Home
http://www.faz.net/-gqe-74dlf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Gefeuerter Mercedes-Manager unterliegt vor Gericht Heimkino auf Firmenkosten

Der fristlos gekündigte Mercedes-Amerika-Chef Ernst Lieb wurde nach Auffassung eines Gerichts völlig zu recht gefeuert. Abfinden will sich der Manager mit dem Rauswurf aber trotzdem nicht. Es geht um ein Heimkino, ein Fitnessstudio und auch um eine Waschmaschine.

© dapd Vergrößern Daimler durfte dem Urteil zufolge seinen Topmanager Ernst Lieb wegen Bereicherung fristlos entlassen.

Der fristlos gekündigte Amerika-Chef von Mercedes-Benz, Ernst Lieb, hat vor Gericht eine Niederlage erlitten. Das Arbeitsgericht in Stuttgart wies die Klage des langjährigen Daimler-Managers am Donnerstag zurück. Der 57-Jährige hatte sich dort gegen seinen Rauswurf im Oktober 2011 zur Wehr gesetzt. Daimler hatte ihm damals fristlos gekündigt, weil er sich in seiner Dienstvilla auf Firmenkosten unter anderem eine Entertainment-Anlage und ein Fitnessstudio einbauen ließ.

Es geht dabei um Summen von mehr als 100.000 Dollar (rund 79.000 Euro). Auch um eine Waschmaschine, einen Wäschetrockner und neue Betten streitet der Autobauer mit dem früheren Mitarbeiter.

Beide Seiten hatten einen Vergleich abgelehnt

„Das Gericht hält die fristlose Kündigung für wirksam“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Zuvor hatten beide Seiten einen Vergleich abgelehnt. Nach Auffassung des Gerichts hat Lieb seine „eigenen Interessen über die der Firma gestellt.“

Lieb wies den Vorwurf zurück, er habe sich durch den Umbau bereichern wollen. Sein Anwalt Stefan Nägele kündigte an, in Berufung zu gehen. Er argumentiert, der Einbau des Heimkinos sei nicht von seinem Mandanten, sondern bereits von dessen Vorgänger veranlasst worden. Zudem sei durch die Änderungen „eine wertsteigernde Maßnahme zugunsten des Hauses geschehen“.

Daimler-Anwalt Ulrich Baeck betonte: „Es geht nicht um die Höhe des Betrages, es geht um die Art uns Weise.“ Extras wie Flachbildfernseher, Fitnessgeräte und neue Betten seien schlicht nicht vereinbart gewesen. „Da kann ich nicht einfach meine Frau losschicken und Betten kaufen.“

Das Gericht folgte weitgehend der Argumentation des Unternehmens. Zwar sei es strittig, ob Lieb die Installation des Heimkinos selbst veranlasst habe, sagte der Vorsitzende Richter. Er habe den Einbau aber „zumindest nicht unterbunden“. Das Fitnessstudio beruhe indes auf dessen Wunsch, ebenso wie etwa für das Haus gekaufte Betten im Wert von mehreren tausend Euro.

Daimler begrüßte das Urteil: „Wir freuen uns, dass das Gericht unserer Rechtsauffassung gefolgt ist“, sagte eine Sprecherin.

Lieb hatte vor seinem Rauswurf 36 Jahre lang für das Unternehmen gearbeitet und war 2006 an die Spitze von Mercedes-Benz in Amerika gerückt. Sein Abgang sorgte für Schlagzeilen, weil er in der Branche als überaus beliebt gilt und zudem Erfolge vorweisen konnte.

„Wir wollen, dass Herr Lieb nicht wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt wird“, sagte sein Anwalt. Seinem Mandanten gehe es weniger um die finanzielle Entschädigung. Er wolle auch den Schaden an seiner Reputation „ein bisschen kompensieren“.

Quelle: LSW

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Lexus 25 Jahre in der Nische

Im Frühjahr 1990 wurde die Lexus Automobile Deutschland GmbH gegründet. Über Achtungserfolge ist der Toyota-Ableger seitdem nicht hinausgekommen. In Amerika sieht das ganz anders aus. Mehr Von Boris Schmidt

20.05.2015, 09:39 Uhr | Technik-Motor
Mercedes Forschungsauto F 015 Zehn Macbooks und kein Lenkrad

Sternstunde oder Albtraum? Mercedes-Benz wirft mit seinem Forschungsauto F 015 einen Blick in das Jahr 2030. Wir haben das Steuer dem Computer übergeben. Mehr

25.03.2015, 16:10 Uhr | Technik-Motor
Autonom fahrende Lastwagen Auf dem Highway lass die Hände los

Daimler bringt in Nevada den ersten autonomen Truck auf die Straße. Die Software macht sich aus den Sensordaten jeweils für die nächsten 250 Meter ein Bild von der Umgebung. Und was macht der Fahrer? Mehr Von Tom Debus

19.05.2015, 12:03 Uhr | Technik-Motor
Geländewagen Mercedes G 500 Das ist die G-rönung

Dieser Goliath muss keinen David fürchten. Der Mercedes-Benz G 500 kommt wirklich überallhin. Wir konnten ihn bei seiner Jungfernfahrt in der Sierra Nevada erleben. Nur eine Hürde muss er noch nehmen. Mehr

17.03.2015, 17:07 Uhr | Technik-Motor
Formel 1 Der Brite bleibt Mercedes-Fahrer

Formel-1-Weltmeister Hamilton verlängert seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag bei Mercedes bis 2018. Die sportliche Bilanz von Lewis spricht für sich, sagt Motorsportchef Wolff. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

20.05.2015, 13:21 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.11.2012, 15:47 Uhr

Verordnete Einheit

Von Heike Göbel

Zum ersten Mal erntet die Bundesarbeitsministerin Lob aus der Wirtschaft. Aber tatsächlich sieht es eher so aus, als würde das neue Tarifeinheits-Gesetz Verteilungskonflikte verschärfen. Mehr 14 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden