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Geldanlage Die junge Meisterin der Dividende

28.03.2005 ·  Sonja Schemmann ist der neue Star unter den Fondsmanagern. Mit 31 Jahren verwaltet sie schon mehr als fünf Milliarden Euro - nicht zuletzt, weil Dividendenfonds groß in Mode sind.

Von Thomas Schmitt
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Nur ein einziges Mal kommt Sonja Schemmann aus dem Konzept. Normalerweise antwortet die Fondsmanagerin der DWS flüssig und schnell. Wenn ihr eine Frage nicht paßt - nach einer einzelnen Aktie etwa -, erzählt sie einfach was anderes. Da zeigt sich die Erfahrung aus über 200 Präsentationen vor Kunden, die sie schon über den besten deutschen Dividendenfonds gehalten hat. Doch bei dieser Frage muß sie überlegen.

Woher es denn komme, daß sie Verantwortung übernehmen wolle? „Ja, ich glaube, ich glaube, das ist grundsätzlich ein ... eh ... mhm ...“ - 15 Sekunden geht das so, bis sie den Faden wieder hat: „Verantwortung gibt es ja nicht nur hier im Job, das wollte ich, das war klar“, sagt sie dann. „Das war bereits im Studium so, das war eigentlich immer vorhanden.“ Und leiser als üblich fügt sie hinzu: „Das geht ja beim Pferd schon los.“

Mit Aktien früher wenig am Hut

Womit wir bei der größten Konstante in ihrem Leben wären. Sonja Schemmann reitet aus Leidenschaft - immer noch drei- bis viermal in der Woche auf ihrem eigenen Pferd. Als Teenager wollte sie Berufsreiterin werden. Daß sie als 31jährige bei der größten deutschen Fondsgesellschaft mehr als fünf Milliarden Euro verwaltet, zählte nicht zu ihren Träumen.

Auch mit Aktien hatte sie lange wenig zu tun. In der Schule überhaupt nicht. Da schaffte sie mit Kunst, Biologie und Erdkunde im Abi eine 2,0 im Schnitt. Solide, aber bei der Fächerkombination keine große Kunst, wie sie weiß. Mit 19 Jahren ging es ihr wie vielen jungen Leuten - sie wußte nicht wirklich, was sie wollte.

Solide Grundlage

Also machte sie 1994 bis 1996 etwas, was solide ist, eine finanzielle Basis versprach und ihr neue Blickwinkel eröffnete: eine Banklehre bei der Deutschen Bank in Hamburg. Warum gerade die Blauen? „Meine Mama ist Deutsche-Bank-Kundin, solange ich denken kann.“

Im Norden wollte sie jedoch nicht bleiben. Erste Station war daher Köln. Zwei Jahre studierte sie Volkswirtschaft und auch Karneval - ein Kulturschock für eine Hamburgerin. Heute mag sie den Rummel. Es folgten drei Jahre Wirtschaft in Paris, Oxford und Berlin. Für diesen Studiengang der „ESCP-EAP European School of Management“ bezahlte sie 30.000 D-Mark an Studiengebühren, was ihre Mutter ihr auslegte und sie „brav“ zurückzahlte.

Mit 120 Gleichgesinnten aus ganz Europa paukte, wohnte und arbeitete sie zusammen. Wenn sie nicht studierte, machte sie Praktika - bei IBM, Morgan Stanley und den SOS-Kinderdörfern. Und zwischendurch jobbte sie schon bei der DWS.

Im Takt der Börsen

Die Tochter der Deutschen Bank wurde zu ihrem Sprungbrett. Sie lernte das Team von DWS-Manager Klaus Kaldemorgen schätzen, schrieb 2000 ihre Diplomarbeit über Börsengänge von jungen Internetunternehmen und heuerte 2001 als Fondsmanagerin an. Daß sie so schnell Karriere machte, war Glück - und Folge eines überaus professionellen, sympathischen Auftretens sowie einer starken Leistungsorientierung.

Sie lebt heute im Rhythmus der Finanzmärkte: Wenn sie aufwacht, schaut sie nach Asien. Um acht Uhr prüft sie ihre Mails im Büro, und abends um zehn Uhr guckt sie, wie Wall Street geschlossen hat, wo der Dollar steht und ob der Ölpreis Sprünge vollzieht. Viele, viele Daten verarbeitet sie jeden Tag und muß darauf achten, daß sie den Wald vor lauter Bäumen noch sieht.

