24.08.2009 · Die GLS Bank legt Geld sozial und ökologisch an. Und auch noch völlig transparent. Ihr Chef appelliert ans gute Gewissen seiner Kunden. Die Krise spielt ihm in die Hände. Vor Kunden kann er sich kaum noch retten.
Von Thomas Reinhold„Das Zocken gehört verboten.“ Der Satz stammt von Uli Hoeneß, aber er dürfte ganz nach dem Geschmack von Thomas Jorberg sein. Der Vorstandsvorsitzende der GLS Bank, Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, sagt es differenzierter als der Manager des FC Bayern. Der pflegt auch im Nebenberuf als Wurstfabrikant eine würzige Sprache und hat sich gerade in einem Interview darüber aufgeregt, dass „in Londoner Hinterzimmern Yuppies in Hosenträgern“ mit Schweinebäuchen spekulieren. „Für was brauchen Banken Schweinebäuche?“ Jorberg stimmt da mit ein: „Die reine Geldvermehrung ohne Bezug zur Realwirtschaft führt zu den Blasen, die wir gerade kennengelernt haben.“
Er trifft damit einen Nerv. Und so wächst seine Bank, die sozialökologische GLS Bank, prächtig in der Nische. Sie will solide, durchschaubare Geldanlage bieten, die in ökologisch und gesellschaftlich sinnvolle Projekte investiert. Die werden immer beliebter, nicht erst, seitdem Bankkunden in die Abgründe internationaler Finanzmärkte schauen mussten.
„Wir können mehr als optimistisch sein“
Das Bilanzvolumen der GLS Bank wuchs 2008 um 27,4 Prozent auf mehr als 1 Milliarde Euro. Im Vergleich zum Volumen der Deutschen Bank ist das freilich winzig, es beträgt 2,2 Billionen Euro. Doch die Bochumer geben sich selbstbewusst. Für 2009 planen sie zwar etwas konservativer im Vergleich zu 2008, aber dennoch mit 20 Prozent Wachstum. Das haben sie schon jetzt erreicht.
„Wir können mehr als optimistisch sein“, sagt Jorberg. An ihren sieben Standorten zählt die Genossenschaftsbank bereits 70000 Kunden. In den vergangenen Jahren kamen Tausende hinzu. Sie fragen nach Girokonten, Tages- oder Termingeld, Sparbriefen und Fonds. Institutionelle Anleger brachten auch schon mal ein- oder zweistellige Millionenbeträge bei der GLS Bank unter. Die Finanzkrise spielt ihr dabei in die Hände. Menschen interessieren sich plötzlich für mehr als Zinsen. Sie wollen wissen, wo ihr Geld bleibt.
Die GLS Bank vergibt Darlehen an freie Schulen, an heilpädagogische Einrichtungen, an Senioren- oder Kulturprojekte und im ökologischen Bereich: Baufinanzierung, Naturkost, ökologische Landwirtschaft, regenerative Energie. Dabei lässt sie sich auch gern in die Karten schauen: Alle Firmenkredite – wirklich alle – werden im Internet veröffentlicht, wie auch die Eigenanlagen der Bank am Kapitalmarkt. Das liest sich so: Lebenshilfe Wetterau, Friedberg, Schulgründung, 368.000 Euro; Hof Klostersee, Grömitz, Neubau Hofladen, Haupthaus, 252.000 Euro; SunStrom GmbH, Dresden, Zahlungsbürgschaft, 181.605 Euro – drei Beispiele aus der jüngsten Liste.
„Bildung und Bank, so fing das an“
In den sechziger Jahren wollten anthroposophische Eltern eine Waldorfschule mitfinanzieren und entwickelten die Idee, die Geldanlage mit sozialen Zielen zu verbinden. „Bildung und Bank, so fing das an“, erzählt Jorberg. 1974 wurde die GLS Bank in einem Anwaltsbüro gegründet: ein Mann, eine Schreibmaschine. Schon drei Jahre später wurde Jorberg der erste Lehrling. Da war er 20. „Als ich hier anfing, haben wir im Handdurchschreibeverfahren gebucht. Wir fingen im Oktober an, die Zinsen fürs Jahresende zu berechnen.“ Heute klingt das, als würde Opa vom Krieg erzählen.
