26.02.2010 · Das sichere Parken von Geld auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten bringt derzeit kaum Ertrag und verleitet daher zu Umschichtungen in vermeintlich verlockendere Anlageformen. Doch Anleger sollten sich zurückhalten. Denn keine Anlageform sieht gegenwärtig gut aus.
Von Gerald BraunbergerDer Schnee schmilzt, die Temperaturen steigen, der Frühling zieht ein und mit ihm ein neuer Tatendrang der Menschen. Diesen Rhythmus schreibt die Natur vor. Doch es stellt sich die Frage, ob der Mensch als Kapitalanleger nicht besser in einem Winterschlaf verharren sollte. Denn der Kapitalanleger befindet sich in einer Zwangslage. Das sichere Parken von Geld auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten bringt wegen der niedrigen Leitzinsen der Notenbanken kaum Ertrag und verleitet daher zu Umschichtungen in vermeintlich verlockendere Anlageformen. Doch von diesen sieht im Moment bei genauerem Hinsehen eigentlich keine wirklich verlockend aus.
Den wichtigsten Grund hierfür bildet die höchst unsichere Wirtschaftslage, die wohl auch noch längere Zeit schwierig bleiben dürfte. Die geschichtliche Erfahrung, wonach schwere Finanzkrisen nicht mit raschen Erholungen einhergehen, scheint sich wieder zu bestätigen.
Deutscher Aktienmarkt nicht attraktiv
Das Finanzsystem bleibt krank, die hohen Staatsschulden entwickeln sich zum Schreckgespenst an den Märkten, die Wirtschaft in den Industrienationen wächst nur langsam, und die sehr expansive Geldpolitik baut gleichzeitig langfristig Inflationspotential auf. So sieht kein Umfeld aus, in dem Börsenträume reifen.
Daher wirkt der deutsche Aktienmarkt insgesamt nicht attraktiv. Deutsche Dividendentitel mögen zwar im Vergleich zu Aktien aus anderen europäischen Ländern günstig erscheinen, aber das besagt nicht viel. Konsumtitel besitzen wegen der schwachen Binnennachfrage kaum Phantasie. Zwar könnten Exportunternehmen von einer kräftigen Wirtschaftserholung in den Schwellenländern profitieren, aber das Argument ist seit langem bekannt und müsste in den aktuellen Kursen berücksichtigt sein.
Manche Ratgeber favorisieren amerikanische Aktien, aber auch hier ist vor Euphorie zu warnen. Die amerikanische Wirtschaft läuft zwar etwas besser als die europäische, aber sie erholt sich ebenfalls nur langsam. Amerikanische Aktien lassen sich mit Blick auf einen weiterhin steigenden Dollarkurs kaufen, aber dies wäre eher eine Währungsspekulation. Damit bleiben die Aktien in den Schwellenländern: Dort gibt es zwar Wirtschaftswachstum und prosperierende Unternehmen, aber all dies ist in den aktuellen Aktienkursen längst berücksichtigt.
Deutsche Anleger bevorzugen ohnehin eher Anleihen als Aktien. Die Griechenland-Malaise und die hohen Staatsschulden auch anderer Länder lasten jedoch auf dem Ansehen der Festverzinslichen. Anleger werden durch diese Diskussionen daran erinnert, dass in der Vergangenheit schon häufiger Anleihen nicht oder nur zum Teil zurückgezahlt wurden, weil der Schuldner zahlungsunfähig wurde. Die mit derartigen Befürchtungen verbundene Flucht in die Qualität hat die Nachfrage nach Bundespapieren gestärkt. Eine zehnjährige Bundesanleihe rentiert aber nur noch mit rund 3,1 Prozent. Eine Bundesanleihe ist vermutlich immer noch eine der sichersten Anlagen der Welt, aber ihre Rendite erscheint vor allem dann kümmerlich, wenn ein Anleger längerfristig steigende Inflationsraten erwartet. Ob es wirklich zu einer bedeutenden Inflation kommt, ist entgegen den Prognosen von Schwarzsehern noch nicht ausgemacht, völlig ausschließen lässt es sich jedoch nicht. Dann aber bringen die aktuellen Bundesanleihen zu wenig, ebenso wie die etwas höher rentierenden Pfandbriefe und Unternehmensanleihen erstklassiger Bonität.
Investitionen von Anlegern in Rohstoffe und Edelmetalle erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Diese Erkenntnis ist aber nicht neu, und gerade ein wachsendes Interesse von Kapitalanlegern hat in jüngerer Zeit die Preise vieler Rohstoffe bereits stark steigen lassen, so dass weiteres Kurspotential derzeit begrenzt erscheint. Wer die große Inflation fürchtet, kann heute zu Gold greifen, aber die Erfahrung der vergangenen Wochen zeigt, dass jenseits eines Preises von 1100 Dollar je Unze die Luft dünn wird, solange sich die Inflation nicht wirklich mit Riesenschritten nähert. Als Inflationsschutz gelten auch Immobilien, aber hier lassen sich kaum generelle Empfehlungen aussprechen, da die Rendite eines Objekts wesentlich von seiner Lage abhängt.
Der Euro dürfte weiter abwerten
Damit bleiben Anlagen in Fremdwährungen. Dass man Währungen leichter kaputtreden oder -schreiben als tatsächlich umbringen kann, dürfte der Euro zeigen. Dennoch könnte zumindest der Dollar weiter aufwerten, nicht allein weil es Griechenland gibt oder weil sich Spekulanten gegen den Euro versammeln. Der Euro dürfte weiter abwerten, weil er, historisch betrachtet, immer noch zu stark ist und keineswegs schwach.
Natürlich gehört dem Mutigen die Welt. Wer heute Geld anlegt, mag trotz der düsteren Wirtschaftslage in Nischenmärkten schöne Gewinne einfahren. Wer etwa an eine Sanierung Griechenlands glaubt, könnte auf griechische Anleihen setzen. Aber eine solche Strategie geht mit hohen Verlustrisiken einher. Wer hingegen sein Kapital in schwierigen Zeiten zunächst einmal gegen Verluste sichern will, sollte sich als Anleger derzeit nicht zu sehr exponieren, sondern warten, bis sich die gesamt- und finanzwirtschaftlichen Frühlingsnebel gelichtet haben.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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