19.08.2005 · Die Anbieter von Computerspielen wollen neue Kundengruppen als Käufer gewinnen. Mit Superstars könnten sie das schaffen - oder mit Konsolen, die als Modeaccessoire daherkommen und Frauen ansprechen.
Von Holger SchmidtTopmodel Eva Padberg mühte sich redlich, aber auch sie konnte Europas größter Computer- und Videospielmesse „Games Convention“ ein wichtiges Manko nicht nehmen: „Uns fehlen die Stars. Wir haben Super Mario und Lara Croft - aber das war es dann auch schon“, stellt Martin Schneider vom japanischen Spielehersteller Konami fest. Die Stars sind in anderen Branchen die Zugpferde, um neue Zielgruppen anzulocken, die vor allem der deutsche Markt dringend braucht.
Konami hat zwar seinen Chefentwickler Hideo Kojima aus Japan eingeflogen. Kojima ist der Erfinder des Spiels Metal Gear, das in der Branche Kultstatus genießt. Ganz in Weiß gekleidet und trotz seiner 41 Jahre wie Mitte Zwanzig aussehend, ist Kojima einer der Superstars der Spielebranche - nur eben außerhalb der Szene völlig unbekannt.
Jung, blaß und männlich
Dabei ist das Interesse an interaktiven Spielen gar nicht so klein. Mehr als eine Million sogenannter Hardcore-Gamer gibt es in Deutschland; etwa fünf Millionen Spielekonsolen von Sony, Microsoft und Nintendo stehen in deutschen Haushalten. Rund 110.000 Spielebegeisterte werden noch bis zum Sonntag in Leipzig erwartet. Viele entsprechen dem üblichen Klischee: Sie sind jung, blaß und männlich. Genau von diesem Image will die Branche aber wegkommen.
Um den deutschen Markt, der deutlich langsamer wächst als die europäischen Nachbarländer, in Schwung zu bringen, sollen neue Kundengruppen erschlossen werden - älter, vor allem aber weiblich. Eva Padberg findet daher auf dem Nintendo-Stand bellende Hündchen ganz toll, die Nintendogs. Ihre Herrchen - oder lieber Frauchen - können die virtuellen Vierbeiner aufziehen, als wären sie echt. In Japan sind die Nintendogs ein Renner, der ganz nebenbei die Absatzzahlen für die mobile Spielekonsole Nintendo Doublescreen kräftig angekurbelt hat.
Daddelboxen als Modeaccessoires
Nintendo machte in Leipzig außerdem den Versuch, aus Technik Mode zu machen. Die Spielekonsole Game Boy kommt nun mit zwölf unterschiedlich farbigen Frontschalen auf den Markt. „Die deutschen Videospiel-Fans lieben tragbare Systeme für den kleinen Spielspaß zwischendurch. Deshalb bringen wir mit dem Game Boy Micro unser bewährtes Gerät in einem neuen Look heraus, der vor allem trendbewußte junge Erwachsene und auch Frauen anspricht“, bemüht sich Nintendo-Deutschlandchef Bernd Fakesch etwas verkrampft, die Zielgruppe möglichst weit zu fassen.
Marktführer Sony hat ebenfalls mehrere Eisen im Feuer, um die Zielgruppen zu erweitern. 3,5 Millionen Playstation-2-Konsolen hat Sony in Deutschland seit dem Jahr 2000 verkauft. Bis Ende des kommenden Jahres soll die installierte Basis auf 5,6 Millionen steigen, sagte Uwe Bassendowski von Sony Computer Entertainment. Neue Partyspiele wie Buzz, eine Art Digital-Karaoke, und das Fitness-Spiel Eye Toy Kinetic, das zusammen mit dem Sportartikelhersteller Nike entwickelt wurde, sollen vor allem junge Frauen für die Playstation 2 begeistern. „Seit dem Jahr 2000 haben wir den Marktanteil bei den Frauen mehr als vervierfacht“, sagt Bassendowski. Das heißt: Immer noch sind aber vier von fünf Käufern männlich.
„Der hohe Preis für die Xbox 360 überrascht“
Auf einen weiteren Preiskampf mit Microsoft will es Sony aber nicht ankommen lassen. „Der Preis für die Playstation 2 wird im Weihnachtsgeschäft nicht gesenkt. Wir erreichen auch mit dem aktuellen Preis unsere Ziele“, sagte Bassendowski. Aktuell steht die Konsole für 149 Euro in den Regalen. Branchenkenner hatten erwartet, daß die Playstation 2 für weniger als 100 Euro zu Weihnachten angeboten werde.
Sony kann den Preis beibehalten, weil Konkurrent Microsoft nach Angaben von Chris Lewis, dem Europachef der Microsoft Xbox-Division, im Weihnachtsgeschäft 400 Euro für eine Vollversion seiner neuen Konsolengeneration Xbox 360 verlangen wird (F.A.Z. vom 18. August). Die Basisversion ohne Festplatte wird 300 Euro kosten. „Der hohe Preis für die Xbox 360 überrascht. Aber Microsoft will mit seinen Konsolen auch einmal Geld verdienen“, kommentierte Bassendowski im Gespräch mit dieser Zeitung die Preispolitik des Konkurrenten. Er kann sich die Spitze in Richtung Microsoft leisten: Nach seinen Angaben haben Microsoft und Nintendo in den ersten sieben Monaten des Jahres kräftig Marktanteile in Deutschland verloren, während Sony gewonnen hat.
Jeder vierte Deutsche soll die Playstation Portable kaufen
Endgültig aus der Nische der jungen Männer heraus will Sony mit der Playstation Portable. Für die tragbare Konsole macht Bassendowski folgende Rechnung auf. „In Deutschland leben 32,5 Millionen Menschen zwischen 15 und 45 Jahren. 25 Prozent davon sollen die Playstation Portable kaufen. Das bedeutet, daß wir 8,1 Millionen Einheiten absetzen wollen“, sagte Bassendowski. Mit der Konsole können die Menschen nicht nur spielen, sondern auch Filme anschauen, Musik hören und drahtlos im Internet surfen. Zum Verkaufsbeginn im September wird die Playstation Portable für 249 Euro in den Regalen stehen. Die dritte Konsolengeneration aus dem Hause Sony, die Playstation 3, werde im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen, sagte Bassendowski. Angaben zum Preis wollte er aber nicht machen.
In einem Punkt ist Microsoft der Konkurrenz aber voraus: Xbox Live, der Online-Spieldienst von Microsoft, hat inzwischen zwei Millionen Mitglieder. Die Mitgliederzahl hat sich nach Angaben von Microsoft innerhalb eines Jahres verdoppelt. Das rapide Wachstum ist Beleg für die allgemeine Tendenz zu Online-Spielen, heißt es bei Microsoft. Das Online-Spielerlebnis, bei dem sich Gleichgesinnte aus der ganzen Welt über das Internet zum Spiel treffen, gilt als zentraler Bestandteil der Xbox 360. Zur Markteinführung werden nach Microsoft-Angaben mehr als 300 sogenannte Multiplayer-Spiele für Xbox und Xbox 360 verfügbar sein.
Auf den vergeblich erhofften Preiskampf der Konsolenanbieter dürfen die Spieler aber im Softwaremarkt hoffen. Der Spielehersteller Electronic Arts (EA) verkauft in Deutschland einige Spiele unter der Marke „EA most wanted“ künftig zum Preis von 10 Euro. „Die neue Marke ist Teil unserer Strategie, neue Zielgruppen zu erschließen“, sagte Jörg Trouvain, Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland. In der vergangenen Woche hatte bereits das britische Unternehmen Play It angekündigt, künftig Konsolenspiele für knapp 15 Euro in Deutschland zu verkaufen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2527 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | −0,34% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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