24.08.2009 · Ein Doktortitel tut der Karriere und der Eitelkeit gut. Nicht verwunderlich, dass sich so mancher auf das zwielichtige Angebot aus Bergisch Gladbach eingelassen hat. Warum aber haben die Universitäten die Augen so fest verschlossen?
Von Joachim JahnIn manchen Branchen ist der gute alte Doktortitel immer noch ein Karriereturbo - auch wenn Managerschmieden um Absolventen für einen „MBA“ buhlen und Jurafakultäten um Kandidaten für einen LL.M. wetteifern. Die Eitelkeit vieler Menschen tut ihr übriges. Dass manch Berufstätiger deshalb auf das zwielichtige Angebot einer „Titelmühle“ aus Bergisch Gladbach eingegangen ist, kann daher nicht erstaunen, zumal die Grenzen erlaubter Mithilfe nicht ganz eindeutig zu ziehen sind.
Dagegen erschrickt, wie viele Hochschullehrer sich möglicherweise schlichtweg bestechen ließen. Jeder Fall wird noch gründlich zu prüfen sein, und mutmaßlich wird sich kaum einer der Beschuldigten am Ende zu jenem Juraprofessor und jenem Titelvermittler gesellen müssen, die seit einem Jahr im Gefängnis sitzen. Doch müssen sich die Universitäten fragen, warum sie vor Verdachtsfällen so fest die Augen verschlossen haben. Kein Lehrstuhlinhaber kann schließlich in Eigenregie einen Titel vergeben. Hochschulen tun zwar gut daran, um Drittmittel zu werben und Dozenten nach Leistung zu bezahlen. Fragwürdige Kriterien wie die Zahl betreuter Promotionsverfahren darf es dabei aber nicht geben.
Die Wissenschaft kocht auch nur mit Wasser
Robert Klemme (rklemme)
- 24.08.2009, 11:33 Uhr
Joachim Jahn Jahrgang 1959, Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.
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