkte auf den tiefsten Stand der Nachkriegszeit in allen Euroländern gesenkt. EZB-Chef Wim Duisenberg und andere Ratsmitglieder hatten zuletzt verdeutlicht, daß die Währungshüter zumindest einige Monate abwarten werden, ob sich ihre Erwartungen über Konjunktur und Inflation bewahrheiten würden.
Trichet als Duisenberg-Nachfolger bestätigt
Der EZB-Rat hat sich am Donnerstag zudem dafür ausgesprochen, Jean-Claude Trichet als Nachfolger des amtierenden EZB-Präsidenten Wim Duisenberg zu benennen. “Der EZB-Rat hatte keine Einwände gegen die Ernennung des vorgeschlagenen Kandidaten, Jean-Claude Trichet, der im Sinne (...) des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft eine in Währungs- und Bankfragen anerkannte und erfahrene Persönlichkeit ist“, hieß es in einer Pressemitteilung. Der Ernennung Trichets als EZB-Präsident durch die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im Oktober dürfte damit nichts mehr im Wege stehen.