04.11.2004 · Die Europäische Zentralbank hat, wie von weiten Teilen des Finanzmarkts erwartet, die Leitzinsen bei zwei Prozent belassen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag wie erwartet unverändert gelassen. Wegen wachsender Verunsicherung über die Aussichten für Konjunktur und Preisniveau wird die Zentralbank nach Einschätzung vieler Experten mindestens noch einige Monate mit einer Zinserhöhung abwarten.
Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,00 Prozent, teilte die EZB in Frankfurt mit. Alle 64 von Reuters befragten Bankvolkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet.
Ölpreis als Gefahr für die Preisstabilität
Mehrere EZB-Ratsmitglieder hatten zuletzt verdeutlicht, daß sie im Ölpreisanstieg eine größere Gefahr für die Konjunktur als für die Preisstabilität sehen. Zugleich rückten sie nicht von ihrer Erwartung eines Rückgangs der Teuerungsrate von zuletzt 2,5 Prozent unter zwei Prozent im kommenden Jahr ab. Damit besteht vorerst kein Grund für ein Ende der Niedrigzinspolitik.
Viele Bankvolkswirte haben den erwarteten Termin für die erste geldpolitische Straffung seit dem Boomjahr 2000 verschoben, zum Teil weit ins nächste Jahr. Am Geldmarkt wird damit erst im dritten Quartal 2005 gerechnet. Die Wirtschaft ist zwar seit Mitte vergangenen Jahres auf Erholungskurs, doch der lang anhaltende Ölpreisanstieg hat das Wachstum bereits etwas gedämpft und die Aussichten für einen stärkeren Aufschwung verschlechtert. Die Inflation hält sich angesichts des moderaten Wachstumstempos in Grenzen und wird vor allem vom Ölpreis über Raten von zwei Prozent getrieben.
Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 1,00 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,00 Prozent für Übernachtkredite.
Englische Notenbank hält Zinsniveau stabil
Die Bank von England (BoE) hat ihren Leitzins am Donnerstag ebenfalls unverändert gelassen. Auch dies war an den Finanzmärkten erwartet worden.
Der Schlüsselzins betrage weiterhin 4,75 Prozent, teilte die Zentralbank nach ihren zweitägigen Beratungen in London ohne weitere Ausführungen mit. Die Bank ließ die Zinsen damit den dritten Monat in Folge unverändert, nachdem sie seit November 2003 den Zinssatz insgesamt fünf Mal um jeweils 25 Basispunkte erhöht hat.
Vor wenigen Wochen hatten Volkswirte noch mit einer weiteren Zinserhöhung bei dem November-Treffen der BoE gerechnet. Allerdings hat sich das wirtschaftliche Umfeld seitdem deutlich eingetrübt und die Zinserwartungen der Experten beeinflußt.
Wie die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigten, hat sich das Wirtschaftswachstum sowie die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe in Großbritannien deutlich abgeschwächt. Zudem sank die Inflation unter das Ziel der BoE.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.581,80 | +1,02% |
| EUR/USD | 1,2505 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 106,75 $ | −0,48% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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