Der staatliche Rohölförderer Cnooc aus Peking strebt die größte Übernahme an, die ein chinesisches Unternehmen im Ausland je getätigt hat. Für 15,1 Milliarden Dollar in bar wolle man das kanadische Rohstoffunternehmen Nexen Inc. aus Calgary erwerben, kündigte Cnooc Ltd. in einer Mitteilung an der Hongkonger Börse an. Der gebotene Preis von 27,50 Dollar je Aktie liegt um 61 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Nach Angaben der amerikanischen Denkfabrik Heritage Foundation in Washington, die eine Datenbank über chinesische Übernahmen im Ausland führt, war die bisher größte Transaktion die Beteiligung des Aluminiumherstellers Chinalco an der australischen Rio-Tinto-Gruppe 2008. Damals zahlten die Chinesen 12,8 Milliarden Dollar.
Eingehende Prüfung wahrscheinlich
Cnooc ist Chinas größter Förderer von Öl aus den Weltmeeren (Offshore). Die Übernahme würde eine alte Scharte des Scheiterns in Nordamerika auswetzen: 2005 bot Cnooc 18,5 Milliarden Dollar in bar für den kalifornischen Öl- und Gaslieferanten Unocal, kam aber nicht zum Zug. Den Zuschlag erhielt Chevron, weil Amerika hinter der chinesischen Offerte Staatsgeld vermutete und seine Sicherheitsinteressen berührt sah.
Auch das jetzt angekündigte Übernahmevorhaben der Gesellschaft, die vollständig China National Offshore Oil Corporation heißt, dürfte eingehend geprüft werden. Die kanadische Regierung ist bekannt dafür, es ausländischen Kaufinteressenten nicht leicht zu machen. Ein besonders spektakuläres Beispiel gab es 2010, als die Übernahme des Düngemittelherstellers Potash Corp. of Saskatechewan durch den australischen Bergbaukonzern BHP Billiton für 39 Milliarden Dollar blockiert wurde. Die Regierung berief sich auf den „Investment Canada Act“, wonach Akquisitionen kanadischer Unternehmen durch ausländische Gesellschaften dem Land einen „Nettonutzen“ bringen müssen. Dieser „Nettonutzen“ ist recht vage definiert, es werden dabei Faktoren wie Auswirkungen auf einheimische Arbeitsplätze oder auf die Wettbewerbsfähigkeit Kanadas berücksichtigt. Angesichts dieser absehbaren Prüfung gab sich Cnooc am Montag Mühe, in der Pressemitteilung auf den „Nutzen für Kanada“ hinzuweisen. So wolle Cnooc den bisherigen Nexen-Hauptsitz Calgary zur Zentrale seiner nordamerikanischen Aktivitäten machen, die derzeitgen Mitarbeiter behalten und die gegenwärtigen Investitionspläne noch ausweiten.
Zahlreiche Behörden müssen zustimmen
Die kanadische Regierung hat in jüngster Zeit schon einige kleinere Akquisitionen im Rohstoffmarkt durch ausländische Käufer freigegeben, dabei kam auch Cnooc schon zum Zuge. Die Chinesen kündigten vor einem Jahr den Kauf des insolventen kanadischen Ölsandspezialisten Opti Canada für 2,1 Milliarden Dollar an. Dieses Engagement machte Cnooc zum Partner von Nexen bei einem Ölsandprojekt im kanadischen Bundesstaat Alberta.
Neben Kanada müssen auch die Aufsichtsbehörden in den Vereinigten Staaten, China und möglicherweise auch in der EU der Transaktion zustimmen. Sollte der Vertrag zustande kommen, erhielte Cnooc Zugang zu den von Nexen geförderten 207.000 Barrel Öl am Tag (ein Barrel entspricht 159 Litern). Das würde den Gesamtausstoß von Cnooc um ein Fünftel erhöhen. Nexen ist ebenso wie Cnooc vor allem auf Offshore-Ölförderung spezialisiert und hat Projekte in der Nordsee, im Golf von Mexiko und in Afrika. Offshore steht nach Angaben des Unternehmens für 70 Prozent seiner konventionellen Öl- und Erdgasförderung. Daneben ist Nexen auch in der Förderung von Öl aus kanadischen Ölsanden aktiv, ein weiteres Standbein sind unkonventionelle Erdgasvorkommen, etwa aus Schiefer.
Gigantischer Hunger nach Rohstoffen
Nexen hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,4 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 697 Millionen Dollar ausgewiesen. Cnooc nahm in diesem Jahr seine erste eigene Tiefseebohrung auf. Möglich wurde das mit der Technik des 2008 für 2,4 Milliarden Euro gekauften norwegischen Förderers Awilco. Cnoocs Kassen sind gut gefüllt. Der Staatsbetrieb erwirtschaftete 2011 aus 30 Milliarden Euro Umsatz einen Jahresüberschuss von 8,7 Milliarden Euro. Die Gruppe beschäftigt fast 100.000 Mitarbeiter.
Seit Jahren versucht China durch milliardenschwere Zukäufe im Ausland, seinen immensen Energiehunger zu stillen. Das Land ist zum größten Energienutzer der Welt aufgestiegen und zum zweitgrößten Ölverbraucher hinter den Vereinigten Staaten. Bis in die neunziger Jahre war es noch Nettoexporteur, dann wuchs der Bedarf so sprunghaft, dass das Land bis 2009 zum zweitgrößten Nettoimporteur von Rohöl wurde. 2011 förderte China 204 Millionen Tonnen und verbrauchte 415 Millionen Tonnen.
ich finde um da einen gegenpol zu schaffen
Hannes Ehrmann (hans1066)
- 24.07.2012, 08:55 Uhr
Leisere Töne, weniger Sendungsdrang und eine
Roland Wagner (Eurofighter77)
- 24.07.2012, 02:11 Uhr
Keine Angst
Gerd Riedl (schoenau_rd)
- 23.07.2012, 22:58 Uhr
Was soll's, in wenigen Jahren kann hier sowieso keiner mehr irgendeine
Energie/Rohstoff bezahlen.
Otto Meier (DerQuerulant)
- 23.07.2012, 18:48 Uhr
China besitzt...
Ronald Schlimm (ronslim)
- 23.07.2012, 18:25 Uhr