Home
http://www.faz.net/-gqe-74dlf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.11.2012, 15:47 Uhr

Gefeuerter Mercedes-Manager unterliegt vor Gericht Heimkino auf Firmenkosten

Der fristlos gekündigte Mercedes-Amerika-Chef Ernst Lieb wurde nach Auffassung eines Gerichts völlig zu recht gefeuert. Abfinden will sich der Manager mit dem Rauswurf aber trotzdem nicht. Es geht um ein Heimkino, ein Fitnessstudio und auch um eine Waschmaschine.

© dapd Daimler durfte dem Urteil zufolge seinen Topmanager Ernst Lieb wegen Bereicherung fristlos entlassen.

Der fristlos gekündigte Amerika-Chef von Mercedes-Benz, Ernst Lieb, hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Das Arbeitsgericht in Stuttgart wies die Klage des langjährigen Daimler-Managers am Donnerstag zurück. Der 57-Jährige hatte sich dort gegen seinen Rauswurf im Oktober 2011 zur Wehr gesetzt. Daimler hatte ihm damals fristlos gekündigt, weil er sich in seiner Dienstvilla auf Firmenkosten unter anderem eine Entertainment-Anlage und ein Fitnessstudio einbauen ließ.

Es geht dabei um Summen von mehr als 100.000 Dollar (rund 79.000 Euro). Auch um eine Waschmaschine, einen Wäschetrockner und neue Betten streitet der Autobauer mit dem früheren Mitarbeiter.

Beide Seiten hatten einen Vergleich abgelehnt

„Das Gericht hält die fristlose Kündigung für wirksam“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Zuvor hatten beide Seiten einen Vergleich abgelehnt. Nach Auffassung des Gerichts hat Lieb seine „eigenen Interessen über die der Firma gestellt.“

Lieb wies den Vorwurf zurück, er habe sich durch den Umbau bereichern wollen. Sein Anwalt Stefan Nägele kündigte an, in Berufung zu gehen. Er argumentiert, der Einbau des Heimkinos sei nicht von seinem Mandanten, sondern bereits von dessen Vorgänger veranlasst worden. Zudem sei durch die Änderungen „eine wertsteigernde Maßnahme zugunsten des Hauses geschehen“.

Daimler-Anwalt Ulrich Baeck betonte: „Es geht nicht um die Höhe des Betrages, es geht um die Art uns Weise.“ Extras wie Flachbildfernseher, Fitnessgeräte und neue Betten seien schlicht nicht vereinbart gewesen. „Da kann ich nicht einfach meine Frau losschicken und Betten kaufen.“

Das Gericht folgte weitgehend der Argumentation des Unternehmens. Zwar sei es strittig, ob Lieb die Installation des Heimkinos selbst veranlasst habe, sagte der Vorsitzende Richter. Er habe den Einbau aber „zumindest nicht unterbunden“. Das Fitnessstudio beruhe indes auf dessen Wunsch, ebenso wie etwa für das Haus gekaufte Betten im Wert von mehreren tausend Euro.

Daimler begrüßte das Urteil: „Wir freuen uns, dass das Gericht unserer Rechtsauffassung gefolgt ist“, sagte eine Sprecherin.

Lieb hatte vor seinem Rauswurf 36 Jahre lang für das Unternehmen gearbeitet und war 2006 an die Spitze von Mercedes-Benz in Amerika gerückt. Sein Abgang sorgte für Schlagzeilen, weil er in der Branche als überaus beliebt gilt und zudem Erfolge vorweisen konnte.

„Wir wollen, dass Herr Lieb nicht wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt wird“, sagte sein Anwalt. Seinem Mandanten gehe es weniger um die finanzielle Entschädigung. Er wolle auch den Schaden an seiner Reputation „ein bisschen kompensieren“.

Quelle: LSW

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
DFB Niersbach von einstigem Vertrauten weiter belastet

Stefan Hans gilt in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 als eine Schlüsselfigur. Der entlassene Direktor streitet nun vor dem Arbeitsgericht Frankfurt mit dem DFB – und belastet nicht nur Wolfgang Niersbach. Nebenbei kommt das horrende Gehalt von Hans zur Sprache. Mehr

04.02.2016, 19:10 Uhr | Sport
Fahrbericht Mercedes-Benz CLA 180 Shooting Brake

Mercedes-Benz setzt mit dem fülligen CLA 180 SB auf das persönliche Downsizing. Das Designerstück wirkt spektakulärer als es beschleunigt. Mehr

22.01.2016, 16:10 Uhr | Technik-Motor
Ehemaliger DFB-Finanzchef Hans 300.000 Euro für eine Schlüsselfigur der WM-Affäre

Stefan Hans hat nie 800.000 Euro im Jahr bezogen. Eine solche Summe war unter der Woche kolportiert worden. Trotzdem fordert die Schlüsselfigur in der WM-2006-Affäre nun Millionen vom DFB. Mehr Von Anno Hecker

06.02.2016, 10:19 Uhr | Sport
Dieselgate VW und die anderen - das Thema Dieselgate

Kein leichter Auftritt für VW-Chef Müller: Bei seinem Antrittsbesuch in Amerika muss er gegenüber Kunden und Behörden Rechenschaft ablegen. Auch bei Daimler kommt man am Thema Dieselgate nicht vorbei. Mehr

12.01.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
Fehlerhafte Airbags Deutsche Autobauer rufen 2,5 Millionen Fahrzeuge in Amerika zurück

Dass Takata-Airbags ein Risiko darstellen können, ist bekannt. Wegen neuer Probleme trifft es nun auch die deutschen Autobauer in den Vereinigten Staaten. Mehr

10.02.2016, 18:44 Uhr | Wirtschaft

Kein Vertrauen in die Porsches und Piëchs

Von Carsten Knop

Im Strafverfahren gegen Wendelin Wiedeking und Holger Härter stehen die Zeichen wohl auf Freispruch. Doch Gerichtsurteile sagen nicht alles: Die Familien haben mit Porsche und VW ihren Ruf verzockt. Mehr 6 16


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden