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Gas-Streit Putins Zögling

09.01.2009 ·  Ein eiskalter Typ? Aleksej Miller, der 46 Jahre alte Vorstandsvorsitzende des vom Staat kontrollierten Erdgasmonopolisten Gasprom, hält die Welt in Atem. Im Streit mit der Ukraine erfüllt er die Wünsche des russischen Präsidenten.

Von Michael Ludwig
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Aleksej Miller, der 46 Jahre alte Vorstandschef des staatlich kontrollierten russischen Erdgasmonopolisten Gasprom, spielt im Gasstreit mit der Ukraine mit seinem Meister Wladimir Putin wie üblich über die Bande. Falls die Ukrainer nicht an den Verhandlungstisch zurückkehrten und auf das „Sonderangebot“ von Ministerpräsident Putin eingingen, müsse Kiew künftig einen Preis von 450 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas zahlen, drohte er. Putin hatte 250 Dollar gefordert; die Ukraine, die bislang knapp 180 Dollar zahlte, lehnte ab. Mit seiner Drohung sollte Miller, so das Kalkül, dafür sorgen, dass Russland sogar dann noch als generöser Partner dastünde, wenn Putin in den Preisverhandlungen ein wenig nachgäbe.

Putin hatte sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident Gasprom „vorgenommen“. Er betrachtet nach Meinung russischer Eingeweihter den Konzern nach wie vor als seine ganz persönliche Spielwiese und als Machtinstrument. Hatte Millers Amtsvorgänger als Konzernchef noch großspurig behauptet, Russland sei nichts ohne Gasprom, so beabsichtigte Putin nun, die „richtige“ Balance wiederherzustellen - und Aleksej Miller ist der Mann, der im Konzern Putins Weisungen umsetzt. In Moskau kannte ihn bis zu seiner Wahl zum Gasprom-Vorstandsvorsitzenden im Mai 2000 kaum jemand als herausragende Figur.

Politischer Druck

Binnen kurzer Zeit brachte Miller jedoch Vertraute in Schlüsselpositionen. Er schöpfte dabei aus der Sankt Petersburger Personalreserve, der er selbst entstammt. Als Putin in der „nördlichen Hauptstadt Russlands“ Anfang der neunziger Jahre die Leitung des Komitees für auswärtige Beziehungen übernahm, gehörte Miller zu dessen Mitarbeitern. 2000 holte ihn Putin nach Moskau und machte ihn zum stellvertretenden Energieminister. Dann folgte die Mission bei Gasprom. Putin, so heißt es, habe von Miller verlangt, für die Ausweitung des staatlichen Einflusses zu arbeiten und die dunklen Kanäle zu schließen, durch die Geld, das eigentlich dem Konzern zustehe, in private Taschen abfließe. Zumindest was den ersten Punkt betrifft, war Miller erfolgreich: Der Staat hat seine Anteile von 38,37 auf 50 Prozent gesteigert. Was das Ausmerzen der Korruption und die undurchsichtige Unternehmensstruktur betrifft, sind seine Erfolge aber eher moderat.

Russische Gaslieferungen über Ukraine komplett gestoppt

Unter Millers Führung hat sich der Konzern zu einem Unternehmen entwickelt, dass sich in Russland über die Gasbranche hinaus verstärkt im Ölsektor und letzthin auch als Stromversorger engagiert. Im Gassektor hat sich Gasprom im Zusammenspiel mit dem Kreml bei dem Herausdrängen westlicher Unternehmen aus aussichtsreichen Förderprojekten im Fernen Osten hervorgetan. Der Einstieg in die Ölbranche gelang durch den Kauf der Firma Sibneft. Kritiker vermuten, dass dabei politischer Druck auf den früheren Eigner, den Oligarchen Roman Abramowitsch, ausgeübt wurde. Manch einer bezweifelte, dass er die volle Kaufsumme von 13 Milliarden Dollar auch erhalten habe.

Neue Gasleitung

Im Inland betätigte sich Gasprom zudem als „Medienkontrolleur“ zugunsten des Staates. Schon während des ersten Gasstreits mit der Ukraine vor drei Jahren gerieten Gasprom und Miller im Westen zudem in den Verruf, politisches Instrument des Kremls zu sein. Dessen Außenpolitik, hieß es, werde nicht mehr vom Außenminister, sondern von Gasproms Preispolitik verwirklicht. Miller hat das immer bestritten. Andererseits legen die Unterschiede in der Preisgestaltung für die Abnehmer in der GUS politische Präferenzen zumindest nahe. Und nahtlose Übereinstimmung besteht mit der politischen Führung auch darin, den direkten Zugang der Westeuropäer zum zentralasiatischen Gas zu verhindern.

Nabucco kenne er nur als Oper, spottete Aleksej Miller noch vor einiger Zeit über Pläne im Westen zum Bau der „Nabucco“-Pipeline unter Umgehung Russlands. Der zweite Gasstreit mit der Ukraine und dessen Folgen für die Westeuropäer könnten nun freilich dazu führen, dass Nabucco trotz aller Widrigkeiten bald auch für eine neue Gasleitung steht.

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Jahrgang 1948, politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

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