Längst droht die öffentliche Liste der Kunden eine Länge zu erreichen, die das vernünftige Maß sprengen würde. Die GLS diskutiert deshalb, Kredite nach Regionen und Branchen zu bündeln. Aber das ist heikel. Transparenz ist schließlich ihr oberstes Gut. Das geht so weit, dass die GLS, wenn sie einen Marktvergleich macht, sogar sagt, welche Bank höhere Zinsen bietet als sie selbst.
Jorberg, der selber aus einer anthroposophischen Familie im württembergischen Remstal stammt, appelliert ans Gewissen seiner Kunden. Aber, und da hebt sich seine sonst so ruhige Stimme deutlich: „Bei uns verzichtet kein Kunde auf Erträge.“ Meist biete die GLS Zinsen, die im Mittelfeld des Marktes liegen. Aber das sei schließlich nicht alles. Kunden träfen heute öfter eine Güterabwägung: Wollen sie einen hohen Zins erzielen – oder wollen sie stattdessendie Aussicht, sich in einer intakten Umwelt zu bewegen oder ihre Umgebung mitzugestalten? Aufgabe der Banken sei es, diese Entscheidung durch Transparenz überhaupt erst zu ermöglichen. „Wenn ich nur den Zinssatz kenne, kann ich keine Verantwortung dafür übernehmen, was mit meinem Geld geschieht“, sagt Jorberg.
Geld nicht nur wegen des Geldes vermehren
Das Eigenkapital der GLS Bank besteht zu einem Drittel aus Genossenschaftsanteilen, zu zwei Dritteln aus stillen Beteiligungen. Nur die werden gewinnabhängig mit einem Mindestsatz verzinst. „Die Genossenschaft und unsere Mitglieder sind die Garanten für eine Geschäftspolitik, die nicht nur wegen des Geldes Geld vermehrt.“
Banken hätten nur eines zu tun: Unternehmen und Privatleute mit Geld zu versorgen. Das gehöre zur klassischen Finanzwirtschaft, sagt Jorberg. Während des Studiums in Bochum hat ihn mancher wegen seiner Ansichten als Sonderling verlacht. „Wenn es Ihnen hier nicht passt, können Sie ja nach Bremen gehen“, habe er zu hören bekommen. Bremen war damals Hochburg der akademischen Linken.
Heute lacht er herzhaft darüber. Thomas Jorberg ist eigentlich ein ganz normaler Typ. Er hat zwei erwachsene Kinder, ist verheiratet mit einer Musikerin, segelt gerne, hat eine Solaranlage auf sein Haus gebaut. Mitarbeiter erzählen über ihren Chef, er sei ein Mann mit Prinzipien. Gemäß der Hauspolitik seiner Bank streicht er auch nicht mehr als sechsmal so viel Gehalt ein wie ein Bank-Einsteiger. Urlaubs- und Weihnachtsgeld zahlt die GLS, Boni nicht. Jorberg rechnet kühl: „Wirklich motivieren kann man Menschen nicht mit Geld. Demotivieren schon. Aber das tun wir nicht.“
Gerade hat die niederländische Triodos, die größte soziale Bank Europas, signalisiert, dass sie stärker nach Deutschland drängen will. Deutschland ist ein attraktiver Markt. „Es wird Trittbrettfahrer geben. Es wird Nachahmer geben. Selbst die Deutsche Bank schaltet ja schon ganzseitige Anzeigen, die suggerieren, sie sei eine neue grüne Bank.“ Jorberg fühlt sich bestätigt: „Es ist nichts Schlimmes, wenn sich andere auch in unsere Richtung bewegen. Für die Gesellschaft kann das nur gut sein.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |