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Geldpolitik EZB lässt Leitzins bei 4 Prozent

06.12.2007 ·  Eine Abkühlung der Konjunktur bahnt sich an. Über eine Senkung des Leitzinses wurde auf der Sitzung am Donnerstag trotzdem nicht gesprochen. Die Bank von England hat dagegen den Zins gesenkt.

Von Benedikt Fehr und Bettina Schulz
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Mit Blick auf die erhöhte Inflation im Euro-Raum hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf seiner Sitzung am Donnerstag zwar über eine Anhebung des Leitzinses diskutiert, den Zins letztlich aber doch unverändert bei 4 Prozent belassen. Über eine Zinssenkung wurde nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nicht gesprochen. Einige Ratsmitglieder hätten vielmehr für eine Anhebung des Leitzinses plädiert, sagte Trichet. Unterdessen hat die englische Zentralbank ihre „Base Rate“ am Donnerstag von 5,75 auf 5,5 Prozent gesenkt und dies mit der sich anbahnenden konjunkturellen Abkühlung begründet.

Nach Angaben von Trichet sieht der EZB-Rat auch für die kommenden Monate erhöhte Inflationsrisiken. Dass der Rat den Leitzins dennoch nicht angehoben habe, begründete Trichet damit, dass es durch die Turbulenzen an den Geld- und Kreditmärkten erhebliche Unsicherheit gebe. Deshalb habe man eine geldpolitische Straffung momentan als nicht opportun eingeschätzt. Man werde die weitere Entwicklung aber sehr genau beobachten, versicherte Trichet. Nach den Projektionen der EZB-Mitarbeiter wird die Inflationsrate im kommenden Jahr zwischen 2,0 und 3,0 Prozent liegen. Für 2009 lautet der Mittelwert der Inflationsprognose allerdings auf 1,8 Prozent. Zumindest dieser Vorhersage zufolge wird die Teuerung mittelfristig also wieder genau dem EZB-Ziel von „knapp 2 Prozent“ entsprechen.

Preis-Lohn-Spirale

Trichet machte aber deutlich, dass diese günstige mittelfristige Prognose von Annahmen abhänge: So werde unterstellt, dass weder die Tarifpartner bei den Lohnabschlüssen noch die Unternehmen bei der Setzung von Preisen eine Preis-Lohn-Spirale in Gang setzten. Mehrfach betonte Trichet, der EZB-Rat werde alles tun, dass es nicht zu Zweitrundeneffekten komme - also einem Überwälzen der zuletzt stark gestiegenen Kosten für Ölprodukte, Nahrungsmittel und andere Güter auf Löhne und Preise. Zwischen den Zeilen deutete Trichet damit die Bereitschaft an, gegebenenfalls den Leitzins zu erhöhen - auch wenn dies das Wirtschaftswachstum bremsen sollte. Nach den Vorhersagen der EZB-Mitarbeiter dürfte die Wirtschaft des Euro-Raums in den kommenden beiden Jahren mit 2 und 2,2 Prozent wachsen, was nur leicht unter der mittelfristig inflationsneutralen „Potentialwachstumsrate“ läge.

An den Finanzmärkten hat die Entscheidung der EZB nicht überrascht. Allerdings verschafften die Hinweise Trichets, dass man über eine Zinssenkung gar nicht erst diskutiert habe, dem Euro etwas Auftrieb. Von der amerikanischen Notenbank wird erwartet, dass sie ihren Leitzins in der kommenden Woche senken wird. Mit Blick auf die Zinsentscheidung in London waren die Marktteilnehmer im Vorfeld hingegen geteilter Meinung gewesen. Viele Akteure hatten damit gerechnet, dass die Bank von England (BoE) mit der Zinssenkung bis Februar warten würde.

Es war die erste Zinssenkung der Bank von England seit zwei Jahren. „Nachdem die Wirtschaft in den letzten beiden Jahren kräftig gewachsen ist, gibt es nun Anzeichen, das sich das Wachstum verlangsamt“, teilte die BoE anschließend mit. Vor allem die Situation an den Finanzmärkten habe sich verschlechtert. Eine knappere Kreditvergabe an die privaten Haushalte und Unternehmen sei zu beobachten, die den Ausblick für das künftige Wachstum und die Inflation dämpften. Die Inflation liege zwar bei 2,1 Prozent. „Aber die Inflationsgefahren, die das Komitee sehr sorgfältig beobachten wird, bleiben“, warnte die BoE. Allerdings werde das nachlassende Nachfragewachstum den Druck auf die Produktionskapazitäten verringern, und dies werde helfen, die Inflation mittelfristig wieder auf den Zielwert zurückzubringen. Die Bank von England muss ein Inflationsziel von 2 Prozent einhalten.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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