Home
http://www.faz.net/-gqe-7bbiv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Gasprom-Chef Alexei Miller Ein Königreich für ein iPad

Der Chef des russischen Energiekonzerns Gasprom, Alexei Miller, will ein Tablet. Kein großes Ding, oder? Der Konzern hat die Latte hochgelegt und veranschlagt für den Auftrag rund 2,8 Millionen Euro.

© dpa Alexei Miller

Tabletcomputer haben auch in Russland schon viele Fans gefunden. Der Vorstandsvorsitzende des mächtigen Energiekonzerns Gasprom, Alexei Miller, hat offensichtlich noch kein Gerät, will aber eines. Sein Unternehmen hat nun eine Ausschreibung veröffentlicht. Unternehmen können sich bewerben, für ihn ein Tablet auf der Basis von Apples Betriebssystem iOS zu liefern. Das müsste dann wohl ein iPad sein - denn mit iOS laufen nur Apples eigene Maschinen. Ein große Sache? Eigentlich nicht. Das billigste Gerät dieser Modellreihe ist im russischen Apple-Store für 18990 Rubel zu haben, umgerechnet 445 Euro. Es müsste sich also nur ein Assistent an den Computer setzen, in kaum fünf Minuten wäre ein Auftrag online abgeschickt und die Firmenkreditkarte nicht allzu heftig belastet. Sollte Miller höhere Ansprüche stellen, könnte er gar bis zu 845 Euro ausgeben für ein Modell mit großem Speicher und mit Mobilfunk.

Thiemo Heeg Folgen:

In diesem Fall jedoch ist das Beste offenbar bei weitem nicht gut genug. Gasprom veranschlagt für den Tabletauftrag eine Summe von exakt 119748515,98 Rubel, das sind umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro. Eventuell dürfen es auch ein paar Rubel weniger sein, darauf weist zumindest das Wörtchen „maximal“ hin. Man sei in der Planungsphase und werde sehen, ob man ein günstigeres Angebot erhalten könne, versicherte ein Firmensprecher.

Das Tablet soll ihm helfen, das Unternehmen effizienter zu führen

120 Millionen? Mit diesem Betrag könnte Miller 6305 Mitarbeiter mit iPads ausstatten. Doch der Gaskonzern hat für das Gerät und für seinen Chef die Latte hoch gelegt. Das Tablet soll ihm helfen, das Unternehmen effizienter zu führen, und Managemententscheidungen erleichtern, wie es heißt. Es soll die Funktionalität von Millers Desktop-PC bieten. Es soll in garantiert nicht mehr als fünf Sekunden starten und die Funkstandards 3G, GPRS und Wifi unterstützen. Und es soll ein tägliches Monitoring der Geschäftsaktivitäten ermöglichen, von der Produktion über die Gasexporte bis zur Energieerzeugung. Und es soll vor äußeren Angriffen geschützt sein. Alles in allem: „Es ist nicht einfach ein Computer“, resümierte der Firmensprecher. Zuletzt hatte Miller mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen. Der Aktienkurs des größten Gasproduzenten der Welt ist im laufenden Jahr um 13 Prozent gefallen. Lange führte Gasprom die Liste der gewinnstärksten Unternehmen an, im vergangenen Jahr rutschte der Konzern auf Platz drei ab. Unter anderem setzten ein rückläufiges Exportgeschäft und die Konjunkturschwäche dem erfolgsverwöhnten russischen Anbieter zu.

Kann ein Tablet nun die Lage verbessern? Im russischen Internet zumindest machte sich mancher schon über den Auftrag lustig: Ob Miller selbst künftig überhaupt noch gebraucht werde? Zumindest verteidigte ein Softwaremanager die Ausschreibung: „Auch wenn mir ein Preis von 3,7 Millionen Dollar etwas übertrieben erscheint, sollte es klar sein, dass wir nicht über ein iPad sprechen, das mit Diamanten dekoriert ist“, sagte Alexander Patsay von Parallels Inc. Eine automatisierte Arbeitsstation für einen Vorstandsvorsitzenden könne tatsächlich eine komplizierte und kostenträchtige Lösung darstellen. Was Wladimir Putin zu Millers künftigem Tablet sagt, drang bislang nicht nach draußen. Der russische Präsident hatte Gasprom zur 20-Jahres-Feier im Februar im Kreml unter anderem aufgefordert, die Kosten zu minimieren.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rubel Russland stemmt sich gegen den Kursverfall

Die russische Regierung will, dass die wichtigsten Exporteure des Landes in naher Zukunft ihre Devisenreserven auf den Markt werfen. Das soll den Kurs der russischen Währung stützen. Mehr

23.08.2015, 13:34 Uhr | Finanzen
Simon Pierro Der iPad-Zauberer

Er holt Tennisbälle und Schokoriegel aus dem Tablet oder zapft literweise Bier. Die Tricks des deutschen Magiers Simon Pierro begeistern Menschen auf der ganzen Welt. Auf YouTube werden seine Videos millionenfach angesehen. Mehr

07.04.2015, 16:15 Uhr | Gesellschaft
Russische Netzpropaganda Ein Rubel aus der Trollfabrik

Die Aktivisten Ljudmilla Sawtschuk bringt eine Petersburger Trollfabrik abermals in Verlegenheit. Nach einem Gerichtsurteil muss das Unternehmen der ehemaligen Mitabeiterin einen symbolischen Rubel zahlen. Mehr

19.08.2015, 12:34 Uhr | Feuilleton
ESC Wien fiebert dem Finale entgegen

Wien fiebert dem Finale des 60. Eurovision Song Contest entgegen. Die Veranstalter hoffen, dass sie die Zahl von weltweit 200 Millionen Zuschauern im vergangenen Jahr noch übertreffen können. Das ESC-Finale lassen sie sich einiges kosten: Rund 37 Millionen Euro sind für den diesjährigen Wettbewerb veranschlagt. Mehr

22.05.2015, 09:38 Uhr | Gesellschaft
Neuheiten-Präsentation Apple stellt am 9. September voraussichtlich neues iPhone vor

Apple lädt zur Neuheiten-Präsentation und alle sind sicher: Der Konzern präsentiert das neue iPhone. Oder geht es um mehr als das? Was geschieht mit Apple TV? Mehr

28.08.2015, 08:13 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 17.07.2013, 16:58 Uhr

Mausetot im Deutsche-Bank-Prozess

Von Joachim Jahn

Im Strafprozess gegen ehemalige und amtierende Deutsche-Bank-Manager will die Staatsanwaltschaft eine ganze Armada weiterer Zeugen hören. Ist es das Zeichen, dass die Anklage schon mausetot ist? Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Gründer sorgen sich ums Geld

Was macht Menschen mit einer Unternehmensidee in Deutschland das größte Kopfzerbrechen? Die Finanzierung. Während sie vergangenes Jahr häufig auch den Fachkräftemangel anführten, treibt sie dieses Problem längst nicht mehr so stark um. Mehr 0