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Gehälter der Bankmanager „Die Verdienstmöglichkeiten waren einfach zu groß“

17.10.2008 ·  Eine Gehaltsgrenze für Banker ist in Ordnung, sagt Personalberater Bernd Wieczorek. Vorausgesetzt, sie wird nicht zu einer Dauerlösung. Die Exzesse der Vergangenheit seien nicht durch Gier entstanden, sondern durch Fehler im System.

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Eine Gehaltsgrenze für Banker ist in Ordnung, sagt Personalberater Bernd Wieczorek. Vorausgesetzt, sie wird nicht zu einer Dauerlösung. Die Exzesse der Vergangenheit seien nicht durch Gier entstanden, sondern durch Fehler im System.

Herr Wieczorek, sind alle Bankvorstände gierige Versager?

Das ist Unsinn. Die Führungskräfte in den Banken sind intelligente Menschen, von denen sich einige in einem hochkomplexen System verzockt haben. Mir hat schon vor einiger Zeit der Vorstand einer großen deutschen Bank gesagt: Ich finde das Spiel im Investmentbanking falsch, aber ich traue mich nicht, nur in meinem Haus die Regeln zu verändern, weil wir sonst im Vergleich zu unseren Wettbewerbern zurückfallen. So dachten wohl alle.

Angestachelt durch die Aussicht auf einen hohen Bonus.

Es gab Exzesse, das steht außer Zweifel. Aber wenn ein Banker die Chance hat, seinen Verdienst durch geschicktes Handeln um etliche Millionen Euro zu erhöhen, und er im schlechtesten Fall auf sein Fixgehalt zurückfällt, dann ist es menschlich, dass er die Chance ergreift. Das hat nicht nur mit Gier zu tun, sondern die Möglichkeiten des Systems waren einfach zu groß.

Erwarten Sie, dass Bankchefs ihre Stühle räumen, weil sie sich nicht mit der von Finanzminister Peer Steinbrück angekündigten Gehaltsgrenze von 500.000 Euro zufriedengeben?

Diese Zahl ist zwar völlig willkürlich, aber ich halte den Vorstoß dennoch für klug. Diese Zahl setzt ein Signal, löst einen Schock aus, der heilsam sein kann. Ich erwarte nicht, dass deswegen jemand abdankt, ganz im Gegenteil. Ich rechne damit, dass mehr Spitzenkräfte, als derzeit vermutet wird, mit gutem Beispiel vorangehen, um die Reputation der Branche wiederherzustellen. Vorausgesetzt, die Begrenzung ist wirklich nur vorübergehend.

Was wäre, wenn auf Druck der Politik Banker ihre Stühle räumen – gäbe es überhaupt Ersatz?

Das würde sicherlich eng. Ich bin überzeugt, dass in solchen Zeiten mehr Führungskräfte als sonst den Sprung aus der zweiten Reihe ins Top-Management schaffen. Das haben wir gerade mit Axel Wieandt gesehen, dem ehemaligen Strategiechef der Deutschen Bank, der nun Vorstandsvorsitzender der Hypo Real Estate ist. Viele Institute verfügen über ein Reservoir interner Aufstiegskandidaten. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, wenn die Bankenaufsicht die formalen Hürden für Bankvorstände etwas herunterschrauben würde. Mancher Finanzvorstand aus der Industrie wäre durchaus in der Lage, Finanzvorstand einer Bank zu sein.

Und die Ersatzspieler würden sich auch mit 500.000 Euro bescheiden?

Eine Verdienstgrenze sehe ich nicht als Problem, sofern sie nicht zur Dauerlösung wird. Langfristig würde sie die guten Kräfte ins Ausland vertreiben.

Wenn die Gehälter der Chefs beschränkt werden, müssten dann nicht auch die der Mitarbeiter darunter gekürzt werden?

Auf jeden Fall. Für die Exzesse sind ja nicht allein die Vorstandsvorsitzenden verantwortlich, sondern auch die Teams auf den Ebenen darunter. Auch sie haben von den Bonustöpfen profitiert.

Wie könnte langfristig ein solides Vergütungssystem in den Banken aussehen?

Es muss ein starker Bezug zur Nachhaltigkeit in die Systeme kommen. Das Problem der vergangenen Jahre waren nicht die viel kritisierten Aktienoptionen – die sind in der Regel langfristig ausgerichtet. Das Problem war der extrem hohe kurzfristige Anteil, der Jahresbonus. Davon müssen wir wegkommen. Fixgehälter für Spitzenpositionen zwischen 400.000 Euro und einer Million Euro halte ich für angemessen. Sie müssen jedoch künftig wieder einen höheren Anteil an der gesamten Vergütung ausmachen. Hilfreich wäre ein internationaler Verhaltenskodex. Das fragwürdige Ziel, zweistellige Millionengehälter anzustreben, war in jedem Fall fehlgeleiteter sportlicher Ehrgeiz.

Können Sie sich vorstellen, dass ein verbeamteter Staatssekretär etwa die Commerzbank genauso gut führen könnte wie Martin Blessing?

Das bezweifle ich. In Teilfunktionen möglicherweise, aber nicht eine im globalen Wettbewerb stehende Großbank als Ganzes.

Das Gespräch führte Julia Löhr.

Quelle: F.A.Z.
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