Gute Ergebnisse

Das ist wichtig, weil ihre beiden Flaggschiffe genau dies erfordern. „Sich auf Dividenden bei der Aktienauswahl zu konzentrieren ist langfristig eine sehr solide Strategie, die in jedes Portfolio paßt“, sagt sie. „Aber es ist nicht die einzig wahre Strategie.“ Es gibt eben viele Wege zum Erfolg. Dividendenfonds sind einer, der gerade funktioniert. Wie lange? Das hängt von den Märkten ab.

Sie will auch 2005 wieder gute Ergebnisse erzielen. 20 Prozent vielleicht? Wäre schön, aber nicht unbedingt realistisch. Sie dämpft die Erwartungen und weist darauf hin: Ihr Fonds schwankt nicht sehr stark und senkt in einem Portfolio das Gesamtrisiko. Er ist also eine gute Ergänzung. Ein Grund, warum ihr weiter viele Millionen zufließen. Vor zwei Jahren hat sie mit 40 Millionen Euro angefangen. Heute hat ihr erster Dividendenfonds, der globale, drei Milliarden Euro. Der zweite, der auf Europa ausgerichtete, sammelte auch schon in einem halben Jahr mehr als eine Milliarde ein.

Einfach besser

Die Anleger honorieren, daß Sonja Schemmann besser ist als vergleichbare Fondsmanager. Das hat zuletzt der Marktbeobachter Standard & Poor's (S&P) bestätigt. Darauf kann sie stolz sein, weil sie das Konzept entworfen hat und alle Entscheidungen trifft. Fragt sich, wohin sie das noch führt?

Sie ist die neue Vorzeigemanagerin der DWS, obwohl die DWS und sie keinen Starkult wollen. Sie öffnet sich, weil die Anleger wieder stärker wissen möchten, wer da ihr Geld verwaltet. Der Name DWS allein reicht nicht.

Wie lange sie das machen wird? Die Frage einer 31jährigen Frau zu stellen ist fies. Die Antwort daher abgeklärt: „Im Moment bin ich sehr glücklich mit der Arbeit und meinen Produkten“, sagt sie. Ihre Bindung an die Fonds ist stark, aber wenn sie weiter so gut arbeitet, kommen neue Aufgaben automatisch dazu.

Kind und Familie

Und eine Familie? Auch darüber hat sie schon nachgedacht. „Kinder lassen sich sehr gut mit dem Job vereinbaren“, sagt sie, jedenfalls bei der DWS. Sie weiß schon, daß sie schnell zurückwollte. Als international erfahrene Frau sagt sie: „Wir müssen uns Deutschland davon frei machen, daß eine Mutter, die weiterarbeitet, eine schlechte Mutter ist.“

O Gott, und das Kind? „In Frankreich arbeitet jede Frau nach drei Monaten weiter, und keiner sagt, sie sei eine schlechte Mutter“, antwortet Sonja Schemmann. „Wenn ich vorher einen spannenden und vielseitigen Job hatte, kann ich doch nicht hinterher nur Windeln wechseln.“

In Dividendenfonds fließen Milliarden

Den ersten Dividendenfonds legte der Marktführer Ende April 2003 auf. Der „DWS Top Dividende“ (Isin DE0009848119) investiert weltweit in Unternehmen, die eine höhere Dividendenrendite als der Marktdurchschnitt erwarten lassen. Mit 40 Millionen Euro begann die Managerin Sonja Schemmann vor zwei Jahren. Heute verwaltet sie drei Milliarden Euro. Nur ein Aktienfonds der DWS, der Vermögensbildungsfonds, hat mehr Geld eingesammelt. Auf ein Jahr gesehen, hat der Fonds 20 Prozent Rendite erbracht, in den vergangenen zwei Jahren waren es bereits 50 Prozent.

Ihren zweiten Dividendenfonds, den „DWS Invest European Dividend Plus“ legte die Deutsche-Bank-Tochter Ende August 2004 auf. Er konzentriert sich auf europäische Aktien, die Auswahl der Titel erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie im globalen Produkt. Ihm sind seither bereits 1,6 Milliarden Euro zugeflossen. Somit verwaltet Sonja Schemmann allein in ihren beiden Dividendenfonds 4,6 Milliarden Euro. Ein paar kleinere Mandate kommen hinzu.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.03.2005, Nr. 12 / Seite 49
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