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Veröffentlicht: 08.12.2016, 08:06 Uhr

Hohe Preise Der Gebührentrick mit dem Trinkwasser

Immer mehr Kommunen übernehmen die Versorgung mit Wasser selbst. Damit wird es für die Verbraucher aber nicht billiger – im Gegenteil. Vielerorts haben die Menschen jahrelang zu viel gezahlt.

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© AFP Kunden kommunaler Wasserbetriebe zahlen häufig zu viel für ihr Trinkwasser.

An vielen Orten in Deutschland haben die Verbraucher jahrelang zu hohe Wasserpreise gezahlt. In Wiesbaden geht es um mehr als 46,2 Millionen Euro, wie die hessische Landeskartellbehörde berechnet hat. Das Amt hat sich damit an den Wiesbadener Betrieb Eswe Versorgungs AG gewandt, an dem die Stadt Wiesbaden die Mehrheit hält. Das Ziel: Der Wasserversorger soll die Millionensumme zurückzahlen, die die Kunden in den Jahren von 2007 bis 2011 zu viel bezahlt haben. Nach Angaben der Kartellbehörde lagen in dem Zeitraum die Wiesbadener Wasserpreise 27 Prozent höher als in vergleichbaren Regionen.

Jan Hauser Folgen:

Oft genug zahlen Kunden kommunaler Wasserbetriebe mehr, als sie eigentlich müssten. So haben das die Wettbewerbshüter auch in Berlin, Frankfurt, Mainz, Kassel, Wuppertal und Darmstadt gesehen. „Das Bundeskartellamt sowie einzelne Landeskartellbehörden haben in den zurückliegenden Jahren erfolgreich Verfahren gegen Wasserversorger geführt, die zu hohe Preise genommen haben“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. In Berlin geht es um etwa 250 Millionen Euro in den Jahren von 2012 bis 2015 und in Wuppertal um 15 Millionen Euro von 2009 bis April 2013.

Auswertung zeigt keine Preiserhöhung bei Privatbetrieben

Als Gründe für überteuerte Preise kommunaler Betriebe gelten Ineffizienz, fehlender Wettbewerb und der politische Einfluss, wozu auch der Wunsch nach Unterstützung lokaler Ereignisse und Vereine zählt. In der Regel sind kommunale Wasserbetriebe die alleinigen Anbieter, die der Bürger nutzen muss, und können daher das Monopol auch ausnutzen.

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Als Einwand gegen eine privatwirtschaftliche Organisation nennen Befürworter kommunaler Unternehmen oft, dass ein privates Unternehmen Gewinn erzielen möchte und die Preise anheben würde. Eine neue Untersuchung kommt hingegen zu dem Schluss, dass sich der Trinkwasserpreis in den hundert größten Kommunen Deutschlands nicht durch private Gesellschaftsanteile erhöht hat. Dazu haben die Leipziger Ökonomen Mario Hesse, Matthias Redlich, Oliver Rottmann und Tim Starke die Wasserpreise in den Jahren von 2009 bis 2014 ausgewertet.

Privates Engagement führt nicht zu Effizienzgewinnen

Ihre Arbeit „Private Unternehmensbeteiligung als Preistreiber?“, die gerade in der „Zeitschrift für öffentliche und gemeinwirtschaftliche Unternehmen“ erschienen ist, fragt nach dem Einfluss der Gesellschafterstruktur auf die Preisentwicklung in der deutschen Trinkwasserbranche. Die Auswertung mittels Querschnitts- und Paneldatenanalyse zeigt, dass sich höhere Preise nicht durch einen privaten Investor und dessen mögliche Rentabilitätsanforderungen ergeben.

Die Autoren, die am Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management in Leipzig arbeiten, sprechen davon, dass privatwirtschaftliches Engagement in einem Wasserversorgungsunternehmen nicht automatisch zu Effizienzgewinnen führt, die sich in geringeren Endverbraucherpreisen niederschlagen. Im Gegenteil: Eine Modellvariante zeigt, dass der Preis steigt, wenn der Anteil der privaten Anteile am Unternehmen sinkt.

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