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Gasprom-Chef Alexei Miller Ein Königreich für ein iPad

Der Chef des russischen Energiekonzerns Gasprom, Alexei Miller, will ein Tablet. Kein großes Ding, oder? Der Konzern hat die Latte hochgelegt und veranschlagt für den Auftrag rund 2,8 Millionen Euro.

© dpa Vergrößern Alexei Miller

Tabletcomputer haben auch in Russland schon viele Fans gefunden. Der Vorstandsvorsitzende des mächtigen Energiekonzerns Gasprom, Alexei Miller, hat offensichtlich noch kein Gerät, will aber eines. Sein Unternehmen hat nun eine Ausschreibung veröffentlicht. Unternehmen können sich bewerben, für ihn ein Tablet auf der Basis von Apples Betriebssystem iOS zu liefern. Das müsste dann wohl ein iPad sein - denn mit iOS laufen nur Apples eigene Maschinen. Ein große Sache? Eigentlich nicht. Das billigste Gerät dieser Modellreihe ist im russischen Apple-Store für 18990 Rubel zu haben, umgerechnet 445 Euro. Es müsste sich also nur ein Assistent an den Computer setzen, in kaum fünf Minuten wäre ein Auftrag online abgeschickt und die Firmenkreditkarte nicht allzu heftig belastet. Sollte Miller höhere Ansprüche stellen, könnte er gar bis zu 845 Euro ausgeben für ein Modell mit großem Speicher und mit Mobilfunk.

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In diesem Fall jedoch ist das Beste offenbar bei weitem nicht gut genug. Gasprom veranschlagt für den Tabletauftrag eine Summe von exakt 119748515,98 Rubel, das sind umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro. Eventuell dürfen es auch ein paar Rubel weniger sein, darauf weist zumindest das Wörtchen „maximal“ hin. Man sei in der Planungsphase und werde sehen, ob man ein günstigeres Angebot erhalten könne, versicherte ein Firmensprecher.

Das Tablet soll ihm helfen, das Unternehmen effizienter zu führen

120 Millionen? Mit diesem Betrag könnte Miller 6305 Mitarbeiter mit iPads ausstatten. Doch der Gaskonzern hat für das Gerät und für seinen Chef die Latte hoch gelegt. Das Tablet soll ihm helfen, das Unternehmen effizienter zu führen, und Managemententscheidungen erleichtern, wie es heißt. Es soll die Funktionalität von Millers Desktop-PC bieten. Es soll in garantiert nicht mehr als fünf Sekunden starten und die Funkstandards 3G, GPRS und Wifi unterstützen. Und es soll ein tägliches Monitoring der Geschäftsaktivitäten ermöglichen, von der Produktion über die Gasexporte bis zur Energieerzeugung. Und es soll vor äußeren Angriffen geschützt sein. Alles in allem: „Es ist nicht einfach ein Computer“, resümierte der Firmensprecher. Zuletzt hatte Miller mit einer Reihe von Herausforderungen zu kämpfen. Der Aktienkurs des größten Gasproduzenten der Welt ist im laufenden Jahr um 13 Prozent gefallen. Lange führte Gasprom die Liste der gewinnstärksten Unternehmen an, im vergangenen Jahr rutschte der Konzern auf Platz drei ab. Unter anderem setzten ein rückläufiges Exportgeschäft und die Konjunkturschwäche dem erfolgsverwöhnten russischen Anbieter zu.

Kann ein Tablet nun die Lage verbessern? Im russischen Internet zumindest machte sich mancher schon über den Auftrag lustig: Ob Miller selbst künftig überhaupt noch gebraucht werde? Zumindest verteidigte ein Softwaremanager die Ausschreibung: „Auch wenn mir ein Preis von 3,7 Millionen Dollar etwas übertrieben erscheint, sollte es klar sein, dass wir nicht über ein iPad sprechen, das mit Diamanten dekoriert ist“, sagte Alexander Patsay von Parallels Inc. Eine automatisierte Arbeitsstation für einen Vorstandsvorsitzenden könne tatsächlich eine komplizierte und kostenträchtige Lösung darstellen. Was Wladimir Putin zu Millers künftigem Tablet sagt, drang bislang nicht nach draußen. Der russische Präsident hatte Gasprom zur 20-Jahres-Feier im Februar im Kreml unter anderem aufgefordert, die Kosten zu minimieren.

Quelle: F.A.Z.

 
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