Home
http://www.faz.net/-gqe-qu5o
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Geldpolitik Die Mutter aller Blasen

14.11.2009 ·  Mit einer Geldschwemme ohne Beispiel haben die Notenbanken auf die Krise reagiert. Und wohin auch immer der Anleger blickt, er sieht ein Meer von Staatsschulden. Das nährt die Furcht vor dem Ausbruch einer Inflation. Die Notenbanken müssten jetzt auf die Bremse treten.

Von Holger Steltzner
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (14)

An den Börsen breitet sich die Hoffnung aus, die Krise sei überwunden. Aber die Aktienkursgewinne sind nicht nur ein Zeichen für wachsendes Vertrauen, sie sind auch Folge der gewaltigen Überschussliquidität. Mit einer Geldschwemme ohne Beispiel haben die Notenbanken auf die Krise reagiert. Noch verhindert die Nachfrage- und Konsumschwäche in der Rezession den Ausbruch von Inflation. Doch wächst an den Märkten die Furcht davor, weil die sprunghaft gestiegenen Staatsschulden nicht allein durch hohe Wachstumsraten wieder zurückgeführt werden können. Entwickelte Volkswirtschaften können so schnell gar nicht wachsen. Zudem scheuen sich die Regierungen, auf der Talsohle der Krise ihre riesigen Ausgabenprogramme zu reduzieren. Wohin auch immer der Anleger blickt, er sieht ein Meer von Staatsschulden.

Die Schuldenflut nimmt bedrohliche Züge an. Im Euro-Raum liegen die Haushaltsdefizite zwischen 5 und 6 Prozent der Wirtschaftsleistung. In den Vereinigten Staaten wird die Defizitquote auf mehr als 10 Prozent steigen. Ohne eine finanzpolitische Korrektur erreicht die Verschuldung im Euro-Raum bald 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In der Währungsunion befinden sich 13 von 16 Ländern, darunter auch Deutschland, in einem Defizitverfahren der EU-Kommission. So werden Europas Schulden zum Prüfstein für den Euro.

Der verführerische Reiz einer „kontrollierten“ Inflation

Die tatsächlichen Staatsschulden sind sogar noch höher als die ausgewiesenen. Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes gehen mit üppigen Pensionsansprüchen in Rente. Bei ehrlicher Bilanzierung dieser Pensionslasten läge die Staatsverschuldung in den meisten Industrieländern bei einem Mehrfachen der Wirtschaftsleistung. Eine Beschneidung dieser Ansprüche über kontrollierte Inflation wäre für manche Regierung ein bequemer Ausweg, der zugleich noch die Staatsschulden entwertete. Die Neigung ist also doppelt groß, die Flucht in die Inflation anzutreten.

An den Devisenmärkten wird bereits geargwöhnt, Amerikas Regierung könnte mit der Notenbank eine Politik der kontrollierten Inflationierung versuchen. Durch die Abwertung des Dollar sollten die Gläubiger in Asien und Europa die Schulden Amerikas abtragen helfen. So könnte es zu einem gewaltigen Vermögenstransfer von Gläubigern zu Schuldnern kommen, mit der Gefahr, dass niemand weiß, was passiert, wenn am Markt die Sorge vor Rezession hin zu grassierender Inflationsangst kippt.

Offenbar wollen die wichtigsten Notenbanken Banken und Regierungen noch mehr Zeit zur Reparatur der angeschlagenen Bilanzen und zur Sanierung der öffentlichen Finanzen geben. Die Geldpolitiker treten nicht auf die Bremse und nehmen so in Kauf, dass sich auf den Märkten für Vermögenswerte neue Blasen bilden.

Im Euro-Raum klafft zwischen dem für 2010 erwarteten realen Wachstum und dem kurzfristigem Realzins eine Lücke von 3 Prozentpunkten. Das treibt die Preise von Vermögenswerten und gibt einen Anreiz zur Verschuldung zum Erwerb dieser Werte. Wenn die Europäische Zentralbank ihren Zins lange zu niedrig hält, fällt die Risikoprämie unangemessen tief, es entstehen Vermögenspreisblasen. Wir seien schon wieder auf dem Weg dorthin, meint Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank, und warnt: Nach der Blase ist vor der Blase. Um eine Wiederholung der leidigen Erfahrungen mit der Internetblase von 2000 und der Kreditblase 2007 zu vermeiden, müssten die Leitzinsen erhöht werden, noch vor der Absicherung des Aufschwungs, der Sanierung der Banken und der Konsolidierung der Staatsfinanzen. Nur ein höherer Zins dämpft die Entstehung von Preisblasen für Vermögenswerte. Hierfür muss natürlich ein Preis bezahlt werden, in Form eines erschwerten Aufschwungs und einer mühsameren Gesundung der Staatsfinanzen.

Die Notenbanker dürfen keine neuen Preisblasen zulassen

Die Politik von Alan Greenspan, dem früheren Präsidenten der Federal Reserve, Preisblasen zu ignorieren, hat die Weltwirtschaft an den Abgrund geführt. Sein Nachfolger, Ben Bernanke, wird nicht daran gemessen, ob er sich in der Krise bewährt. Wichtiger wird sein, ob er neue Preisblasen verhindert. Diese Aufgabe sollte man ihm und anderen Geldpolitikern nicht erschweren, indem man ihnen die Bankenaufsicht überträgt, weil sie dann zwischen ertragreichen Banken und höheren Zinsen wählen müssten.

Amerikas Notenbank scheint nicht von ihrem extrem expansiven Kurs abrücken zu wollen. Dank Zinsen zum Nulltarif gibt es dort, um im Händlerjargon zu sprechen, "Money for Nothing". Durch eine mehr als nur lockere Geldpolitik sind der Dollar und auch das Pfund zu begehrten Währungen für "Carry Trades" geworden. In großem Stil verschulden sich institutionelle Anleger aus der ganzen Welt in Dollar und legen das Geld höher verzinslich in Euro oder anderweitig an. Sie streichen die Zinsdifferenz ein und profitieren zudem vom billiger werdenden Dollar. So macht man Geld aus Nichts - bis die Blase platzt. Nouriel Roubini, der wegen seiner Warnung vor der Kreditblase berühmt gewordene Ökonom, spricht bereits von der "Mutter aller Carry Trades" und sieht Geldpolitiker am Werk, die eine "Monsterblase" erschaffen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Einknicken der Euro-Retter

Von Holger Steltzner

Das Leben auf Pump geht weiter: Der Süden druckt einfach das Geld, das er für Rechnungen braucht. Warum soll sich Griechenland ändern, wenn es doch immer wieder neue Kredite gibt? Mehr 24 119

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%